Wahlanalyse einmal anders: Die schönsten Mountainbikestürze

    Blog17. Oktober 2017, 11:00
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    Radfahren liefert Antworten auf alles. Auch darauf, was am Sonntag in Österreichs Wahlkabinen passiert ist. Wir haben das Ergebnis analysiert und in Videoform aufbereitet

    Innsbruck – Zugegeben, mir fehlte zwischen Wahl und Volksbefragung die Zeit, ein ernsthaftes Tretlager-Thema aufzubereiten. Und wenn sich schon mal eine freie Minute auftat, nutzte ich die bei diesem Wetter lieber zum Biken. Und genau dort entstand die Idee, den Wahlausgang in Form von Mountainbikestürzen zusammenzufassen.

    Der türkise Überflieger

    Mit der ÖVP assoziiere ich sofort Gee Atherton. Das mag an der Farbe der diesjährigen Trek-Weltcup-Bikes liegen, aber auch der legendäre Schneecrash von Gee, als er noch für Commencal fuhr, passt doch perfekt zum Abschneiden von Team Kurz. Man übertreibt es von Beginn an. Baut einen viel zu großen Kicker für eine viel zu kurze Landung. Als Gee dann den Sprung anfährt, versucht ein Skifahrer – er steht im Video für die SPÖ und ihren israelischen Spindoktor – das Vorhaben noch zu durchkreuzen. Aber Sebastian Atherton lässt sich nicht beirren und steuert zielstrebig auf den Kicker zu. Der Sprung fällt gewaltiger aus als erwartet. Doch am Ende ist nichts passiert. Ein paar Prellungen, ein Cut und eine geile G'schicht zum Erzählen.

    animalcommencal
    Go big or go home. Gee Atherton ging nach diesem Crash wie durch ein Wunder fast unverletzt nach Hause.

    Rote Abschlussschwäche

    Alle Zeichen stehen auf Sieg. Und dann passiert auf den letzten Metern das Undenkbare. Der sozialdemokratische Hoffnungsträger Christian Kern erwies sich als Josh Bryceland der heimischen Innenpolitik. Da liegt ein Vergleich auf der Hand: Ratboy in Hafjell. Unvergessen, wie der Brite bei der WM in Norwegen, er kam als Weltcup-Gesamtsieger und großer Dominator, beim Zielsprung die perfekte Saison verspielt hat. Er hatte keine Lust, für den Sprung zu bremsen, sagte er später. Kern bereut wohl auch, dass er seine windigen Berater nicht rechtzeitig eingebremst hat. Ratboy, der mit zerschmettertem Knöchel noch Vizeweltmeister wurde, ließ den Weltcup letztlich Weltcup sein und schippert seitdem auf seinem Hausboot durch die Kanäle. Bleibt abzuwarten, was Kern vor hat.

    mat7nueve
    Everybody's Darling und Weltcup-Dominator – doch ganz zum Schluss verspielt er alle Siegchancen.

    Sturzgefahr ganz rechts außen

    Das war für mich die schwierigste Entscheidung. Vielleicht fällt Ihnen dazu ein besserer Vergleichssturz ein? Letztlich habe ich mich für den Crash von Sam Hill bei der WM 2013 entschieden. Er kam als ein möglicher Gewinner, aber schon während seines Laufes zeichnete sich ab, es würde wohl nicht so ganz sein Tag. Ähnlich erging es ja den Blauen am Sonntag, die mit großen Erwartungen angetreten sind, dann aber wohl doch nur auf dem dritten Platz bleiben. Und wie auch bei der FPÖ schon oft passiert, rutschte Hill am Ende am rechten Rand aus und kam zu Sturz. Heuer dominierte der Australier mit Vorliebe für Flat Pedals die Enduro World Series. Vielleicht auch eine Anregung für die FPÖ, die Politik sein zu lassen und sich anderweitig zu engagieren?

    tienfolong
    Blöd ist das, wenn man am rechten Rand ausrutscht.

    Die Rache der grünen Basis

    Der war wiederum einfach. Man sieht im Video ganz deutlich, wie die Grünen, symbolisiert durch den Radfahrer links, mit ihren Teamkollegen, der Biker rechts im Bild steht sinnbildlich für Peter Pilz, umgehen. Doch das schmeckt der Basis, die dem ganzen Treiben eigentlich gewogen zusieht, gar nicht. Und ihre Rache folgt prompt auf den Fuß. Die Grünen gehen baden und stürzen dramatisch ab. Zugleich ist im Hintergrund zu sehen, wie sich ein Teil der Basis liebevoll um den gestrauchelten Pilz kümmert.

    damink666
    Der tiefe Fall der Grünen – inklusive Vorgeschichte. Das alles komprimiert auf 23 unterhaltsame Sekunden.

    Peter Pilz – der harte, alte Knochen

    Wie im Video zuvor zu erkennen war, musste Pilz so manches einstecken. Doch was einen nicht umbringt, macht einen nur härter. Ein alter, schmerzbefreiter Haudegen? Da kommt einem sofort der "false Frenchie" aus Andorra in den Sinn. Dass ihn nichts und niemand aufhalten kann, hat Cédric Gracia mehrmals bewiesen. Zum Beispiel bei diesem Sturz auf La Réunion 2013. Gracias Arterie war gerissen, und er drohte zu verbluten. Geistesgegenwärtig – er hatte bereits eine ähnliche Verletzung – drückte er selbst mit seiner Hand auf die Wunde, bis die Rettung kam. Es grenzt an ein Wunder, dass er nicht verblutet ist. Achtung, das Video ist nichts für schwache Nerven und Menschen, die kein Blut sehen können.

    cedric gracia
    Nicht ansehen, wenn Sie kein Blut sehen können. Cédric Gracia ist so hart im Nehmen wie der Ex-Grüne Pilz.

    Flügel wären hilfreich

    Die Neos wollen am liebsten jedem Flügel verleihen. Schade, dass Nicoli Rogatkin in Österreich nicht wahlberechtigt ist. Denn er könnte für die anstehende Rampage einen Satz Schwingen ganz gut gebrauchen, wie er bei seinem Crash im Vorjahr bewiesen hat. Und es gibt wohl nur einen Politiker in Österreich, der nach so einem Abflug noch die Energie gehabt hätte, den Lauf zu Ende zu bringen: Matthias Strolz.

    jamers333
    Die beflügelnden Pinken würden bei der Rampage gut ankommen.

    (Steffen Arora, 17.10.2017)

    • Stürze gehören dazu. Wichtig ist, dass man gleich wieder aufsteht und es wieder versucht.
      foto: apa / hans punz

      Stürze gehören dazu. Wichtig ist, dass man gleich wieder aufsteht und es wieder versucht.

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