Täglich sterben drei Österreicher am Prostatakarzinom

    19. Oktober 2017, 11:16
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    Beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für Nuklearmedizin in Wien werden die aktuellen Erkenntnisse der nuklearmedizinischen Diagnostik und Therapie diskutiert

    Wien – Prostatakrebs ist in Österreich die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Jährlich sterben rund 1.150 Personen daran. Beim europäischen Kongress für Nuklearmedizin (EANM-Kongress vom 21. bis 25. Oktober) im Austria Center Vienna werden die neuesten Erkenntnisse auf dem Gebiet der nuklearmedizinischen Diagnostik und Therapie diskutiert.

    "Jedes Jahr wird bei 5.000 Österreichern ein Prostatakarzinom diagnostiziert. Das entspricht rund einem Viertel aller Tumorneuerkrankungen bei Männern", sagt Marcus Hacker, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Nuklearmedizin und molekulare Bildgebung. Der Einsatz nuklearmedizinischer Verfahren in der Diagnose und Therapie von Prostatakarzinomen brachte aber eine Verbesserung der Überlebenschance von Krebspatienten, wie die Experten betonen.

    Um 15 Prozent gesteigert werden kann zum Beispiel die Aussagekraft von diagnostischen Untersuchungen durch den Einsatz der PET-Technik. Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) ist eine nuklearmedizinische Untersuchung, bei der eine radioaktiv markierte Substanz – der sogenannte Tracer – verabreicht wird, dessen Verteilung im Körper anschließend gemessen wird.

    Genauere Biopsien möglich

    In Österreich kommt dieses Verfahren seit dem Jahr 1995 zum Einsatz, seit einigen Jahren stehen Tracer für die Prostata-Diagnostik zur Verfügung. "Dank PET können wir mit zehn bis 15 Prozent höherer Genauigkeit hoch maligne von niedrig malignen Prostatakarzinomen unterscheiden und auch mit zehn Prozent höherer Sensitivität prognostisch ungünstige Tumore aufspüren," so Hacker. "Durch diese neuen Techniken können auch Biopsien wesentlich genauer durchgeführt werden. Außerdem kann die darauffolgende Therapie für den individuellen Patienten maßgeschneidert werden."

    Eine signifikant bessere Lebensqualität und längere Lebenserwartung bietet die Nuklearmedizin auch bei der Behandlung von metastasierenden Prostatakarzinomen. In 60 Prozent dieser Fälle kommt es zu Metastasen in den Knochen. Hier können etwa durch die Behandlung mit dem nuklearmedizinischen Medikament Radium-223-Dichlorid die durchschnittliche Lebenserwartung signifikant verlängert und die Knochenschmerzen der Patienten deutlich gelindert werden. Die Wirksubstanz reichert sich im Knochen an und gibt eine Alpha-Strahlung ab, die die bösartigen Zellen auf kleinstem Raum trifft.

    Metastasen stoppen

    Kommt es zu Metastasen in anderen Bereichen, werden derzeit auch bereits nuklearmedizinische PSMA-Therapien durchgeführt. Dabei bindet der PSMA-Biomarker (Prostata Spezifisches Membran Antigen-Biomarker) gezielt direkt an den Krebszellen und gibt eine Strahlung ab. Durch diese "interne" Radiotherapie mit hoher Energie kann die Ausbreitung der Metastasen gestoppt bzw. die Metastasenlast reduziert werden.

    "Im AKH verzeichnen wir mit dieser neuartigen Therapie erste Erfolge, und es ist bereits gelungen, Prostatakrebs im fortgeschrittenen Stadium einzudämmen. Das ist ein ganz entscheidender Schritt für künftige Heilungschancen – auch von bereits fortgeschrittenem Prostatakrebs", betont Hacker. Ein vielversprechender Ansatz könnte es zudem sein, den Einsatz von PSMA-Biomarkern bereits sehr früh, also schon unmittelbar nach der Erstdiagnose oder auch bei inoperablen Tumoren einzusetzen. (APA, 19.10.2017)

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