In Thiems Schatten: Woran es im Damentennis hapert

    12. Oktober 2017, 08:43
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    Paulus, Wiesner, Schett und Co: Österreich hatte einige Spitzen-Tennisspielerinnen. Derzeit sieht es schlecht aus: Barbara Haas ist 171. der Weltrangliste, hinter der 21-Jährigen kommt wenig nach. Ihr Trainer Jürgen Waber kennt Gründe für die Krise

    Linz – Barbara Haas zählt nicht zu den weltbesten Tennisspielerinnen. Derzeit rangiert sie auf Position 171 in der Weltrangliste, vor einem Jahr war sie schon 134. In Österreich ist sie dennoch die klare Nummer eins. Julia Grabher, die Nummer zwei des Landes, belegt Platz 285.

    Österreich hat Dominic Thiem, aber bei den Frauen sieht es bescheiden aus. Das ist schon seit einer Weile so. Tamira Paszek, die als 15-Jährige ihr erstes WTA-Turnier gewonnen hatte, wird immer wieder von Krankheiten und Verletzungen geplagt. Wegen eines Nervenleidens wird die 26-jährige Vorarlbergerin frühestens 2018 auf die Tour zurückkehren.

    "Vielleicht sind wir verwöhnt", sagt Barbara Schett. Österreich hatte in den vergangenen drei Jahrzehnten immer wieder Topspieler und -spielerinnen. Schett, die 2005 ihre Karriere beendete, war eine davon. "Im Moment schaut es bei den Damen nicht rosig aus", sagt die Tirolerin, die einst Platz sieben im WTA-Ranking belegte.

    Haas will in den nächsten zwei bis drei Jahren den Sprung in die Top 100 schaffen. Trainiert wird die 21-Jährige von Jürgen Waber. Der 44-Jährige hat auch schon Sybille Bammer, die es bis in die Top 20 der Welt schaffte und 2011 ihre Karriere beendete, gecoacht. Seit acht Jahren ist Waber Kapitän des Fedcup-Teams. Vor zwei Jahren wurde er zum Hauptverantwortlichen für Österreichs Damentennis ernannt. Waber nennt seine Funktion "Ansprechpartner für Damentennis. Ich habe nichts zu entscheiden."

    Damen-Leistungszentrum in Linz

    In Linz leitet er das Damen-Leistungszentrum, in dem auch Bammer als Trainerin arbeitet. Neun bis zehn 14- bis 21-jährige Spielerinnen trainieren hier. Auch Grabher und Haas. "Es passt gut", sagt Letztere. Das Zentrum entwickle sich gut, sagt Waber. Auch wenn die finanziellen Mittel bescheiden seien. "Damentennis ist ein Nebengleis, es bleibt das zweite Glied." Das Training in Linz kostet eine Spielerin beziehungsweise deren Eltern 600 Euro monatlich. Waber: "Normalerweise zahlt man dafür 2500 Euro."

    Aber woran hapert es nun? "Vor allem an der Breite", sagt Waber. Hinter dem 1996er-Jahrgang, dem Haas und Grabher angehören, schaue es düster aus. Jahrelang, sagt Waber, habe man nicht auf die Jugendarbeit geschaut. Erst im U14- und im U12-Bereich gäbe es wieder mehr Spielerinnen. Auch die Infrastruktur sei verbesserungswürdig. Zudem sind die Strukturen uneinheitlich. Bis zum U14-Bereich ist Tennis Ländersache. In Oberösterreich sei man jedenfalls auf einem guten Weg.

    Linzer Turnier im Pech

    In Oberösterreich steigt derzeit auch das Upper Austria Ladies Linz, das WTA-Turnier findet heuer zum 27. Mal statt, erstmals hat es keinen Hauptsponsor. Turnierdirektorin Sandra Reichel ist dennoch zuversichtlich, dass es die Veranstaltung weiterhin geben wird. Es seien heuer ein paar neue Sponsoren angesprungen, und für die Zukunft sei man mit einem potenziellen Hauptsponsor in Verhandlung.

    Eine heimische Spitzenspielerin würde dem Turnier natürlich auch nicht schaden. Reichel: "Wir haben nie auf eine Lokalmatadorin aufgebaut, wir haben immer auf Weltklasse aufgebaut." Heuer hatte Reichel auch diesbezüglich Pech. Die lettische French-Open-Siegerin Jelena Ostapenko (WTA-Nr. 7) sagte ebenso kurzfristig ab wie die Slowakin Dominika Cibulkova (Nr. 11). So ist die Weltranglisten-28. Magdalena Rybarikova die Nummer eins des Turniers. Die Slowakin hat ihr Erstrundenspiel am Dienstag gewonnen.

    Haas erhielt eine Wildcard, in Runde eins unterlag sie am Mittwoch der Deutschen Carina Witthöft (3:6, 6:4, 4:6). Die Lokalmatadorin bringe schon ein paar Hundert Zuschauer mehr in die Halle, sagt Reichel. Das Linzer Turnier bietet eine der wenigen Gelegenheiten, die beste heimische Tennisdame in Österreich spielen zu sehen.

    Fedcup-Heimspiele nicht leistbar

    Im Fedcup zum Beispiel gab es seit Jahren kein Heimspiel mehr. Weil die geforderte Infrastruktur nicht vorhanden ist. Waber: "Das ist unfinanzierbar." Das größere Problem: "Man muss schauen, dass man dafür Leute zusammenkriegt." Im Februar klappte das, Wabers Team schaffte in Estland den Klassenerhalt in der Europa-Afrika-Zone I. Haas gewann alle ihre Spiele.

    Was der Oberösterreicherin noch auf die Top 100 fehlt? "Die Konstanz über das ganze Jahr", sagt Haas. "Sie ist überall ganz gut, sie muss noch schlagkräftiger werden", sagt ihr Trainer. Ob es in fünf Jahren eine österreichische Top-50-Spielerin geben werde? Waber sagt: "Ja." Eigentlich kommt dafür nur Haas infrage. Aber vielleicht passiert ja ein Wunder. (Birgit Riezinger, 12.10.2017)

    • Barbara Haas ist Österreichs beste Tennisspielerin, zur Weltspitze zählt sie nicht.
      foto: apa/barbara gindl

      Barbara Haas ist Österreichs beste Tennisspielerin, zur Weltspitze zählt sie nicht.

    • Jürgen Waber begleitet Haas auf der Tour.
      foto: mathias schulz

      Jürgen Waber begleitet Haas auf der Tour.

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