Überreste eines "Vampirhirsches" in Süddeutschland entdeckt

20. Oktober 2017, 13:03
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Bisher unbekannte Spezies eines Säbelzahnhirsches lebte vor 13,5 Millionen Jahren in einem Meteoritenkrater.

Stuttgart – Vor rund 15 Millionen Jahren war die Schwäbische Alb in Süddeutschland Schauplatz einer gewaltigen Katastrophe: Ein über tausend Meter großer Brocken durchschlug die Oberfläche, bohrte sich etwa einen Kilometer tief in die Erde und hinterließ das Nördlinger Ries, einen Krater von über 20 Kilometern Durchmesser. Der Impakt löschte im Umkreis von Hunderten Kilometern jegliches Leben aus. Doch die Wunde heilte schließlich und Tiere und Pflanzen kehrten in die Region zurück.

Einblicke in eine exotische Welt

Im Kessel des Meteoritenkraters von Steinheim am Albuch bei Heidenheim bildete sich ein See, in dessen Ablagerungen zahlreiche Fossilien hervorragend erhalten blieben. Sie gewähren einzigartige Einblicke in die exotische Welt des Mittleren Miozäns. Neben Elefantenverwandten und Nashörnern lebten hier auch rehkitzgroße Moschustiere, die aufgrund der verlängerten Eckzähne der Männchen den Spitznamen "Vampirhirsche" erhalten haben. Die Zähne des Pflanzenfressers dienten aber weder dem Blutsaugen noch dem Erlegen von Beute, sondern sollten vermutlich dem weiblichen Geschlecht imponieren.

3D-Modell eines "Vampirhirsch"-Schädels

Nun hat ein Team um Manuela Aiglstorfer vom Naturkundemuseum Stuttgart eine bisher unbekannte Art der Säbelzahnhirsche entdeckt und in der Fachzeitschrift "Plos One" darüber berichtet. Das etwa 13,5 Millionen Jahre alte Wesen erhielt den wissenschaftlichen Namen Micromeryx? eiselei. Bisher war nur die Art Micromeryx flourensianus dieser Säugetiergruppe aus der Zeit des Miozäns von Steinheim am Albuch bekannt. Im Online-Magazin veröffentlichten die Forscher ein 3D-Modell des fossilen Schädels.

Die Benennung erfolgte zu Ehren von Dieter Eisele, der von 1972 bis 2002 Bürgermeister in Steinheim am Albuch war und die Ausgrabungen sowie die Errichtung des Meteorkrater-Museums in Sontheim unterstützt hat. (red, 20.10.2017)

  • Rekonstruktion eines fossilen Moschustiers im Staatlichen Museum für Naturkunde.
    illustr.: staatliches museum für naturkunde

    Rekonstruktion eines fossilen Moschustiers im Staatlichen Museum für Naturkunde.

  • Das 3D-Modell des fossilen Schädels von Micromeryx? eiselei.
    illustr.: www.morphomuseum.com

    Das 3D-Modell des fossilen Schädels von Micromeryx? eiselei.

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