ÖVP im Westen besonders stark, FPÖ erobert Kärnten zurück

    16. Oktober 2017, 13:55
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    Von Hinterhornbach bis Deutsch-Griffen: Hochburgen und Negativ-Rekorde

    Wien – Die Nationalratswahl hat auch 2017 wieder Rekordergebnisse in traditionellen Hochburgen der Parteien gebracht. Wahlsieger ÖVP konnte auf seine Top-Gemeinden in Tirol und Vorarlberg bauen, die SPÖ war wie gewohnt im Burgenland stark. Die FPÖ verlegte ihre Hochburgen von der Steiermark nach Kärnten. Die Neos waren in Vorarlberg am stärksten, die Liste Pilz in den ehemaligen Grünen Wiener Hochburgen.

    Schwarzes Lechtal

    Die ÖVP holte ihr stärkstes Ergebnis dieses Mal in Hinterhornbach, einem Seitental des Tiroler Lechtals. Dort hatte sie 2013 ihr drittstärkstes Gemeindeergebnis eingefahren. Dieses Mal legte die Volkspartei in der auf 1.101 Meter Seehöhe gelegenen Kleinstgemeinde (70 Wahlberechtigte) noch einmal zu und verbuchte mit einem Plus von 4,6 Prozentpunkten ein Ergebnis von 83,3 Prozent. Platz zwei der schwarzen Top-Resultate ging mit Jungholz an eine weitere Tiroler Kleinstgemeinde. In dem auf 1.054 Meter Seehöhe in der Region Tannheimer Tal gelegenen Ort verlor die ÖVP allerdings 6,5 Prozentpunkte und liegt nun bei 80 Prozent.

    Stark war die Volkspartei auch in ihrer Vorarlberger Hochburg Fontanella. In der Kleingemeinde (342 Wahlberechtigte) des Großen Walsertals blieb die Partei mit 73,7 Prozent auf exakt dem selben Ergebnis wie beim vorangegangenen Urnengang.

    Die Stärke der ÖVP bei dieser Wahl zeigt sich auch in ihren schwächsten Ergebnissen: Kein Gemeinde-Resultat der Volkspartei lag unter zehn Prozent. Das schlechtes Ergebnis erzielte die Liste Kurz im niederösterreichischen Golling an der Erlauf mit 10,3 Prozent. 2013 noch gab es sogar vier Gemeinden mit Resultaten unter sechs Prozent.

    SPÖ punktet im Burgenland

    Die SPÖ punktete wie schon 2013 in ihren traditionellen Hochburgen im Burgenland. Das stärkste Ergebnis fuhr die SPÖ erneut in Tschanigraben, der kleinsten Gemeinde des Burgenlandes, ein: Mit 67,6 Prozent verlor die SPÖ hier allerdings 9,6 Prozentpunkte. In Draßburg holte die SPÖ 57,2 Prozent (Minus 4,6 Prozentpunkte). Neu in die roten Top-Five kam die steirische Gemeinde Selzthal, wo die SPÖ auf 56,9 Prozent kam. Die magersten Ergebnisse setzte es wie gewohnt in Vorarlberg und Tirol. Null Stimmen gab es im Tiroler Hinterhornbach und Vorarlberger Schröcken, danach folgte Blons in Vorarlberg, wo sich 1,9 Prozent für die SPÖ begeistern konnten.

    Bei der FPÖ zeichnete sich das starke Kärntner Landesergebnis auch in den Gemeinderesultaten ab: Die Top-Resultate verlagerten sich von der Steiermark in das südlichste Bundesland. Mit 53,8 Prozent und einem Plus von 23,7 Prozentpunkten erreichten die Freiheitlichen in Deutsch-Griffen ihr stärkstes Gemeinde-Resultat. Über der 50-Prozent-Marke liegt die FPÖ auch im oberösterreichischen St. Georgen am Fillmannsbach (51 Prozent) sowie in den Kärntner Gemeinden St. Urban (50,9) und Mühldorf (50,6). In acht Gemeinden liegt die FPÖ unter zehn Prozent, am schwächsten schnitt sie im Tiroler Kaunertal mit 7,2 Prozent ab.

