Auf Schlaganfall folgt Herzschwäche

    24. Oktober 2017, 16:52
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    Forscher konnten zeigen, dass nach einem Schlaganfall ein erhöhtes Risiko besteht, eine chronische Herzschwäche zu entwickeln

    Essen/Würzburg – Menschen mit einer Herzschwäche erleiden überdurchschnittlich häufig Schlaganfälle. Wissenschaftler der Universitätskliniken Essen und Würzburg konnten nun erstmals experimentell zeigen, dass auch oft der umgekehrte Krankheitsverlauf zutrifft: Nach einem Schlaganfall kann sich über Monate hinweg eine Herzschwäche entwickeln.

    "Beim Schlaganfall darf nicht allein die Hirnfunktion betrachtet werden, auch eine langfristige Herzdiagnostik muss ins Auge gefasst werden", empfiehlt deshalb Christoph Kleinschnitz vom Universitätsklinikum Essen. Es gab bereits Hinweise, dass sich eine Herzinsuffizienz (HI) durch Störung des autonomen Nervensystems entwickeln kann. Der genaue Mechanismus dahinter war jedoch bislang unbekannt.

    Bisherige Studien an Schlaganfallpatienten zeigten lediglich, dass es bis zu mehrere Wochen nach einem Schlaganfall sowohl zu Herzrhythmusstörungen, dem Absterben von Herzmuskelzellen als auch zu funktionellen Störungen des Herzens kommen kann. In konkreten Zahlen: Innerhalb der ersten drei Monate nach einem Schlaganfall kommt es bei 19 Prozent aller Patienten zu einem schweren kardialen Zwischenfall in Form eines Herzinfarkts oder plötzlichen Herztods.

    Betablocker nach Schlaganfall

    Bisher war kaum etwas über die Langzeitkonsequenzen eines Schlaganfalls auf die Entwicklung einer chronischen Herzschwäche bekannt. Die Grundhypothese der Forscher aus Essen und Würzburg lautete: Ein Ischämischer Schlaganfall (IS), der durch eine plötzliche Minderdurchblutung des Gehirns ausgelöst wird, ruft auch eine chronische Herzinsuffizienz (HI) hervor. Den Wissenschaftern gelang der Nachweis, dass sich nach einem experimentellen Schlaganfall am Tiermodell eine Funktionsstörung des Herzens ausbildet. So war die Pumpfunktion acht Wochen nach Schlaganfallinduktion signifikant reduziert. Dieser neurokardiale Schaden wird durch eine chronische Überaktivierung in einem Teil des Nervensystems, dem Sympathikus, ausgelöst. Eine weitere Folge: Es kommt zu einer vermehrten Kollagenbildung direkt am Herzen.

    Die Wissenschaftler testeten auch eine medikamentöse Behandlung zur Verhinderung der HI nach Schlaganfall. Dazu wurde der Betablocker Metoprolol verabreicht. Dadurch konnte die Aktivierung des Sympathikus gesenkt und die Herzfunktion signifikant verbessert werden. Auch die morphologischen Veränderungen am Herzen blieben aus.

    "Sollten sich die experimentellen Ergebnisse in dem klinischen Teil der Studie bestätigen lassen, könnte diese medikamentöse Therapie mit einem Betablocker auch ein sinnvoller Ansatzpunkt bei Patienten nach einem Schlaganfall sein", sagt Stefan Frantz, Mitautor der Studie. Die Ergebnisse der ersten Analysen werden Anfang nächsten Jahres erwartet. (red, 24.10.2017)

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