Werner Kogler: Plötzlich Parteichef in der grünen Krise

    Kopf des Tages18. Oktober 2017, 17:40
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    Der studierte Volkswirt bewahrt selbst in den dunkelsten Stunden der Öko-Partei seinen Humor

    Vom berüchtigten Finanzexperten der Grünen zu ihrem Masseverwalter: Mit dem Auszug aus dem Nationalrat ist Werner Kogler als vorerst neuer Chef für die Abwicklung der Bundespartei zuständig – also für die Reste, die nach dem Wahldesaster von den Grünen übrig sind.

    Am Sonntag bewahrte sich der studierte Volkswirt in der dunkelsten Stunde der Öko-Partei aber seinen Humor. Auf der missratenen grünen Wahlparty von ORF-Satireinterviewer Peter Klien auf die herben Verluste angesprochen, stellte Kogler, sichtlich angeheitert, eine "arithmetische" Gegenrechnung an, die der Willkommen Österreich-Schreck als doch "recht kompliziert" kommentierte. Koglers schlagfertige Replik: "Ja, das waren wir für die WählerInnen auch!"

    Gelungene Eigenparodie

    Die gelungene Eigenparodie auf seine komplexen Wortkaskaden erinnerte unweigerlich an Koglers Sternstunden als Parlamentarier. Im Jahr 2010 filibusterte er zwölf Stunden und 42 Minuten lang gegen den Budgetvoranschlag der rot-schwarzen Koalition. Sein Schlusssatz lautete: "Das ist eigentlich schon alles, was ich sagen wollte." Drei Jahre später tingelte der wortgewaltige Steirer ein Jahr lang mit seinem "Hypo-Krimi" durchs Land, um das Wahlvolk über die Hintergründe der Kärntner Katastrophenbank aufzuklären – was später zu einem Untersuchungsausschuss führte.

    Ein Grüner ist Kogler seit den ersten Stunden. In den Dezembernächten des Jahres 1984 lotste er auf Schleichwegen die Busse der Besetzer in die damals von den Behörden längst gesperrte Hainburger Au. Danach saß der gebürtige Hartberger bis Ende der 80er-Jahre für die Alternativen im Grazer Gemeinderat, später heuerte er als Mitarbeiter im grünen Parlamentsklub in Wien an. Ab der Jahrtausendwende stieg Kogler als Abgeordneter stetig auf, zuerst zum Finanz- und Budgetsprecher der Grünen, dann zu ihrem Vizeklubchef.

    Durch Beförderung gescheitert

    An die Parteispitze wollte der 55-Jährige nie. "Eine klassische Nummer zwei" sei er, erklärte Kogler einmal, eher nicht geeignet "für die ganz allererste Reihe". Heute kommentiert er seine unfreiwillige Beförderung so: "Jetzt bin ich endgültig gescheitert."

    Bis die Auflösung der grünen Infrastruktur und die Schuldentilgung der Partei fixiert sind, wird der in einer Partnerschaft lebende Langzeitpolitiker kaum zu dem kommen, was ihm sonst Entspannung verspricht: Privat vertieft sich Kogler gern in theoretische Wälzer – vorzugsweise zur Mathematik. (Nina Weißensteiner, 18.10.2017)

    • Werner Kogler führt die Grünen in neue Zeiten – und aus dem Parlament.
      foto: apa / herbert neubauer

      Werner Kogler führt die Grünen in neue Zeiten – und aus dem Parlament.

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