Anita Nairs "Gewaltkette": Indien, brutal und sinnlich

    23. Oktober 2017, 10:49
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    Die indische Autorin gibt eine außergewöhnliche Innenansicht der Stadt Bangalore zwischen Slums und Gated Communities

    "Was mich am Genre so anzieht, ist sein Potenzial, das Soziale zu zeigen und zu kommentieren", sagt die indische Autorin Anita Nair. Und genau das, was einen guten Krimi ausmacht, führt sie in ihrem Roman vor.

    Bangalore, Stadt der Gegensätze zwischen Slums, Hightech-Park und Gated Communities ist Schauplatz eines nicht sonderlich spektakulären Verbrechens. Ein Anwalt wurde in seiner Villa erschlagen. Inspector Gowda sucht den Mörder. Nair entwirft weitere Szenarien, die sie mit dem Fall verklammert. Sie schildert, wie Kinder aus den armen Provinzen in die Stadt geschickt und am Bahnhof abgefangen werden.

    Von "Onkeln", die Arbeit versprechen. Mit Glück werden diese Kinder Haussklaven oder landen in einer Fabrik. Mit Pech in einem Kinderbordell. Gowda, der ein Doppelleben zwischen Ehefrau und Geliebter managt, kämpft gegen Korruption und Gleichgültigkeit. Nairs Roman ist brutal und zugleich sinnlich. Eine außergewöhnliche Innenansicht, realistisch, aber nicht ohne Hoffnung. (Ingeborg Sperl, Album, 23.10.2017)

    • Anita Nair, "Gewaltkette". Deutsch: Karen Witthuhn. € 19,60/332 S. Argument, Hamburg 2017
      foto: ariadne

      Anita Nair, "Gewaltkette". Deutsch: Karen Witthuhn. € 19,60/332 S. Argument, Hamburg 2017

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