Elsevier strengt Verfahren gegen Researchgate an

    16. Oktober 2017, 12:23
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    Das "Facebook für Wissenschafter" dient dazu, Publikationen zugänglich zu machen. Doch das dürfte vielfach gegen das Urheberrecht verstoßen

    London – Researchgate ist neben academia.edu die größte und wichtigste Plattform, die es Wissenschaftern ermöglicht, ihre Publikationen gratis online zu stellen. Zurzeit hat das Start-up, das in Berlin beheimatet ist und rund 90 Millionen Euro Unterstützung unter anderem vom britischen Wellcome Trust von der Gates Foundation eingeworben hat, rund 13 Millionen Nutzer – und seit kurzem ein größeres Problem.

    Die American Chemical Society und die Verlage Brill, Elsevier, Wiley und Wolters Kluwer sind nämlich eine Koalition für "responsible sharing" eingegangen und haben Protest wegen Verletzungen des Copyrights durch Researchgate angemeldet. Konkret geht es unter anderem darum, dass Researchgate aktiv seinen Nutzern Texte zum Hochladen vorschlage und damit gegen das Urheberrecht verstoßen würde.

    Auf diese Weise dürften laut dem Memorandum sieben Millionen der auf Researchgate zugänglich gemachten Artikel dort eigentlich nicht einsehbar sein. Angeblich hat Researchgate daraufhin auch schon begonnen, mögliche betroffene Artikel zu entfernen.

    Klage bei deutschem Gericht eingereicht

    Die American Chemical Society und der Verlagsriese Elsevier sind nach dem Memorandum nun auch noch einen Schritt weiter gegangen und haben bei einem Gericht in Deutschland Klage gegen Researchgate eingebracht, wie die Wissenschaftsmagazine "Science" und "Nature" in ihren Online-Ausgaben berichten. (Die Nature-Springer-Gruppe selbst sucht im Übrigen gemeinsam mit Researchgate eine einvernehmliche Lösung des Problems.) Nähere Informationen sind allerdings noch nicht bekannt.

    Laut der jüngsten österreichischen Urheberrechtsnovelle ist es hiesigen Forscherinnen und Forschern übrigens möglich, ein Jahr nach Veröffentlichung eines Fachartikels diesen (etwa auf researchgate.net oder academia.edu) online zugänglich zu machen – genau genommen aber nur dann, wenn der Verlag seinen Sitz in Österreich hat, wie der Wissenschaftsfonds FWF klärend ergänzt.

    Empfehlungen des FWF

    Der FWF legt Forscherinnen und Forschern außerdem nahe, die eigenen Texte nicht (nur) auf privaten Anbietern Researchgate oder Adacemia.edu zugänglich zu machen, da diese ihre Geschäftsbedingungen theoretisch jederzeit ändern können und das Angebot etwa kostenpflichtig machen können. Damit sei auch keine nachhaltige Archivierung garantiert. Der FWF empfiehlt bei nicht vorhandenen disziplinspezifischen oder institutionellen Repositorien zu Zenodo. (tasch, 16.10.2017, ergänzt am 18.10.2017 )

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