Dufte Vorlesungen, knorkes Proseminar

Kolumne20. Oktober 2017, 12:48
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Österreichs Unis sind fest in deutscher Hand

Des ohrenbetäubenden Wahlgetümmels wegen hat eine wichtige Meldung der vergangenen Tagen leider nicht so viel Aufmerksamkeit erlangt, wie ihr eigentlich zukäme: 28 Prozent, annähernd ein Drittel, der österreichischen Hochschulprofessoren sind neuerdings keine österreichischen Hochschulprofessoren mehr, sondern Germanen, Bundesdeutsche oder Piefke (je nachdem, welche Bezeichnung Sie bevorzugen). Wir erleben also ein Ausmaß an universitärer Überfremdung, bei dem jedem österreichischen Patrioten die Grausbirnen aufsteigen sollten.

Wie konnte es nur dazu kommen? Möglichkeit eins: Unser Bildungswesen ist inzwischen so abgesandelt, dass wir den intellektuellen Nachschub für die Hochschulen nicht mehr aus landeseigener Produktion gewährleisten können. Möglichkeit zwei: Wir erleben das, was man in der Wirtschaft eine "unfreundliche Übernahme" nennt, auf nationaler Ebene. Man hört förmlich mit dem geistigen Ohr, wie sich Uni-Profs aus Buxtehude oder Berlin im Gespräch Sätze zuraunen wie: "Jehn wer halt mal 'n paar Jährchen bei den Schluchtenscheißern runterreißen, hehe."

Durchgehend Piefkinesisch

Die Folgen für die Identität unseres Landes sind gravierend. Naive Studenten, die arglos einen Hörsaal betreten, wähnen sich umgehend nach Sachsen-Anhalt oder Schleswig-Holstein versetzt. Schon werden Seminararbeiten nicht mehr mit den herkömmlichen Noten wie "Sehr gut", "Befriedigend" oder "Nicht genügend" bewertet, sondern mit "Knorke", "Halbwegs dufte" oder "Konnt ich nich ab drauf".

Das einzige Institut, an dem noch Chinesisch gesprochen wird, ist die Sinologie, ansonsten erfolgt der Unterricht durchgehend auf Piefkinesisch. Es wird nicht lang dauern, bis in der Mensa Grütze, Mohrrüben, Klößchen mit Tunke und Schweinebraten mit Mostrich zum Abendbrot angeboten werden.

Skeptiker mögen einwenden, dass es eigentlich schnurz und piepe ist, ob die Studenten nun die Vorlesung eines deutschen oder eines österreichischen Professors schwänzen. Sie kriegen ja in beiden Fällen gleichermaßen nichts mit. Das aber heißt die Toleranz zu weit treiben. Hoffentlich stellt die FPÖ als klassische Intellektuellenpartei den Bildungsminister und schiebt diesem unerträglichen Zuzug von Ausländern einen Riegel vor. Schließlich hat sie das im Wahlkampf ja versprochen. (Christoph Winder, Album, 20.10.2017)

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