Lungenkrebs: Hoffnung auf neue Immuntherapie

    19. Oktober 2017, 12:47
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    Eine Studie legt nahe, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, das Ziel für eine neue Immuntherapie sein könnten

    Bern – Lungenkarzinome zählen zu den häufigsten Krebsformen weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt. Im Vorjahr starben 1.6 Millionen Menschen an der Krankheit. Unter den verschiedenen Formen von Lungenkrebs ist das sogenannte nicht-kleinzellige Lungenkarzinom das häufigste.

    Ein vielversprechender Ansatz ist das "Wiederscharfmachen" des Immunsystems mittels Antikörpern. Diese schwächen die Abwehr des Tumors und ermöglichen es den körpereigenen Immunzellen wieder, die Tumorzellen zu bekämpfen. Trotz dieser Fortschritte ist nach wie vor zu wenig bekannt darüber, wie sich ein Lungenkrebs-Tumor entwickelt.

    Forscher von der Universitätsklinik für Thoraxchirurgie des Inselspitals Bern, dem Department of Biomedical Research DBMR und dem Artorg Center for Biomedical Engineering der Universität Bern haben nun herausgefunden, dass spezielle Bindegewebszellen, sogenannte Perizyten, beim Tumorwachstum eine wichtige Rolle spielen. Die Aufgabe von Perizyten ist es, Blutgefäßwände abzudichten.

    Bindegewebszellen unterstützen Tumor

    "Es wurde schon länger vermutet, dass Perizyten mit dem Tumorwachstum zusammenhängen – darum haben wir gezielt nach diesem Zusammenhang gesucht", sagt Sean Hall, Leiter der Gruppe Thoraxchirurgie am Inselspital und DBMR. Für ihre Studie sammelten die Wissenschafter Proben von Tumorzellen aus nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen von Patienten, die am Inselspital Bern operiert wurden.

    Aus diesem Lungengewebe isolierten die Forscher anschließend Perizyten und verglichen diese speziellen Bindegewebszellen mit solchen aus gesundem Lungengewebe. Dabei entdeckten sie, dass die Zellen aus dem Tumorgewebe mehrere Anomalien aufwiesen. So war Interleukin-6, ein entzündungsfördendes Eiweiß, darin übermäßig vorhanden, ebenso PD-L1, ein Hemmstoff, der die körpereigene Immunantwort unterdrückt.

    "Die Resultate weisen darauf hin, dass Perizyten in kleinzelligen Lungenkarzinomen eine Entzündung aktiv fördern und auch die körpereigene Immunantwort unterdrücken", sagt Erstautorin Colette Bichsel vom Artorg Center for Biomedical Engineering der Uni Bern.

    Lecks in den Blutgefäßen

    Die Forschenden untersuchten auch, wie die Perizyten ihre Aufgabe, die Blutgefäßwände abzudichten, im Tumor erfüllen. Um dies zu prüfen, entwickelten die Forscher einen Chip, auf dem Blutgefäße gezüchtet und im Labor gehalten werden können. Darauf wuchsen Blutgefäße sowohl mit gesunden Perizyten als "Abdichtung" als auch solche mit Perizyten aus Lungenkarzinomen.

    Dabei zeigte sich ein deutlicher Unterschied: Die Blutgefäße mit Tumor-Bindegewebszellen waren undichter als normale Blutgefäße. "Dies lässt vermuten, dass Perizyten in einem Lungenkarzinom die Blutgefäße nur ungenügend abdichten, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sich Tumorzellen im Körper ausbreiten können", erklärt Colette Bichsel. Die Forscher erhoffen sich durch weitere Studien neue Ansätze für die Immuntherapie von Lungenkrebs. (red, 19.10.2017)

    • Die obere Reihe zeigt Aufnahmen von Blutgefäßen, die von "normalen" Perizyten abgedichtet werden. Darunter sind Blutgefäßen mit Perizyten aus Tumorgewebe zu sehen. Die Gefäße unten sind deutlich undichter.
      foto: inselspital bern / universität bern

      Die obere Reihe zeigt Aufnahmen von Blutgefäßen, die von "normalen" Perizyten abgedichtet werden. Darunter sind Blutgefäßen mit Perizyten aus Tumorgewebe zu sehen. Die Gefäße unten sind deutlich undichter.

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