Säbelzahnkatzenfossil verblüfft Forscher

    20. Oktober 2017, 18:22
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    Bisher nahm man an, dass Scimitarkatzen in Europa vor 300.000 Jahren ausstarben. Doch ein neuer Fund zeigt, dass es sie auch hier sehr viel länger gab

    foto: reuters / jorge silva
    Schmusekatzen sehen anders aus: Vertreter der Gattung Homotherium, die während der Eiszeit lebten, waren etwa so groß wie Tiger, hatten aber etwas kräftigere Pranken und um einiges längere Eckzähne.

    Potsdam/Wien – Nein, dieser furchterregenden Raubkatze wäre man lieber nicht in freier Wildbahn begegnet: Die Vertreter der Gattung Homotherium waren in etwa so groß wie heutige Löwen oder Tiger, hatten zudem extrem kräftige Pranken, Eckzähne wie kurze Dolche und einen tödlichen Biss.

    Die eiszeitlichen Raubtiere, die auch Scimitarkatzen genannt werden und entfernte Verwandte der noch bekannteren Gattung Smilodon ("Säbelzahntiger") waren, überlebten in Nordamerika bis zum Ende der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren und trafen da wohl auch auf die ersten menschlichen Siedler.

    illustration: dantheman9758 cc by 3.0
    Homotherium und Mensch im Größenvergleich.

    Frühes Aussterben der Eiszeit-Ikone

    In Europa hingegen, so dachte man bisher, starb die Scimitarkatze schon rund 300.000 Jahre früher aus. Das legten jedenfalls Homotherium-Funde nahe, die vor einigen Jahren in Norddeutschland entdeckt wurden. Deshalb sei es hier auch zu keinen Begegnungen zwischen den langbeinigen Raubkatzen und dem modernen Menschen gekommen, da dieser erst vor etwas mehr als 40.000 Jahren Europa erreichte.

    Fund in einer Nordsee-Sandbank

    Doch ein neues Fossil, das in einer Sandbank rund 80 Kilometer vor der niederländischen Nordseeküste entdeckt wurde, wirft die bisherige Lehrmeinung über den Haufen: Der entdeckte Kiefer eines Homotherium latidens ist nämlich erst 28.000 Jahre alt, wie Paläobiologen um Johanna Paijmans (Universität Potsdam) im Fachblatt Current Biology berichten.

    foto: naturhistorisches museum rotterdam
    Der entdeckte Kiefer einer Säbelzahnkatze, die vor 28.000 Jahren in Europa lebte.

    Irrtümer sind eher ausgeschlossen. Denn um auf Nummer sicher zu gehen, hat das Forscherteam um Paijmans gleich sechs voneinander unabhängige Radiokarbondatierungen erstellen lassen.

    Begegnungen mit modernen Menschen

    Der neue Fund bedeutet damit auch, dass unsere direkten Vorfahren den Säbelzahnkatzen durchaus noch begegnet sein dürften. Wer dabei allerdings der Jäger und wer der Gejagte war, bleibt ebenso offen wie die Frage, warum es bisher keine anderen Fossilien dieser Säbelzahnkatzen aus ähnlich rezenter Zeit gibt.

    Zwei mögliche Erklärungen

    Die Forscher bieten dafür zwei alternative Hypothesen an: Entweder waren die Populationen dieser Ikone der Eiszeit damals schon so sehr dezimiert, dass sich nur entsprechend wenige Fossilien erhalten haben. Es könnte aber auch sein, dass eine kleine Population von Scimitarkatzen aus Asien oder über die Beringstraße nach Europa eingewandert ist und sich hier nach dem Verschwinden der Ursprungspopulation neu angesiedelt hat.

    Die Fragen, wie, wann und warum Homotherium in Europa tatsächlich ausstarb, sind damit noch spannender als zuvor. Antworten können aber wohl nur weitere Fossilfunde liefern.(Klaus Taschwer, 20.10.2017)

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