Josef Cap gegen Nurten Yilmaz: "Battle" um Wien-Nord-West

    12. Oktober 2017, 07:00
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    Josef Cap kämpft in seinem Wahlkreis um Vorzugsstimmen – auch bei den SPÖ-Mitgliedern, die eigentlich beschlossen haben, dass Nurten Yilmaz Spitzenkandidatin ist. Das sorgt für Unmut im Wahlkampffinish

    Wien – Die Ottakringer SPÖ-Mitglieder staunten nicht schlecht, als sie am Dienstag dieser Woche ein E-Mail von Josef Cap in ihren Posteingängen fanden: Dort bat der ehemalige Klubobmann im Nationalrat "den lieben Genossen", "die liebe Genossin" um eine Vorzugsstimme. Weil er für folgende politische Überzeugungen stehe: "Sicherheit, Chancengerechtigkeit, staatliche Regelung der Migration, kein Platz für den politischen Islam". So weit, so erwartbar: Cap hatte bereits im Sommer, nachdem er auf der roten Bundesliste auf aussichtslose Stelle gereiht worden war, angekündigt, er werde in seinem regionalen Wahlkreis Wien-Nord-West einen Vorzugsstimmenwahlkampf führen.

    Allerdings: Dass der 65-Jährige, der im Wahlkreis an zweiter Stelle hinter der Ottakringer Nationalratsabgeordneten Nurten Yilmaz kandidiert, nun innerhalb des Wahlkreises dieser unmittelbar Konkurrenz macht, ärgert viele in Wien Nord-West. Cap, vom 19. Bezirk Döbling nominiert, hat nämlich nicht nur die Döblinger SPÖ-Mitglieder, sondern auch die Hernalser, Währinger und Ottakringer Genossinnen und Genossen angeschrieben und um ihre Stimme gebeten. Das klassifiziere er "schon als Foul", kommentiert etwa Christian Oxonitsch, SPÖ-Klubobmann im Rathaus und Ottakringer Bezirksparteiobmann, auf Anfrage des STANDARD. Sein Kollege Fritz Strobl aus Währing wird deutlich: "Das ist, höflich formuliert, äußerst ungewöhnlich." Man habe sich im Wahlkreis auf Yilmaz als Spitzenkandidatin verständigt, er habe eigentlich erwartet, "dass das jeder akzeptiert".

    Er habe Cap auch schon darauf angesprochen, sagt Strobl, "bei ähnlichen Vorkommnissen im Sommer". Cap habe ihm damals versichert, er bemühe sich um ganz andere Wählerkreise als Yilmaz. Dass er nun aber auch SPÖ-Mitglieder anschreibe, sei "schon eine ganz andere Kategorie".

    Yilmaz selbst reagiert kühl: "Auch mich hat Kollege Cap um seine Vorzugsstimme gebeten. Das hat mich schon ein bisserl gewundert."

    Ideologischer Riss

    Wer den tiefen ideologischen Riss betrachtet, der sich durch die Wiener SPÖ zieht, ist dagegen wenig verwundert über die Battle der besonderen Art: Die 60-jährige Yilmaz, gebürtige Türkin mit jahrzehntelanger "street credibility" im Arbeiter- und Migrantenbezirk Ottakring, gilt als Vertreterin einer offenen, multikulturellen Gesellschaft – und als Gefolgsfrau von Michael Häupl und Anhängerin von Rot-Grün.

    Cap dagegen spricht mit seinen Inhalten eher das andere, "rechtere" Lager in der SPÖ an, jenes, das, auf eine einfache Formel gebracht, eher Wohnbaustadtrat Michael Ludwig repräsentiert. Er selbst lässt diese Unterscheidung freilich nicht gelten: "Das sind die Themen, welche die Menschen bewegen. Und ich unterfüttere sie mit zutiefst sozialdemokratischen Inhalten." Wenn er etwa sage, die Mittelmeerroute müsse geschlossen werden, sei das nicht auf "Kurz-Linie", sondern: "Man muss den Menschen Lebenschancen in ihrer Heimat geben." Das sage er auch als bisheriger Vorsitzender des Außenpolitischen Ausschusses im Parlament.

    Zudem, sagt er zum STANDARD: "Ich habe auch schon immer um Vorzugsstimmen geworben, jeder tut das." Er habe mit Yilmaz stets gut kooperiert, "ich schätze sie sehr". Aber es sei ein "legitimes demokratisches Informationsinstrumentarium", die Mitglieder von der Tatsache seiner Kandidatur zu informieren: "Was dann jeder Einzelne in der Wahlzelle tut, ist ohnehin eine individuelle Entscheidung." Im Übrigen sei er nicht der Einzige, sagt Cap: "Andere machen das auch." Zum Beispiel: "Andreas Schieder in Wien Süd, wo Doris Bures Spitzenkandidatin ist." Womit Cap – unausgesprochen – die ideologischen Gräben im roten Wien einmal mehr umrissen hat.

    70.000 Wiener Kipferln

    Am Mittwoch zog indes die Wiener Landespartei Bilanz. Bürgermeister Michael Häupl erklärte, man könnte meinen, Schwarz-Blau sei ausgemacht. Trotzdem habe er "die Hoffnung auf den ersten Platz noch nicht aufgegeben". Doch trotz aller Schwierigkeiten habe Wien alles für ein "bestmögliches Ergebnis getan": mehr als 15.000 Telefonanrufe, 2000 Straßenaktionen und 70.000 verteilte Kipferln – so das Resümee in Wien. (Petra Stuiber, Oona Kroisleitner, 12.10.2017)

    • Nurten Yilmaz: "Das hat mich schon ein bisserl gewundert."
      foto: heribert corn

      Nurten Yilmaz: "Das hat mich schon ein bisserl gewundert."

    • Josef Cap: "Legitimes demokratisches Informationsinstrumentarium".
      foto: heribert corn

      Josef Cap: "Legitimes demokratisches Informationsinstrumentarium".

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