750.000 Stimmen fehlen noch

16. Oktober 2017, 06:20
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Am Montag herrscht in Wahlbehörden Hochbetrieb – Für die Grünen gibt es wenig Hoffnung

Mehr als 750.000 Stimmen der Nationalratswahl sind noch nicht ausgezählt. Inklusive der Wahlkarten wird die Wahlbeteiligung wohl auf über 78 Prozent steigen und somit höher sein als 2013, damals lag sie bei knapp 75 Prozent. Auch am Ergebnis wird sich noch einiges ändern.

Die SPÖ kann davon ausgehen, letztlich auf Platz 2 zu kommen. Unangefochten Erste bleibt die ÖVP.

Triste Aussichten für Grüne

Die Grünen müssten bei den Briefwählern sehr viel besser abschneiden als von den Hochrechnern erwartet, um im Nationalrat zu bleiben. Sie liegen in allen Prognosen unter der Vier-Prozent-Grenze. Neos und Liste Pilz können laut den Briefwahlschätzungen davon ausgehen, noch etwas zuzulegen.

Die Brief- und Wahlkartenwähler werden auch einige Mandate verschieben – aber keine neuen Koalitionsvarianten eröffnen.

Die FPÖ wird zumindest eines, möglicherweise aber auch zwei ihrer 53 Mandate vom Sonntag verlieren. Das 52. Mandat der FPÖ ist ganz schwach abgesichert – gegenüber der SPÖ mit 325 Stimmen, gegenüber der ÖVP mit 433. Schneidet die SPÖ also bei den Briefwähler etwas besser ab als angenommen, könnte sie ein 52. Mandat bekommen – und das wäre dann auch eines mehr als 2013. Gleich groß sind die Chancen der ÖVP, dieses Mandat von der FPÖ zu bekommen – sie hätte dann 62 und nicht 61.

SORA geht davon bereits aus: Die ORF-Hochrechner sehen die ÖVP bei 62, die FPÖ bei 51 und die SPÖ bei 52.

Spätes Ergebnis

Den größten Teil der noch offenen Stimmen werten am Montag die Bezirkswahlbehörden aus – nämlich jene, die per Post geschickt wurden. Dies dürften mehr als 700.000 sein. Das Ergebnis lag 2013 um 22.30 Uhr vor. Heuer könnte es eventuell noch etwas später werden, werden doch alle Wahlbehörden strikt die gesetzlichen Vorgaben einhalten. Das bedeutet z.B., dass sie die Briefwahlkuverts erst Montag ab 9.00 Uhr aufschlitzen dürfen – und nicht schon am Sonntag oder früher am Montag damit beginnen dürfen.

Am Donnerstag sind die Landeswahlbehörden dran: Sie zählen die Wahlkarten aus, die am Sonntag in "fremden" Wahlkreisen abgegeben wurden – und zwar nicht nur "klassisch" als Wahlkarte, sondern heuer erstmals auch als Briefwahl (also ausgefüllt und unterschrieben). Letzteres war bei früheren Wahlen nicht möglich, und so lässt sich nicht wirklich abschätzen, wie viele Stimmen am Donnerstag noch anfallen. Zwischen 50.000 und 100.000 wurde gerechnet.

Wobei freilich auch nicht genau feststeht, wie viele Stimmen insgesamt noch zu den 4,324.760 aus dem vorläufigen Endergebnis vom Sonntag dazukommen – und sich die beiden Hochrechner diesbezüglich auch nicht ganz einig sind. Die APA-Hochrechner der ARGE Wahlen gehen von 778.100 abgegebenen und 771.000 gültigen Stimmen für die Montags- und Donnerstagsrunde aus, die ORF-Hochrechner von SORA von 750.228 gültigen Stimmen.

Erst 20 Prozent ausgezählt

889.193 Wahlkarten wurden ausgestellt. Ein Teil von ihnen wurde am Sonntag im eigenen Wahlkreis verwendet und somit bereits mit der Urnenwahl ausgezählt. Etwas mehr als 80 Prozent fallen nach den Erfahrungen der letzten Wahlen für die Auszählungen am Montag und Donnerstag an. (APA, 16.10.2017)

  • Wer am Sonntag nicht im "eigenen" Wahllokal war, dessen Stimme wurde bis dato noch nicht ausgezählt.
    foto: standard/regine hendrich

    Wer am Sonntag nicht im "eigenen" Wahllokal war, dessen Stimme wurde bis dato noch nicht ausgezählt.

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