E-Power treibt Radler in Fachhandel und auf die Berge

19. Oktober 2017, 14:31
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Hersteller und Handel halten E-Bikes für einen Segen. Mit E-Mountainbikes wachsen Zahl der Nutzer und Trubel in luftiger Höh

Wien – Des einen Leid ist des anderen Freud. Seit auch das Mountainbike strombetrieben zu haben ist, machen immer mehr Menschen per Zweirad Höhenmeter. Was vielfach dem Erholung suchenden Fußvolk das Wandervergnügen trübt, freut die Hersteller. Zumindest solche, die das passende Sportgerät dafür bauen.

Fantic ist einer von ihnen. Michael Sinnl baut derzeit die Österreich-Niederlassung des einst für seine Motorräder bekannten italienischen Herstellers auf. In den 1990ern in einen Dornröschenschlaf verfallen, wurde Fantic 2014 mit einer italienischen Investmentgruppe im Rücken wachgeküsst. Seither produziert man neben Offroad-Motorrädern auch E-Bikes und hochpreisige E-Mountainbikes. Heute werden in Treviso rund 5.000 jährlich zusammengebaut. Die Firma erwirtschaftet mit rund 50 Mitarbeitern zehn Millionen Euro Umsatz und wirft auch wieder Gewinn ab.

Höhere Preise

E-Bikes machen mittlerweile ein Viertel des Gesamtfahrradmarkts in Österreich aus. Insgesamt werden zwar nicht mehr Fahrräder verkauft, aber die Preise und Margen seien höher, sagt Holger Schwarting von der Einkaufs- und Marketingkooperation der Sportfachhändler, Sport 2000. Der Durchschnittspreis eines muskelbetriebenen Fahrrads im Fachhandel bewege sich zwischen 700 und 800 Euro, jener von E-Bikes bei 3.000 Euro. Der Sportfachhandel profitiere enorm von dem Thema, sagt Schwarting. "Die Technologie ist neu, der Konsument ist sich noch nicht ganz sicher. Da will er einen Ansprechpartner haben." Dazu komme, dass mit den neuen Rädern das Sicherheitsbedürfnis gestiegen sei. "Die Kunden nehmen deswegen auch noch einen guten Helm mit."

Breitere Nutzerschicht

Grundsätzlich seien die strombetriebenen Räder für eine breitere Bevölkerungsschicht interessant. "Die Nutzer werden jünger, weil sie mit den neuen sportlichen Modellen nicht nur weiter kommen, sondern auch höher hinaus." Für den Tourismus angesichts zunehmenden Schneemangels in höheren Regionen ein Segen, ist Sinnl überzeugt. "Jetzt kommen auch jene auf die Hütten, die es muskelbetrieben nicht geschafft haben." Ein durchaus zahlungskräftiges Publikum, denn 4.000 bis 5.000 Euro gibt es für so ein Fahrrad schon aus.

Dass es auch in luftigen Höhen immer enger wird, sieht auch Sinnl: "Man muss für die muskelgetriebenen Mountainbikes neue Wege gehen", lautet sein Rat.

Keine Angst vor Billigbikes

Solche empfiehlt er auch Europas Fahrradbauern, die jüngst eine Überschwemmung mit billigen E-Bikes aus China beklagten. "Qualität setzt sich durch", ist neben Sinnl auch Laurenz Popp vom heimischen Fahrrad-Marktführer KTM überzeugt. Das E-Bike sei ein Glücksfall, sagt Popp. Mit den Billigfahrrädern, die hierzulande immerhin rund 15 Prozent Anteil am Fahrradmarkt haben und in Baumärkten oder beim Diskonter verkauft werden, wolle man gar nicht konkurrieren, so Popp. "Innovieren, entwickeln und designen in Österreich, die Produktion kann man getrost Taiwan, China und Vietnam überlassen", rät Holger Schwarting.

KTM-Mann Popp sieht noch viel Potenzial. Falt- und Lastenräder etwa fallen ihm ein. Und nicht nur ihm. Als Indiz, dass der Markt noch Chancen bietet, darf man den Umstand werten, dass auch die höchst erfolgreiche gleichnamige Motorradschmiede KTM Industries mit einem Partner in das Geschäft eingestiegen ist. (Regina Bruckner, 19.10.2017)

  • Wald und Wiese sind vielen Radlern nicht mehr genug.
    foto: istock

    Wald und Wiese sind vielen Radlern nicht mehr genug.

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