Starkes Finish reichte nur für Platz zwei

Video15. Oktober 2017, 21:13
131 Postings

Die SPÖ hatte zwar zeitweilig die Kontrolle über den eigenen Wahlkampf verloren – letztlich dürfte ihr die Affäre Silberstein aber nicht geschadete haben

Wien – Bei 14 der bisher 21 Nationalratswahlen in der Zweiten Republik hatte die SPÖ die Stimmenmehrheit, auch wenn das 1953 und 1959 aufgrund der Mandatsverteilung nicht zu einer Kanzlermehrheit gereicht hat. Und 1999 nützte die relative Mehrheit (33,2 Prozent) letztlich nicht – FPÖ und ÖVP bildeten damals als zweit- und drittstärkste Partei eine Koalition.

Vor einer solchen schwarz-blauen Koalition hat die SPÖ den ganzen Wahlkampf über gewarnt – aber das hat schließlich nur dazu gereicht, dass die Stimmenzahlen von 2013 gehalten und teilweise sogar erhöht werden konnten, der Anteil an der Gesamtheit der Wähler aber stagniert hat. Die ÖVP und die FPÖ konnten dagegen jeweils stark an Stimmen, an Prozenten und auch an Mandaten zulegen und damit die Sozialdemokraten abhängen. Der Kärntner Ladeshauptmann Peter Kaiser sprach von einem "besonders bitteren Tag für die Sozialdemokratie".

orf
Bundeskanzler Kern spricht im Interview mit ORF-Reporter Hans Bürger über das Wahlergebnis, dankt den Wählern und den Wahlhelfern und verspricht, in der Politik zu bleiben.

Schwarz-blau habe nun eine "hohe Wahrscheinlichkeit", sagte SPÖ-Klubchef Andreas Schieder. Die Warnung vor einer ÖVP-FPÖ-Partnerschaft war eine von drei zentralen Botschaften der Sozialdemokraten. Die zweite lautete, dass die Ergebnisse des wirtschaftlichen Aufschwungs gerecht verteilt werden müssten. Und die dritte Botschaft war eine unmittelbare Reaktion auf die von der ÖVP ausgelöste Stimmung des Wandels: Es brauche Veränderung im Land, es komme aber auf die Richtung an.

Solidarisierungseffekt

Vielfach waren diese Botschaften aber durch die Affäre um die von der SPÖ angezettelte Schmutzkübelkampagne von Tal Silberstein überdeckt – vieles im Wahlkampf ist ihr einfach entglitten. Zwei Wochen vor der Wahl sah es so aus, als käme die SPÖ da auch nicht mehr unbeschadet heraus. Das stimmte aber offensichtlich nicht: Die zusätzliche Aufmerksamkeit, die der Skandal der SPÖ verschafft hat, hat für sie einen Solidarisierungseffekt ausgelöst, Meinungsforscher haben in den letzten zehn Tagen noch massive Verschiebungen wahrgenommen.

der standard
Maltschnig/Sektion 8: "Als Juniorpartner haben wir in der Regierung nichts verloren"

Das hat dazu geführt, dass die Kern-SPÖ heute so gut dasteht wie die Faymann-SPÖ vor vier Jahren. Nur haben eben drei andere Parteien – ÖVP, FPÖ und Liste Pilz – Zugewinne lukrieren können.

Was auffällt: Bei dieser Nationalratswahl haben die Wähler in einigen Bundesländern ganz anders gestimmt als bei den vorangegangenen Landtagswahlen. Beispiel Vorarlberg: Dort hatte die SPÖ bei der Nationalratswahl 2013 nur 23.021 Stimmen, heuer waren es 29.024 Stimmen, fast doppelt so viele wie bei der Landtagswahl 2014. Prozentuelle Zugewinne hatte die SPÖ auch in Oberösterreich, der Steiermark, Tirol und Wien. In Kärnten und besonders dem Burgenland, wo sie einen von der FPÖ mitgetragenen Landeshauptmann stellt, hat sie verloren. (Conrad Seidl, 15.10.2017)

  • Vergangene Erfolge der SPÖ gehalten, Zukunft der SPÖ verspielt: Christian Kern.
    foto: reuters/foeger

    Vergangene Erfolge der SPÖ gehalten, Zukunft der SPÖ verspielt: Christian Kern.

Share if you care.