Zweifel an Robustheit von Österreichs Pensionssystem

23. Oktober 2017, 17:25
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Laut Mercer-Studie nur Platz 21 von 30 Ländern – AK: "Ewig gestrige Verunsicherungsbotschaften "

Wien – Das österreichische Pensionssystem schneidet in puncto Nachhaltigkeit nicht gut ab. Im Vergleich zu 30 ausgesuchten Ländern liegt Österreich auf dem 21. Platz. Das ist das Ergebnis des Melbourne Mercer Global Pension Index 2017, der vom Beratungsunternehmen Mercer bereits zum neunten Mal in Kooperation mit dem Australian Centre for Financial Studies erstellt wurde.

Im Rahmen der Untersuchung wurde die Altersversorgung verschiedener Länder hinsichtlich ihrer Angemessenheit, Nachhaltigkeit und Integrität unter die Lupe genommen und bewertet. Dabei wurden neben den staatlichen Rentensystemen und der betrieblichen Altersversorgung auch private Anlagen und Vorsorgemaßnahmen berücksichtigt.

Dänemark landet zum sechsten Mal in Folge auf dem ersten Rang. Sorgenkind des österreichischen Systems bleibt der Bereich Nachhaltigkeit. Es fehle im Gegensatz zu Modellen in anderen Ländern, beispielsweise in Schweden, an einer automatischen Anpassung an demografische Entwicklungen, heißt es in dem Bericht.

Handlungsbedarf

"Auch wenn im Wahlkampf das Thema Pension stiefmütterlich behandelt wurde, wäre es wünschenswert, dass die neue Bundesregierung den Handlungsbedarf erkennt und sich von der Meinung befreit, dass die Pensionen in Österreich ohnehin sicher sind. Betrachtet man den demografischen Wandel, darf man nicht länger die Augen verschließen und muss im Sinne der fehlenden Nachhaltigkeit des Systems endlich handeln", forderte Mercer-Geschäftsführer Josef Papousek in einer Aussendung am Montag.

Bei den Pensionistenvertretern der SPÖ ließen die Aussagen des Beratungsunternehmens die Alarmglocken schrillen. Pensionistenverbandspräsident Karl Blecha ortet "von langer Hand geplante Einschnitte bei der sozialen Sicherheit".

Auch die Arbeiterkammer (AK) reagierte scharf und sprach in einer Aussendung von "ewig gestrigen Verunsicherungsbotschaften". Das österreichische Pensionssystem liege bei der Angemessenheit "im internationalen Spitzenfeld", die Ausgabenentwicklung sei "auch langfristig stabil". Die staatlichen Ausgaben für die gesetzlichen Pensionen fielen seit Jahren deutlich geringer aus als budgetiert – und zwar gleich um mehrere hundert Millionen Euro pro Jahr, argumentiert die AK. Nach dem Alterungsbericht der EU-Kommission würden die österreichischen Pensionsaufwendungen bis 2060 im Vergleich zu 2014 nur um 0,5 Prozent des BIP steigen.

Kapitalgedeckte Pensionen seien "ein wesentlicher Geschäftsbereich für Mercer", der Index setze folglich auf mehr Kapitaldeckung in den Pensionssystemen. Es seien aber gerade jene Länder gewesen, die auf Kapitaldeckung gesetzt hatten, die im Zuge der Finanzkrise gezwungen waren, Leistungen zu kürzen, das Pensionsantrittsalter anzuheben oder überhaupt vom Privatisierungsweg wieder abzugehen. (APA)

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