Faktencheck: Verlieren die Pensionen laufend an Wert?

Video11. Oktober 2017, 17:26
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Was hinter der von FPÖ-Chef Strache im TV-Duell mit Sebastian Kurz kritisierten "Schande" steckt

Wieder einmal geht der Rentenklau um: Wie "Bittsteller" würden Pensionisten von der Regierung behandelt, warf Heinz-Christian Strache seinem Kontrahenten Sebastian Kurz im ORF-TV-Duell vor: Wenn man erlebe, "dass man keine Inflationsanpassung möglich macht und Pensionisten seit Jahren laufend reale Verluste haben, dann ist das eine Schande".

der standard

Hat der FPÖ-Chef recht? Eigentlich gibt es ein Gesetz, das den ausbezahlten Pensionen ein stabiles Niveau garantieren soll: Demnach müssen die Altersbezüge alljährlich im Ausmaß der in einem bestimmten Zeitraum gemessenen Inflationsrate erhöht werden. Allerdings kann eine Parlamentsmehrheit die Vorgabe über den Haufen werfen. In der Vergangenheit haben die Parteien den Senioren auch schon Erhöhungen über die Teuerungsrate hinaus gegönnt – so vollzogen 2008 und 2009.

In jüngerer Vergangenheit geschah aber zweimal das Gegenteil. 2013 und und 2014 verlangte die rot-schwarze Regierung den Pensionisten einen Beitrag zu einem Sparpaket ab: Im ersten Jahr gab es nur ein Plus von 1,8 Prozent statt 2,8 Prozent laut Inflation, im zweiten 1,6 statt 2,4 Prozent. Die Mindestpensionen bekamen die Teuerung voll abgegolten, doch für Durchschnittspensionisten setzte es einen Kaufkraftverlust, wenn auch nicht in dramatischem Ausmaß. Gemessen an der Inflation betrug das reale Minus von 2000 bis 2015 nach Berechnung des STANDARD insgesamt 1,3 Prozent.

Teures Pensionistenleben

Die Blauen rechnen allerdings anders. Wie auch die Seniorenlobbys weisen sie darauf hin, dass die allgemeine Inflationsrate als Maßstab das Problem unterschätze. Schließlich gäben alte Menschen überproportional viel Geld für Lebensmittel und Gesundheitsleistungen aus, deren Preise besonders stark angezogen hätten.

Bis 2015 hat die Statistik Austria im Auftrag der Seniorenverbände deshalb den Pensionistenpreisindex errechnet, der die Inflation speziell für Haushalte älterer Menschen beziffert. Weil der Auftrag danach auslief, ist ein Vergleich nur bis zu diesem Zeitpunkt möglich.

Tatsächlich lag die Teuerung laut Pensionistenpreisindex der Statistik Austria Jahr für Jahr stets über der allgemeinen Inflationsrate – nach diesem Maßstab hat Strache mit der Klage über die "laufende" Entwertung der Altersbezüge recht. Die Dimension der Lücke laut STANDARD-Rechnung: Von 2000 bis 2015 hat die durchschnittliche Pension zwei Prozent an Kaufkraft verloren. (Gerald John, 12.10.2017)

  • Straches Vorwurf an Kurz im TV-Duell: Die Regierung mache Pensionisten zu Bittstellern.
    foto: apa / georg hochmuth

    Straches Vorwurf an Kurz im TV-Duell: Die Regierung mache Pensionisten zu Bittstellern.

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