Airbus-Verwaltungsratschef mahnt zu Kooperation bei Ermittlungen

13. Oktober 2017, 18:08
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Ranque warnt vor Verlust staatlicher Kunden – Gegen Airbus wird in mindestens vier Ländern wegen Korruption ermittelt, auch in Österrreich wegen der Eurofighter

San Francisco / Toulouse – Airbus-Verwaltungsratschef Denis Ranque warnt vor den Folgen einer Verurteilung des Luftfahrtkonzerns wegen Korruption. Dann drohe Airbus den Zugang zu staatlichen Kunden zu verlieren, sagte Ranque der Zeitung "Le Monde" in einem am Freitag veröffentlichten Interview.

"Die Konsequenzen eines solchen Szenarios wären sehr schwer. Volle Kooperation ist der einzig gangbare Weg", so Ranque. Airbus ist vor allem in der Rüstungs- und Raumfahrtsparte auf Regierungen als Kunden angewiesen.

Airbus sieht sich in mindestens vier Ländern mit Ermittlungen wegen Untreue oder Korruption konfrontiert. Das österreichische Verteidigungsministerium hat eine Strafanzeige zum Verkauf von Kampfflugzeugen ("Eurofighter") eingebracht. Aber auch zum Verkauf von Verkehrsflugzeugen wird ermittelt.

Der Verwaltungsrat hatte sich am Donnerstag hinter Airbus-Chef Tom Enders gestellt. Zwei Insidern zufolge hatte das Gremium aber zuvor das Top-Management intensiv durchleuchtet. Ranque wollte sich in dem Interview nicht dazu äußern, ob der Verwaltungsrat eigene Anwälte angeheuert habe.

"Signifikante Bußen"

Enders bekräftigte in einem separaten Interview mit "Le Monde" seine Warnung vor "signifikanten Bußen" als Folge der Korruptionsermittlungen. "Wir alle wissen, dass das das Unternehmen belastet, aber wir haben keine Alternative." Bei den Ermittlungen geht es um die Rolle von Mittelsmännern bei Flugzeugverkäufen in zahlreichen Ländern. Airbus hatte selbst im vergangenen Jahr "Unregelmäßigkeiten" bei den Behörden angezeigt. Der Konzern untersucht die Angelegenheit auch mit eigenen Anwälten, in der Hoffnung, dass mögliche Strafen wegen der Kooperationsbereitschaft geringer ausfallen. Von einer Untersuchung des US-Justizministeriums wisse er nichts, sagte Enders der Zeitung.

Wegen des als hart empfundenen Durchgreifens ist Enders allerdings intern in die Kritik geraten. Wachsende Spannungen im Unternehmen und die Höhe der drohenden Bußgelder hätten auch den Verwaltungsrat alarmiert, sagten Insider. (APA, Reuters, 13.10.2017)

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