Was Österreich zum Wahlkampf googelte

Infografik13. Oktober 2017, 20:56
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Das Suchinteresse an der SPÖ stieg stark im Zusammenhang mit dem Facebook-Skandal. Nach Kandidatinnen und Kandidaten wird rund um ihre TV-Termine verstärkt gesucht

In der Recherche für diesen Artikel wurden sowohl Auswertungen direkt bei Google eingeholt als auch über das öffentlich verfügbare Portal Google Trends erstellt. Die vorliegenden Daten spiegeln das Suchinteresse an gewissen Begriffen oder sogenannten Suchthemen im Verhältnis zueinander wider. Suchthemen sind Sammelkategorien von Suchbegriffen, die sich um das selbe Thema drehen, auf der Website von Google Trends ist in einem Beispiel zu lesen, dass sich etwa die Suche nach "Hauptstadt von Großbritannien" im Suchthema "London" wiederfinden würde.

In den Auflistungen erhält das höchste absolut erzielte Suchinteresse im dargestellten Zeitraum den Wert 100, die einzelnen Werte können also als prozentueller Anteil an diesem höchsten Wert des Suchinteresses verstanden werden. Die Daten zum Suchinteresse sind dabei nicht als Meinungsumfragen zu verstehen, sondern stellen bloß das Aufkommen an Suchanfragen zu einem gewissen Thema dar.

SPÖ-Skandal im Suchverhalten erkennbar

Das Suchinteresse an den umfragenstärksten Parteien entwickelte sich seit 1. September mit der näher rückenden Nationalratswahl stetig nach oben. Bis Ende September, dem Zeitpunkt, zu dem der SPÖ-Skandal um die Facebook-Seiten "Die Wahrheit über Sebastian Kurz" und "Wir für Sebastian Kurz" bekannt wurde, wechselten sich ÖVP und FPÖ auf dem ersten Platz ab, dicht gefolgt von der SPÖ, die im Zeitraum vom 30. September bis zum 5. Oktober deutlich häufiger gesucht wurde als die anderen Parteien. Von den drei kleineren Parteien konnten die Neos durchgehend mehr Suchinteresse wecken als die Grünen und die Liste Pilz.

TV-Konfrontationen und Suchinteresse an Persönlichkeiten

Das Suchinteresse an den Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der Parteien ist von großen, kurzzeitigen Spitzen geprägt, die gut mit den TV-Konfrontationen und ähnlichen Veranstaltungen der jeweiligen Kandidatinnen und Kandidaten korrespondieren. So findet sich etwa am 11. und weiter am 12. September ein deutlicher Anstieg im Suchinteresse an Heinz-Christian Strache und Ulrike Lunacek – die am Abend des 11. September auf dem Sender Puls 4 miteinander diskutierten. Ähnlich verhält es sich mit Sebastian Kurz am 24. und 25. September, den Tagen der "Elefantenrunde" sowie den Konfrontationen mit Lunacek und Strolz auf Puls 4. Auch das Interesse an Peter Pilz stieg, als die "Elefantenrunde", zu der er auch eingeladen war, ausgestrahlt wurde. Der Sprung in den Suchanfragen zu Heinz-Christian Strache am 15. September steht womöglich mit der Dreierdiskussion mit Christian Kern und Sebastian Kurz, die von den "Oberösterreichischen Nachrichten", den Bundesländerzeitungen und der "Presse" in Linz veranstaltet wurde, im Zusammenhang.

Auch beim Suchinteresse an Christian Kern zeigen sich die Auswirkungen des Facebook-Skandals. Hier ist aber nur ein starker Anstieg zwischen 1. und 3. Oktober erkennbar. Für Christian Kern, Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache geht es zudem in den letzten Tagen der Auflistung steil bergauf.

Viele Suchanfragen zum Wahlprogramm der Neos und der Liste Pilz

Während bei den Suchanfragen zu den Parteien und den Spitzenkandidatinnen und -kandidaten die drei größeren Parteien SPÖ, ÖVP und FPÖ klar in Führung liegen, können zumindest die Liste Pilz und die Neos bei den Anfragen im Zusammenhang mit dem Begriff Wahlprogramm in der Oberliga mitspielen. Besonders die Neos konnten Anfang Oktober viel Interesse an ihren Positionen wecken.

Lunacek deutlich öfter gesucht als die Grünen als Partei

Im Vergleich der Suchanfragen zu Parteien und den jeweiligen Spitzenkandidatinnen und -kandidaten führen die Neos die Statistik nach dem Parteianteil an. 75 Prozent der gemeinsamen Suchanfragen nach Neos und Matthias Strolz gehen auf Suchen nach den Neos zurück. Bei den Grünen verhält es sich beinahe genau umgekehrt: 78 Prozent der gemeinsamen Suchanfragen drehen sich um Ulrike Lunacek.

Peter Pilz ist in dieser Aufstellung nicht enthalten, da auf Google Trends kein eigenes Suchthema für die Liste Peter Pilz zur Verfügung steht, also eine Sammelkategorie aller Anfragen, die mit der Partei in Zusammenhang stehen. Für den Politiker Peter Pilz gibt es eine solche Kategorie jedoch schon, weswegen sich die beiden Suchinteressen nicht einwandfrei vergleichen lassen.

Suchen nach Sachthemen im Wahlkampf

In den von Google veröffentlichten "meistgesuchten politischen Themen in Verbindung mit den Spitzenparteien" der letzten zwei Wochen lassen sich neben "Dirty Campaigning" und der Frage nach Vorzugsstimmen viele Sachthemen ausmachen: Nach "FPÖ Wirtschaftsprogramm", "Erbschaftssteuer SPÖ" und "Glyphosat" wurde dort am häufigsten gesucht. Andere vielfach gesuchte Themen sind die Wertschöpfungsabgabe, Bildung, kalte Progression und Mindestsicherung. Das Thema Bildung findet sich unter den Top 25 der Begriffe ganze vier Mal, gesucht im Zusammenhang mit unterschiedlichen Parteien. Die unten stehende Grafik zeigt das Suchinteresse an ausgewählten Sachthemen (ohne Parteizusatz) im zeitlichen Verlauf.

Durch Klick oder Hover auf einen Begriff kann dessen Verlauf hervorgehoben werden. Klick auf das Datum lässt die Animation zum entsprechenden Zeitpunkt laufen.

Privates bei Spitzenkandidaten im Vordergrund

Die seit 1. September meistgesuchten Begriffe zu den Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten der Parteien entsprechen in vielen Fällen den Erwartungen: Oft gesucht werden Social-Media-Auftritte von Heinz-Christian Strache, Christian Kern und Sebastian Kurz, die Kombination aus Name und zugehöriger Partei sowie Kombinationen zweier Kandidatinnen und Kandidaten, die in Fernsehkonfrontationen aufeinander getroffen sind. Ansonsten finden sich viele Anfragen über das Privatleben der Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten. So schaffen es unter anderem die Größe von Matthias Strolz, Freundinnen, Ehefrauen und Familienmitglieder von Christian Kern, Sebastian Kurz, Heinz-Christian Strache und Peter Pilz sowie die sexuelle Orientierung von Ulrike Lunacek unter die meistgesuchten Google-Anfragen. Einzig Peter Pilz schafft es mit seinem Wahlprogramm unter die ersten 30 Begriffe – allerdings ist es auch kaum möglich, in den Suchanfragen die Person Peter Pilz von seiner Liste abzugrenzen. (kies, 13.10.2017)

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