Operation "Dragon": Elf Festnahmen im Rotlichtmilieu in Wien

19. Oktober 2017, 15:18
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37 Anzeigen nach Aktion, die von Europol koordiniert und von Wiener Polizei ausgeführt wurde

Wien – Bei einer Schwerpunktaktion zur Bekämpfung von Menschenhandel sind in der Vorwoche in Wien elf Personen festgenommen worden. Die Ermittler kontrollierten unter anderem 32 Lokale im Rotlichtmilieu. Die Operation "Dragon" wurde von Europol koordiniert, Österreich beteiligte sich daran. Es hagelte 37 Anzeigen, bestätigte das Bundeskriminalamt (BK) am Donnerstag einen Bericht der "Kronen Zeitung".

Knapp 40 Beamte waren zwischen 11. und 13. Oktober im Einsatz, insgesamt wurden 151 Menschen kontrolliert. Am ersten Tag der Operation gingen die Ermittler laut Oberst Gerald Tatzgern, dem Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schlepperei und des Menschenhandels im BK, "proaktiv" in Asylbetreuungsstellen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Wien und Niederösterreich. Dort habe man potenzielle Opfer von Menschenhandel ausgemacht und mit ihnen geredet. Die Beamten hätten "geschaut, wer besonders vulnerabel ist", sagte Tatzgern. "Manche haben vielleicht Schulden oder Ähnliches". Nach einem solchen Einsatz werde versucht, Kontakt mit den meist weiblichen Betroffenen zu halten und sie so vor der Gefahr zu schützen, in irgendwelche Abhängigkeiten zu geraten.

Kontrollen in 32 Bordellen

An Tag zwei und drei der Operation in Österreich, dem 12. und 13. Oktober, fanden Kontrollen in 32 Bordellen in Wien statt. Laut Tatzgern hielten die Beamten dort Ausschau nach minderjährigen Personen, fanden aber keine. Trotzdem wurden elf Personen festgenommen. 37 Anzeigen wurden erstattet, mehrere davon wegen des Prostitutionsgesetzes bzw. wegen des Geschlechtskrankheitengesetzes, berichtete Tatzgern. "Von den 151 kontrollierten Personen stammen die meisten aus Rumänien, danach kommt schon Nigeria und dann Ungarn", sagte der Oberst im Gespräch mit der APA.

Weiters berichtete Tatzgern von einer nigerianischen Besonderheit, die in Österreich oft belächelt wird, für die Betroffenen aber ernste Ausmaße annimmt. "Viele Frauen unterliegen einem Schwur. Wenn sie sich nicht daran halten, passiert etwas Schlimmes", schilderte er. Seinen Angaben zufolge müssen sich viele Frauen einem Ritual unterziehen, bevor sie Nigeria verlassen. Sie werden dabei unter Drogen gesetzt, "das Ganze ist ziemlich mystisch". Haare, Zähne und sonstige Materialien werden von einem sogenannten Voodoo-Priester vermischt, gemeinsam mit dem Schwur, den die Frauen leisten, kommt das alles in einen kleinen Tontopf. "Das Schlimme ist, die Frauen glauben daran", berichtete Tatzgern weiter. "Ein Voodoo-Priester hat dort viel Macht, ähnlich wie bei einem Richter bei uns."

Viele Frauen werden mit solchen Schwüren unter Druck gesetzt. Bei den Kontrollen in der vergangenen Woche in Asylunterkünften für Minderjährige waren allein "sechs nigerianische Mädchen, die einem solchen Schwur unterlegen sind", sagte der Ermittler. (APA, 19.10.2017)

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