Am Endpunkt der mobilen Vielfalt

    25. Oktober 2017, 10:02
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    Im Innviertel ist ein Leben ohne Vierfachbereifung schwer – ISG setzt auf Wohnbau mit Carsharing

    Ried im Innkreis – Sechs von zehn Österreichern nutzen öffentliche Verkehrsmittel, fast sieben von zehn fahren Rad, acht von zehn lenken zumindest gelegentlich ein Auto, und neun von zehn gehen täglich beziehungsweise mehrmals pro Woche im Alltag zu Fuß. Die Menschen setzen im Bereich der Mobilität auf Vielfalt.

    Stadt-Land-Gefälle

    Die Kehrseite der Mobilitätsmedaille ist aber das Stadt-Land-Gefälle: In Städten ist die Wahlfreiheit in der Mobilität bereits hoch, in vielen ländlichen Regionen jedoch extrem niedrig. Im Innviertel hat man sich dieser Problematik angenommen. Konkret will die Innviertler Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft (ISG) mit neuen Konzepten mehr Bewegung in die Region bringen.

    "Man kann die Situation im Innviertel nicht mit einer Großstadt wie Wien vergleichen. Dort werden Milliarden in den öffentlichen Verkehr gepumpt. In Wien kaufe ich mir eine Jahreskarte und bin glücklich. Im ländlichen Raum ist so ein Paradigmenwechsel weg vom Auto nicht möglich", ist ISG-Geschäftsführer Herwig Pernsteiner im STANDARD-Gespräch überzeugt.

    Halb leere Busse

    Es würde in kleineren Städten wie Braunau "ein wenig" gelingen, dass das Auto stehenbleibt. Pernsteiner: "Dort kann ich halt doch noch Geschäfte oder Gasthäuser fußläufig erreichen. Und es gibt einen Stadtteilbus. Aber auch der ist in Braunau meistens drei Viertel der Zeit halb leer." Gänzlich unmöglich sei ein autofreies Leben in den kleinen Gemeinden außerhalb. "Da fahren sie dann für einen Liter Milch mit dem Rad sechs Kilometer zum nächsten Greißler", gibt der ISG-Chef einen Einblick in den mobilen Alltag im Innviertel.

    Und die Zahlen geben Pernsteiner recht: 520 Autos pro 1000 Einwohner weist die Statistik für das Innviertel aus. In Wien sind es im Vergleich 370 Autos pro 1000 Einwohner. Also Augen zu und Gas geben im Innviertel? "Natürlich wollen wir die Situation nicht so einfach hinnehmen. Wir suchen stetig nach umsetzbaren Alternativen", so Pernsteiner.

    Elektroangebot

    Ein konkretes Projekt entsteht derzeit im Rahmen des ISG-Bauvorhabens in der Riedauer Straße in Ried im Innkreis. 120 Wohneinheiten werden dort aktuell errichtet. Und es wird für die Mieter die Möglichkeit geben, gemeinsam zum grünen Lenkrad zu greifen. Pernsteiner: "Wir werden den Bewohnern ein E-Auto zur Verfügung stellen. Die Nutzung soll selber organisiert werden." Mit einem Ziel: Pro Haushalt soll dann nur mehr ein Auto nötig sein. (Markus Rohrhofer, 25.10.2017)

    • ISG-Chef Herwig Pernsteiner ist passionierter Radfahrer.
      foto: newald

      ISG-Chef Herwig Pernsteiner ist passionierter Radfahrer.

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