Zehn Rapidler gewinnen das Wiener Derby

    22. Oktober 2017, 18:22
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    Austria wird Elfmeter vorenthalten, glückliches Schobesberger-Tor reicht zum Sieg

    Wien – Rapid hat natürlich vor dem 323. Wiener Fußballderby emsig trainiert, es wurde zum Beispiel ein Lastauto durch Groß-Enzersdorf gezogen. Trainer Goran Djuricin wollte mit dieser Maßnahme die Mannschaft noch mehr zusammenschweißen, Team-Building heißt das. Die Austria glich zuletzt freilich einem klapprigen Kleinwagen mit nur drei Rädern, auf das 0:3 bei Sturm Graz folgte am Donnerstag das 1:3 in der Europa League gegen Rijeka.

    Zudem pfeifen die Veilchen personell aus dem vorletzten Loch, wer keinen Kreuzbandriss hat ist gesperrt (Pires) oder leidet an Muskelverhärtung (De Paula). Trainer Thorsten Fink ist ein Kandidat für den Teamchefposten, Gespräche mit ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel haben bereits stattgefunden, es ist bei der Austria schon einmal ruhiger zugegangen. Und bei Rapid lauter.

    Schwache Anfangsphase

    Also wurden die seit sieben Pflichtspielen ungeschlagenen Hütteldorfer am Sonntagnachmittag im eher schwach besuchten Happel-Stadion (14.189 Zuschauer) als Favorit gehandelt. Wobei man nie außer Acht lassen soll, dass speziell ein Derby erst einmal gespielt werden muss. Es entwickelte sie eine nicht gerade famose, aber doch intensive Partie. Rapid erspielte sich hauchdünne Vorteile, ohne wirklich gefährlich zu werden, die Austria wartete ab. Nach einer halben Stunde wurde sie munterer, nach Pass des starken Dominik Prokop vergibt Kevin Friesenbichler die erste hochkarätige Chance (31.).

    Bei Rapid setzte Philipp Schobesberger aufgrund seiner Schnelligkeit Akzente, Kapitän Stefan Schwab bemühte sich um Ordnung und Inhalt, phasenweise ist es ihm geglückt, Pausenstand 0:0.

    Glückliches Führungstor

    55. Minute: Der bis dahin unauffällige Louis Schaub flankt präzise, Schobesberger köpfelt das 1:0 für Rapid, Austrias Goalie Patrick Pentz hat auf eine Reaktion offensichtlich vergessen. Es war die Vorentscheidung, den Gastgebern fehlten Kraft und Klasse, um sich aufzubäumen, das Ding zu drehen. In der 80. Minute wurde es noch einmal spannend: Lucas Galvão ist letzter Mann, foult den durchbrechenden Austrianer Christoph Monschein, Schiedsrichter Robert Schörgenhofer schließt den Brasilianer aus. Beim Freistoß von Raphael Holzhauser unterläuft Schwab ein Handspiel, ein Elfer wäre fällig gewesen.

    Rapid brachte den Vorsprung also auch dank des Referees relativ locker über die Runden. Die Serie von vier sieglosen Derbys ist somit beendet, Platz drei in der Tabelle wurde gefestigt.

    Das 324. Derby lässt nicht lange auf sich warten, es findet bereits am Mittwoch ebenfalls im Happel-Stadion statt. Anlass ist das Achtelfinale des Cups. (hac, 22.10.2017)

    FK Austria Wien – SK Rapid Wien 0:1 (0:0)
    Wien, Ernst-Happel-Stadion, 14.189, SR Schörgenhofer

    Tor: 0:1 (55.) Schobesberger

    Austria: Pentz – Klein, Serbest, Westermann (63. Kadiri), Salamon (86. Sarkaria) – Holzhauser – Tajouri, Alhassan, Lee (76. Monschein), Prokop – Friesenbichler

    Rapid: Strebinger – Auer, Sonnleitner, Galvao, Bolingoli – Ljubicic, Schwab – Schaub (80. M. Hofmann), Murg, Schobesberger (74. Joelinton) – Kvilitaia (66. Ve. Berisha)

    Rote Karte: Galvao (80./Torraub)

    Gelbe Karten: Alhassan, Prokop, Holzhauser, Kadiri, Friesenbichler bzw. Sonnleitner, Auer, Murg


    Stimmen:

    Thorsten Fink (Austria-Trainer): "Am Ende hat der gewonnen, der die Chancen genutzt hat, deswegen hat Rapid verdient gewonnen. Ich bin sehr zufrieden mit der Einstellung der Mannschaft, sie hat alles gegeben. Dass wir erst am Donnerstag gespielt haben, hat man nicht gesehen. Wir schauen jetzt nicht groß auf die Tabelle, wir haben immer noch die Chance nach oben. Für mich war die Aktion von Schwab ein Elfer. Das wäre das 1:1 gewesen, und das wäre für mich gerechter gewesen."

    Goran Djuricin (Rapid-Trainer): "In der ersten Hälfte waren wir agiler und aktiver und hatten die eine oder andere Chance. In der zweiten Hälfte war es ausgeglichener, auch die Austria hatte große Chancen. Wir hätten die Konter besser fertig spielen müssen. Das Tor von Schobesberger war glaube ich keine Absicht. Wir waren vielleicht einen Tick besser, deswegen geht der Sieg in Ordnung."

    Philipp Schobesberger (Rapid-Siegestorschütze): "Ich kann mich an kein Kopfball-Tor von mir erinnern. Eigentlich wollte ich den Ball für Kvilitaia aufköpfeln. Wir sind derzeit gut drauf, müssen aber unsere Chancen besser verwerten."

    • Rapid holte drei Punkte, ohne zu glänzen.
      foto: apa/expa/thomas haumer

      Rapid holte drei Punkte, ohne zu glänzen.

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