    Die Neos konnten neuerlich im Heimatort von Parteichef Matthias Strolz ihr stärkstes Gemeinde-Ergebnis einfahren. Zwar wurde die Stimmenausbeute in Dalaas (Bez. Bludenz) mehr als halbiert (minus 20,5 Prozent), die 19,5 Prozent bedeuten dennoch die Gemeinde mit der größten Neos-Ausbeute. Stark war die Partei auch in den Vorarlberger Gemeinden Klösterle (17,7 Prozent) und Lech (16,6) sowie in den Tiroler Gemeinden Kaisers (15,8) und Mils (14,2). An der unteren Skala lagen sechs Gemeinden, in denen die Pinken komplett leer ausgingen.

    Pilz ködert Grüne

    Die Liste Pilz punktete vor allem in Grünen Hochburgen. Sein stärkstes Ergebnis fuhr ehemalige Grüne und Listengründer Peter Pilz in Wien-Neubau mit 12,1 Prozent ein. Dort verlor seine Ex-Partei stark: Die Grünen kamen hier zwar mit 11,4 Prozent auf ihr zweitbestes Ergebnis, büßten aber satte 21 Prozentpunkte ein. Ähnlich das Bild in der zweistärksten Gemeinde der Liste Pilz: Auch in Wien-Josefstadt überholte er mit 10,9 Prozent seine alte Partei, die nach einem Minus von 18,1 Prozentpunkten auf nur mehr 9,9 Prozent kam. Pilz schaffte es in fünf Gemeinden über die Zehn-Prozent-Marke, allesamt in Wien: Neben Neubau und Josefstadt gelang dies auch in Wien-Mariahilf, Wien-Alsergrund und Wien-Wieden.

    Auch bei den "Nullern" zeigte sich das bessere Abschneiden von Pilz gegenüber seiner Ex-Partei: Während die Liste Pilz in nur elf Gemeinden komplett leer ausging, mussten die Grünen in 17 Gemeinden ohne eine einzige Stimme auskommen.

    Das beste Gemeinde-Ergebnis schafften die Grünen im Vorarlberger Schnepfau: Dort erreichten sie nach einem Plus von 4,4 Prozentpunkten ein Ergebnis von 13,1 Prozent. Die ehemaligen Wiener Hochburgen fanden sich zwar auch in den Top-Ergebnissen, allerdings setzte es dort überall heftige Verluste.

    Die noch nicht ausgezählten Wahlkarten und Briefwahlstimmen haben auf die Gemeinde-Ergebnisse keinen Einfluss mehr. Denn diese Stimmen, die am Montag und Donnerstag ausgezählt werden, werden der Bezirksebene zugeordnet. (APA, 16.10.2017)

    Beste und schlechteste Gemeinde-Ergebnisse laut vorläufigem Endergebnis:

    ÖVP:

    83,3 in Hinterhornbach (Tirol),

    10,3 in Golling an der Erlauf (NÖ)

    SPÖ (2 Gemeinden mit null Stimmen):

    67,6 in Tschanigraben (Burgenland)

    1,9 in Blons (Vorarlberg)

    FPÖ:

    53,8 in Deutsch-Griffen (Kärnten),

    7,2 in Kaunertal (Tirol)

    Neos (6 Gemeinden mit null Stimmen):

    19,5 in Dalaas (Vorarlberg),

    0,3 in Rauchwart (Burgenland)

    Liste Pilz (11 Gemeinden mit null Stimmen):

    12,1 in Wien-Neubau,

    0,2 in Krispl (Salzburg)

    • Im Tiroler Kaunertal, wo Bundespräsident Alexander Van der Bellen herkommt, hat die FPÖ ihr schlechtestes Ergebnis erzielt.
      foto: amélie chapalain

      Im Tiroler Kaunertal, wo Bundespräsident Alexander Van der Bellen herkommt, hat die FPÖ ihr schlechtestes Ergebnis erzielt.

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