Veilchendämmerung: Austria unterliegt Rijeka

    19. Oktober 2017, 23:11
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    Die Wiener Austria muss gegen den kroatischen Meister ein 1:3 hinnehmen. Der Aufstieg ins Sechzehntelfinale ist in weiter Ferne

    Wien – Fußballer, kommst du nach Europa, suche das Frühjahr zu erleben! Was als allgemeiner Anspruch Gültigkeit hat, dem kann sich auch die Wiener Austria nicht entziehen. Ein Erfolg gegen den HNK Rijeka wäre für die Violetten diesbezüglich durchaus kommod gewesen, nach zwei gespielten Partien wartete in Gruppe D der Europa League ein solitärer Punkt dringlich auf Zuwachs. Nicht erleichtert wurde die Aufgabe, erstmals ein Heimspiel gegen einen kroatischen Gegner zu gewinnen, durch zahlreiche Ausfälle. Zuletzt ließ Christoph Martschinko die Reihen der Blessierten im Lager der Gastgeber weiter anschwellen.

    Beide Mannschaften legten zu Beginn der Partie eine Selbstfindungsphase auf den Rasen. Die Austria versuchte, Ballbesitz in Sicherheit zu verwandeln, Rijeka setzte Kompaktheit dagegen. Tatsächlich gewannen die Wiener nach nervösem Anfang etwas an Statur, in Führung ging jedoch mit dem ersten Torschuss des Matches Rijeka: Eine Kombination über drei Stationen verfolgten die Austria-Verteidiger als interessierte Zuschauer, letztlich ließ Mario Gavranović Keeper Patrick Penz mit einer Direktabnahme keine Chance (21.).

    Da Christoph Monschein wenig später aus kurzer Distanz nicht ins Tor, sondern bloß dessen Hüter Simon Sluga traf (24.), hieß es flugs 0:2. Maxwell Acosty ließ auf der rechten Seite Thomas Salamon schlecht aussehen, verwandelte den Außenverteidiger quasi in ein Drahdiwaberl. Gavranović war erneut entschlossen zur Stelle, sein Flachschuss passte (31.).

    Auch nach Seitenwechsel verdiente sich Rijeka weiterhin die besseren Noten in den relevanten Fächern Spielanlage, Zweikampfführung, Technik und Cleverness. Der eingewechselte Ismael Tajouri packte schließlich die Brechstange aus, seinen Weitschuss lenkte Sluga an die Stange ab (72.). Die Kroaten waren zu diesem Zeitpunkt längst in den Verwaltungsmodus gewechselt, warteten auf den einen Konter, der die endgültige Entscheidung hätte bringen können. Alles schien gegessen, als Kevin Friesenbichler in der 90. Minute zum Anschluss einköpfelte. Und auch der Konter kam noch: Zoran Kvržić war ebenfalls per Kopf zur Stelle, fixierte den Endstand (90.+3). Bereits am 2. November sieht man sich wieder, dann gastiert die Austria in Rijeka.

    Im Parallelspiel musste sich der AC Milan daheim gegen AEK Athen mit einem 0:0 begnügen und führt nun mit sieben Punkten vor Athen (5), Rijeka (3) und der Austria. (Michael Robausch, 19.10.2017)

    Europa League, Gruppe D, 3. Spieltag, Donnerstag

    Austria Wien – HNK Rijeka 1:3 (0:2)
    Ernst-Happel-Stadion, 20.700 Zuschauer, SR Sandro Schärer (SUI)

    Torfolge:
    0:1 (21.) Gavranovic
    0:2 (31.) Gavranovic
    1:2 (90.) Friesenbichler
    1:3 (92.) Kvrzic

    Austria: Pentz – Klein, Kadiri, Westermann, Salamon – Serbest (77. Prokop) – Monschein, De Paula (59. Tajouri), Holzhauser, Pires – Friesenbichler

    Rijeka: Sluga – Vesovic, Zuparic, Elez (70. Puncec), Zuta – Males, Bradaric – Acosty (79. Kvrzic), Misic (77. Pavicic), Gorgon – Gavranovic

    Gelbe Karten: Monschein, Salamon, Klein bzw. Gavranovic, Elez, Sluga

    Stimmen

    Raphael Holzhauser (Austria-Mittelfeldspieler): "Sie haben zwei Chancen gehabt und die genutzt. Es ist zu einfach, gegen uns Tore zurzeit zu schießen, das müssen wir so akzeptieren. Wir haben eine Riesenchance mit Monschein, können die nicht nutzen, das wird in der Europa League einfach bestraft. Man hat heute gesehen, dass sie nicht ganz klar überlegen sind, dass wir auch unsere Chancen haben. Es geht für uns weiter, wir sind eine junge Mannschaft und werden noch das Beste probieren."

    Heiko Westermann (Austria-Verteidiger): "Ich meinem letzten Spiel vor fünf Wochen (gegen Milan, Anm.) bin ich auch hier gestanden. Heute kassieren wir eigentlich die ersten zwei Gegentore fast ähnlich. Auf Europaebene wird so etwas bestraft. In der zweiten Hälfte haben wir aber Reaktion gezeigt. Schade, dass wir uns nicht belohnt haben mit dem 2:2. Man muss sagen, dass Rijeka kaltschnäuziger war und wir sehr nervös waren. Wir kriegen sehr einfach Tore."

    Christoph Monschein (Austria-Stürmer): "Wir haben uns so viel vorgenommen für die erste Hälfte, dass wir voll draufgehen, dass wir Ballbesitz kreieren. Dann haben wir zwei Tore bekommen. Wir geben unser Bestes, und im Moment funktioniert es nicht so, wie wir wollen. Wir fahren sicher nicht hin (nach Rijeka, Anm.), um unentschieden zu spielen."

    Alexander Gorgon (Rijeka-Stürmer und Ex-Austrianer): "Man will immer für die Mannschaft, für die man gerade spielt, alles geben. Mit Vesovic hinten haben wir sehr viel Offensivdrang über die rechte Seite. Wir haben die Weichen schon in der ersten Hälfte gestellt."

    • Nach 30  Minuten und zwei Treffern von Mario Gavranović war die Partie praktisch gelaufen.
      foto: apa/herbert pfarrhofer

      Nach 30 Minuten und zwei Treffern von Mario Gavranović war die Partie praktisch gelaufen.

    • Spielerisch war das eindeutig zu wenig aufseiten der Veilchen.
      foto: ap/ ronald zak

      Spielerisch war das eindeutig zu wenig aufseiten der Veilchen.

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