Weinstein-Skandal: Auch Assistentin bekam Schweigegeld

    24. Oktober 2017, 19:10
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    Der Filmproduzent soll auch diese Mitarbeiterin bedrängt haben – Matt Damon: "Ich wusste, dass er ein Arschloch war"

    New York / London – Eine ehemalige Assistentin von Filmproduzent Harvey Weinstein wurde nach eigenen Worten mit Geld zum Schweigen über sexuelle Belästigung gebracht. Der "Financial Times" sagte Zelda Perkins, dass Weinstein Ende der 90er-Jahre mehrmals nackt vor ihr herumgerannt sei und auch um Massagen gebeten habe.

    "Er verhielt sich so bei jeder Gelegenheit, wenn wir beide allein waren. Ich musste ihn häufiger morgens im Hotel wecken, und er versuchte mich in sein Bett zu ziehen", sagte Perkins. Sie habe gekündigt, als ihr eine Kollegin von einem sexuellen Übergriff Weinsteins berichtete.

    Laut Perkins erhielten die beiden Frauen ein Schweigegeld von 250.000 Pfund (rund 280.000 Euro), als sie ihn anzeigen wollten. Außerdem sollen sie sich verpflichtet haben, die Vorfälle vertraulich zu behandeln. Perkins wolle ihren Vertrag nach 19 Jahren öffentlichkeitswirksam auflösen, um eine Diskussion über Geld und Macht anzuregen, sagte sie der Zeitung.

    Schweigegeld an acht weitere Frauen

    Die Ermittlungen gegen Weinstein weiten sich unterdessen aus. Nach der Polizei in New York und Los Angeles ermittelt nun auch die New Yorker Staatsanwaltschaft wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe. Der Filmmogul soll neben Perkins mindestens acht weitere Frauen mit Schweigegeld davon abgehalten haben, an die Öffentlichkeit zu gehen. Weinstein bestreitet, Frauen zum Sex gezwungen zu haben.

    Die Oscar-Preisträger Matt Damon (47) und George Clooney (56) zeigten sich in einem gemeinsamen Interview des Fernsehsenders ABC bestürzt über das Ausmaß des Skandals. "Ich wusste, dass er ein Arschloch war", sagte Damon. Er habe ihn auch als notorischen Schürzenjäger wahrgenommen. Doch das Ausmaß von "kriminellen sexuellen Nachstellungen" sei ihm "überhaupt nicht" bekannt gewesen.

    Clooney sagte, dass Weinstein ihm gegenüber oft mit Affären angegeben habe. Er habe ihm das aber nie recht geglaubt. Weinstein müsse seine "wohlverdiente Strafe" erhalten, erklärte der Regisseur und Schauspieler. Es sei wichtig, dass alle Vorwürfe ans Licht kommen und ein derartiges Verhalten von Männern nicht mehr geduldet werde. Clooney und Damon arbeiteten vor allem in den 1990er-Jahren eng mit Weinsteins damaliger Firma Miramax zusammen.

    Vorwürfe gegen weitere Männer

    Auch der für die Dokumentation "Tyson" und die Liebeskomödie "Ein Mann für zwei" bekannte US-Regisseur James Toback sieht sich Vorwürfen wegen sexueller Übergriffe ausgesetzt. 38 Frauen werfen dem 72-Jährigen laut "Los Angeles Times" vor, sie im Lauf der vergangenen Jahrzehnte sexuell belästigt zu haben.

    Der US-Architekt Thomas Wall forderte Männer auf, ihr Fehlverhalten gegenüber Frauen unter dem Hashtag #ihave öffentlich einzugestehen. Zuvor hatten Frauen unter dem Hashtag #metoo von sexuellen Übergriffen berichtet. Wall hatte daraufhin vergangene Woche getwittert: "#metoo ist das Symptom, #ihave ist das Heilmittel."

    "Debatte immer gut"

    Die Leiterin der Wiener Gleichbehandlungsanwaltschaft, Ingrid Nikolay-Leitner, begrüßte am Dienstag die Diskussion über sexuelle Belästigung. Eine solche Debatte wie #metoo sei "immer gut", sagte sie der APA.

    In Österreich ist das Sexualstrafrecht zuletzt massiv verschärft worden. Neben der zweimaligen Nachjustierung des Straftatbestands der sexuellen Belästigung – etwa Bestrafung des "Pograpschens" – wurde auch ein neuer Straftatbestand geschaffen: Der Paragraf 205a behandelt die Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung. Seit seiner Einführung 2016 wurde laut Bundeskriminalamt 83-mal deshalb Anzeige erstattet. Im ersten Halbjahr 2017 waren es 65 Anzeigen (von Jänner bis Juni 2016: 33). Noch deutlicher ist der Anstieg der Anzeigen bei sexueller Belästigung: von 1.228 im Jahr 2015 auf 1.918 im Jahr 2016 (erstes Halbjahr 2017: 784). (APA, 24.10.2017)

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