Drogenbeobachtungsstelle: Situation in Europa stabil

    24. Oktober 2017, 12:19
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    Zahl der Todesopfer eher im Steigen

    Lissabon – Die Situation mit illegalen Drogen ist in Europa laut der EU-Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) weitgehend stabil. Allerdings wurden zuletzt mehr Todesfälle durch Überdosierungen bei Heroin und Opioiden registriert. Am meisten konsumiert werden weiterhin legale Drogen wie Nikotin und Alkohol.

    2015 gab es in der EU schätzungsweise mindestens 7.585 Todesfälle aufgrund von Überdosierungen, bei denen mindestens eine illegale Droge nachgewiesen wurde. Unter Einbeziehung Norwegens und der Türkei liegt die Zahl bei 8.441.

    Das entspreche einem Anstieg um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahrswert von 7.950 Fällen, hieß es im Frühjahr im EMCDDA-Jahresbericht. 78 Prozent dieser Todesfälle stünden mit Opioiden im Zusammenhang, insbesondere Heroin, Morphin und synthetischen Opioiden.

    Sieben Prozent konsumieren Cannabis

    Drogenkonsum ist bei weitem keine Angelegenheit von Randgruppen der Gesellschaft. Sieben Prozent der Erwachsenen (15 bis 64 Jahre) gebrauchen beispielsweise innerhalb eines Jahres Cannabis.

    Wie sehr Verfügbarkeit, Lebensstil, kulturelle Einflüsse und gesetzliche Regelungen einen Einfluss auf Substanzkonsum haben, zeigt ein Vergleich bei den 15-/16-Jährigen zwischen den USA und Europa: 2015 gaben 49 Prozent der in Europa Befragten aus dieser Altersklasse an, in den vorangegangenen Tagen Alkohol konsumiert zu haben (1995: 57 Prozent). In den USA waren es 1995 hingegen 39 Prozent, im Jahr 2015 dann 22 Prozent. Bei etwa gleichen Tabakkonsum-Anteilen im Jahr 1995 (31 Prozent in Europa, 28 Prozent in den USA) gab es bis 2015 eine starke Trennung der Entwicklung (Europa: 23 Prozent; USA: sechs Prozent).

    In Europa sank der Anteil der Cannabis-Konsumenten (innerhalb von 30 Tagen) von 17 auf 15 Prozent, in den USA stieg er bei Jugendlichen von fünf auf acht Prozent.

    3,5 Millionen Kokain-Konsumenten

    "Mehr als 93 Millionen Europäer haben bereits einmal in ihrem Leben illegale Drogen konsumiert", sagte EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos. Das meint zumindest einmaligen Drogenkonsum, sagt aber wenig aus, weil es sich beim Drogengebrauch zumeist um ein vorübergehendes Phänomen in einem bestimmten Lebensalter handelt.

    Die Experten gehen mit ihren Schätzungen davon aus, dass 23,5 Millionen EU-Bürger (15 bis 64 Jahre; sieben Prozent dieser Altersklasse) im vorigen Jahr zumindest einmal Cannabis konsumiert haben. Hinzu kommen 3,5 Millionen Kokain-Konsumenten (ein Prozent der 15- bis 64-Jährigen innerhalb eines Jahres).

    MMDA (Ecstasy) nehmen innerhalb eines Jahres 2,7 Millionen Menschen ein (0,8 Prozent), Amphetamine 1,8 Millionen der 15- bis 64-Jährigen (0,5 Prozent). Insgesamt gibt es in der EU rund 1,3 Millionen Menschen mit Hochrisiko-Opioidkonsum unter den Erwachsenen (vor allem injizierender Heroingebrauch).

    Gesamtmarkt bei rund 24 Milliarden Euro

    Das Geschäft mit den illegalen Drogen ist riesig: Für 2013 wurde der Gesamtmarkt auf 24 Milliarden Euro geschätzt. Davon machte der Umsatz mit Cannabisprodukten rund 9,3 Milliarden aus, der Handelswert von Heroin kam auf rund 6,8 Milliarden. 5,7 Milliarden Umsatz machten die Dealer mit Kokain.

    In Österreich weisen 29.000 bis 33.000 Menschen einen risikoreichen Opioid-Konsum auf (Österreichischer Drogenbericht). Diese Zahl ist relativ stabil. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist die Zahl dieser Drogenkonsumenten von 2004/05 bis 2015 von rund 10.000 auf 3.000 gesunken.

    153 Drogentote im Jahr 2015

    So wie in Europa negativ ist allerdings die aktuelle Tendenz bei den Drogentoten: 2014 gab es mit 122 Todesfällen, die direkt mit Suchtgiftkonsum in Verbindung gestanden sind, ein Minimum (2009 zum Beispiel 206 Todesfälle). Im Jahr 2015 wurden allerdings wieder 153 "Drogentote" registriert. Vor allem ältere und nicht im Substitutionsprogramm betreute Drogenkranke waren betroffen. (APA, 24.10.2017)

    • Sieben Prozent der Erwachsenen (15 bis 64 Jahre) in der EU gebrauchen innerhalb eines Jahres Cannabis.
      foto: apa/lpd wien

      Sieben Prozent der Erwachsenen (15 bis 64 Jahre) in der EU gebrauchen innerhalb eines Jahres Cannabis.

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