Voestalpine-Chef: Oberste Priorität für Bildungsreform

18. Oktober 2017, 13:06
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Stahlkonzern-Vorstandsvorsitzender wünscht sich von Politik Kalkulierbarkeit und Nachhaltigkeit

Graz – Für den voestalpine-Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Eder ist die oberste Priorität der neuen Regierung – "wie immer sie auch zusammengesetzt sein mag" – eine Schul- und Bildungsreform zu realisieren. Weiters wünsche er sich von der Politik "Verlässlichkeit, Kalkulierbarkeit, Nachhaltigkeit", wie Eder am Mittwoch am Rande einer Pressekonferenz in Graz auf Journalistenfragen sagte.

"Nach 20 Jahren und Diskussionen völlig sinnloser Art, die uns nicht weitergebracht haben, hoffe ich, dass zur Bildungsreform sehr rasch Gespräche aufgenommen werden", sagte Eder. Er überzeichne bewusst, aber er habe sich oft sehr gewundert, dass viele an der Diskussion Beteiligte die Ganztages- nicht von der Gesamtschule unterscheiden konnten. "Wir merken es auch in der Lehrlingsausbildung, die Wissensqualität junger Menschen beginnt zurückzufallen. Das können wir uns nicht leisten". Die Bildungsreform müsse ein ganz zentrales Thema der Regierung sein, egal in welcher Zusammensetzung, so Eder.

Vertrauensfrage

Das Vertrauen zwischen der Industrie und der Politik sei in den vergangenen Jahren nicht gerade gestärkt worden, sagte der Vorstandsvorsitzende am Rande einer Studienpräsentation zu den volkswirtschaftlichen Effekten von voestalpine-Investitionen in der Steiermark. "Unternehmen, die letztlich die wirtschaftliche Basis des Landes darstellen, müssen davon ausgehen können, in der Politik einen nachhaltigen Partner und ein neues Vertrauen haben zu können".

Das gelte auch für die Praxis, Entscheidungen auf die lange Bank zu schieben und im Nachhinein im Jahrestakt Abänderungen vorzunehmen, sagte Eder. Es brauche eine gegenseitige Vertrauensbasis.

Weniger Bürokratie

Eder sprach weiters die Notwendigkeit einer Entbürokratisierung, einer Verwaltungsreform und einer Senkung der Steuerquote unter 40 Prozent an. "Ich kann nicht mehr Geld ausgeben als ich einnehme, das führt zu einem Kollaps und ist unverantwortlich gegenüber leistungsorientierten Menschen und den nächsten Generationen", erklärte der voestalpine-Chef.

Er wolle sich nicht näher darüber auslassen, ob sich eine Steuerreform auf Ökologisierung oder die Entlastung des Faktors Arbeit konzentriere. "Eine Steuerquote unter 40 Prozent zu schaffen ist nicht überambitioniert in fünf Jahren", sagte Eder. Bleiben müsste jedenfalls die Forschungsförderung und auch die Investitionsbegünstigung.

Der voestalpine-Chef sprach auch die Notwendigkeit einer Pensionsreform an, "im Interesse der nächsten Generationen". Ein persönlicher Wunsch von ihm wäre es, dass Österreich eine bewusstere, stärkere Rolle in Richtung europäischer Einigungsprozess spiele, da könnte man wesentlich dynamischer werden. (APA, 18.10.2017)

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