Werbung mit kopftuchtragender Frau: Rechter Shitstorm gegen Bipa

    19. Oktober 2017, 11:36
    3623 Postings

    Zahlreiche Nutzer kündigen in Onlineforen an, künftig auf den Einkauf bei der Drogeriekette zu verzichten

    "Kopftuch – nein danke! Ich kaufe nicht mehr bei Bipa": Facebook-Beiträge wie dieser finden sich zurzeit massenhaft auf der Seite von Bipa. Der Drogeriemarkt hat für seine neue Werbekampagne "Weil ich ein Mädchen bin" eine Vielzahl unterschiedlicher Frauen abgebildet, darunter auch eine Muslimin mit Kopftuch. Das erhitzt die Gemüter zahlreicher angeblicher Bipa-Kunden. Angefeuert wurde der Shitstorm – als Debattenbeiträge sind die meisten Kommentare nicht einzustufen – durch einen Artikel bei der FPÖ-nahen Plattform unzensuriert.at, an die sich angeblich eine besorgte Leserin gewandt hatte.

    "Kniefall vor dem Islam"

    Diese bezeichnete die Werbung als "Kniefall vor dem Islam" und Zeichen einer "schleichenden Islamisierung". Diese Worte werden in den zahlreichen Beiträgen auf Facebook wiederholt. Es ist naheliegend, dass die FPÖ-nahe Seite die Marschrichtung für zahlreiche islamfeindliche Poster vorgab.

    Die Agentur Serviceplan Austria, die das Bipa-Sujet entworfen hat, soll laut "Vice" auf Facebook von unzensuriert.at als der "Startseite aller Gehirnamputierten Österreichs" gesprochen haben. Der Beitrag wurde mittlerweile wieder entfernt.

    Bipa selbst gab in Antworten auf die Postings "besorgter Bürger" an, dass politische oder religiöse Statements "kein Thema der Kampagne" seien, man vielmehr die "Vielfalt der KundInnen abbilden" möchte. Der Islam ist in Österreich seit 1912, also seit mehr als 105 Jahren eine anerkannte Religionsgemeinschaft.

    Kein Einzelfall

    Der Shitstorm gegen Bipa fügt sich in eine Reihe derartiger Proteststürme ein. So sorgte der Verkauf von Halal-Fleisch bei Spar und Merkur für hasserfüllte Postings. Während Spar einknickte und das Produkt aus seinem Portfolio nahm, blieb Merkur bei seiner Linie. Merkur gehört ebenso wie Bipa zur Rewe-Gruppe. Andere Beispiel für derartige Mobilisierungen rechter Internetnutzer sind der Gratiseintritt mit Burkini beim Wiener Badeschiff und ein vermeintlich "orientalischer" Adventkalender von Lindt. (fsc, 19.10.2017)

    • Das Sujet der Bipa-Kampagne sorgt für islamfeindliche Postings.
      foto: screenshot

      Das Sujet der Bipa-Kampagne sorgt für islamfeindliche Postings.

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