Deutschkurse für Asylwerber in Gefahr: Kontraproduktiv und dumm

Kommentar24. Oktober 2017, 07:42
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Sollte die FPÖ ihre Forderung nach dem Innenministerium durchsetzen, könnte ein kalter Wind aufkommen, ganz ohne "Integration von Anfang an"

Reiche entstehen, Reiche vergehen, lautet ein althergebrachtes Sprichwort. Es kündet von unsicheren Macht- und Organisationsstrukturen und ließ sich schon bisher wiederholt auf die Verwerfungen anwenden, die das politisch im Innenministerium ressortierende österreichische Asylwesen chronisch prägen. So etwa, als in den Jahren vor der großen Fluchtbewegung die Unterbringungskapazitäten für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zurückgefahren wurden, weil mit dem damals starken Sinken der Antragszahlen insgesamt auch nur noch wenige Minderjährige nach Österreich kamen.

Dann setzte 2015 der Ansturm ein, und bald saßen hunderte Burschen im Lager Traiskirchen fest – ohne altersentsprechende Betreuung und sonstige Perspektiven, was junge Männer bekanntlich leicht auf blöde Gedanken bringt. Es dauerte zwei Jahre, um wieder in einigermaßen ausreichender Zahl passende Einrichtungen zu schaffen.

Der gleiche Mechanismus droht jetzt bei den Alphabetisierungs- und Deutschkursen für Asylwerber zu greifen. Das Deutschförderpaket, das angesichts der Massenankünfte von Flüchtlingen mit hoher Anerkennungschance geschnürt wurde, endet – und es gibt keine finanzielle Übergangsregelung, die eine Weiterführung ermöglichte. Dabei sind die Alphabetisierungs- und Sprachkurse für neu angekommene Menschen aus fernen Ländern und Kulturen wichtige erste Anknüpfungspunkte in Österreich.

Das ist kontraproduktiv: Trainern, die sich gut in die Materie eingearbeitet haben, droht die Kündigung. Es ist dumm und teuer, denn künftige Kursneugründungen würden – wieder – einiges zusätzlich kosten. Wenn sie dann überhaupt gewünscht sind: Denn sollte die FPÖ – auf welchem koalitionären Weg auch immer – ihre Forderung nach dem Innenministerium durchsetzen, könnte ein kalter Wind aufkommen, ganz ohne "Integration von Anfang an".(Irene Brickner, 23.10.2017)

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