Weniger Anzeigen wegen Sexualdelikten im ersten Halbjahr 2017

    25. Oktober 2017, 08:00
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    Vorläufige Zahlen des Bundeskriminalamts zeigen einen Trend nach unten im Vergleich zu 2016

    Nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegen den US-Produzenten Harvey Weinstein äußern sich hunderttausende Frauen weltweit zu ihren Missbrauchserfahrungen. Auch in Österreich wird dem abberufenen Chefredakteur der "Wiener Zeitung", Reinhard Göweil, Belästigung einer Kollegin vorgeworfen. Insgesamt gehen die Anzeigen wegen Sexualdelikten in Österreich allerdings zurück.

    Frage: Wie viele Sexualdelikte werden pro Jahr angezeigt?

    Antwort: Österreichweit wurden im Jahr 2016 5.253 Sexualdelikte angezeigt. Darunter fallen aber auch Kinderpornografie und der Missbrauch von Unmündigen und Jugendlichen. In Fällen von Vergewaltigung, geschlechtlicher Nötigung, der Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung oder sexueller Belästigung wurden 3.182 Anzeigen erstattet. Laut vorläufigen Zahlen des Bundeskriminalamts wurden 2017 bei den genannten Delikten 1.317 Anzeigen eingebracht. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es noch um 258 Anzeigen mehr.

    Frage: Wo in Österreich werden die meisten Anzeigen erstattet?

    Antwort: Im Bundesländervergleich wurden 2016 in Wien die meisten Anzeigen erstattet: nämlich 1.100, wenn es um die oben genannten Strafbestände ging. Das waren rund 29 Prozent der österreichweiten Anzeigen.

    Frage: Welche Delikte werden besonders häufig angezeigt?

    Antwort: Vor allem sexuelle Belästigung und öffentliche geschlechtliche Handlungen werden angezeigt. Im Jahr 2016 gab es 1.918 Anzeigen österreichweit. Im ersten Halbjahr 2017 sind es laut vorläufigen Zahlen 784 Anzeigen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 955.

    Frage: Warum sind die Anzeigen wegen sexueller Belästigung von 2015 auf 2016 so gestiegen?

    Antwort: Die Zahlen waren schon immer hoch, doch seit einer Neuformulierung des Paragrafen mit 1. Jänner 2016 sind nun mehr Delikte strafbar. So etwa auch das Po-Grapschen.

    Frage: Wer sind die Tatverdächtigen?

    Antwort: Bei den Verdächtigen handelt es sich vor allem um Personen zwischen 18 und 39 Jahren. Angehörige der Altersgruppe waren im Jahr 2016 in 639 Fällen verdächtig, dicht gefolgt von über 40-Jährigen (591 Fälle). Minderjährig waren nur 147 Personen. Die Verdächtigen sind überwiegend männlich. Nur fünf Tatverdächtige waren 2016 weiblich.

    Frage: Wie oft werden Frauen Opfer von sexueller Belästigung?

    Antwort: Laut einer EU-weiten Studie aus dem Jahr 2014 hat in Österreich jede dritte Frau seit ihrem 15. Lebensjahr eine Form der sexuellen Belästigung erlebt. 29,5 Prozent der Frauen in Österreich waren demnach bereits Opfer von sexualisierter Gewalt.

    Frage: Was passiert, wenn man am Arbeitsplatz sexuell belästigt wird?

    Antwort: Im Gleichbehandlungsgesetz regelt der Paragraf sechs die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, "wenn ein der sexuellen Sphäre zugehöriges Verhalten gesetzt wird, das die Würde einer Person beeinträchtigt oder dies bezweckt, für die betroffene Person unerwünscht, unangebracht oder anstößig ist". Das Gesetz sieht eine Beweislastumkehr vor: Während im Strafrecht die Schuld des Verdächtigen nachgewiesen werden muss, muss bei der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz der Beklagte beweisen, dass keine Diskriminierung vorlag. (Bianca Blei, Oona Kroisleitner, 25.10.2017)

    • Die Zahlen der Anzeigen im Jahresvergleich.
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      Die Zahlen der Anzeigen im Jahresvergleich.

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