Puller und die Lügendetektor-Show

Video11. Oktober 2017, 20:11
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Der Silberstein-Mitarbeiter wollte mit vor Gericht nicht anerkannter Methode beweisen, dass die ÖVP ihm Geld geboten habe – ein skurrile Showeinlage

Wien – Die Dirty-Campaigning-Schlammschlacht im Nationalratswahlkampf ist um eine skurrile Facette reicher: Tal Silbersteins Kompagnon Peter Puller initiierte am Mittwoch in einem Wiener Hotel eine Lügendetektor-Show. Mit einem solchen umstrittenen Test, der vor Gericht nicht anerkannt wird, wollte Puller belegen, ob er, wie er selbst behauptet, von der ÖVP Geld angeboten bekommen hat. Ihm seien 100.000 Euro für Details zur SPÖ-Kampagne und einen Seitenwechsel zur ÖVP geboten worden, hatte er in mehreren Medien zu Protokoll gegeben. Die Veranstaltung verlief dann äußerst bizarr:

der standard

Zu dem Termin wurden mehrere Medien eingeladen. Puls 4 hatte vorab recherchiert, welcher Experte einen derartigen Lügendetektortest durchführen könnte. Gefunden wurde ein deutscher Experte, der zufällig in Wien war. Dieser wurde dann von Puller für die Versuchsanordnung übernommen. Die Veranstaltung entwickelte sich dann dermaßen seltsam, dass schließlich Corinna Milborn, Infochefin des Privatsenders, entschied, damit nicht auf Sendung zu gehen. Die Angelegenheit sei ihr "zu shady".

Bei dem "Test" saß Puller in einem abgedunkelten Raum, neben ihm ein adrett gekleideter Herr, der seinen Namen nicht nennen wollte. Nur so viel: Er sei Polygraph Examiner (Lügendetektortester) aus Deutschland.

Je nach Anzahl der getesteten Personen seien 750 bis 1.200 Euro für einen solchen Test zu bezahlen, erzählte der Examiner.

Luftkissen gegen Manipulationsversuche

Das Gerät sollte Puls, Hautwiderstand, Körpertemperatur und Atmung Pullers messen. Außerdem musste sich der PR-Profi auf ein Luftkissen setzen, das "Bewegungen im unteren Bereich" – Manipulationsversuche – darstellen sollte.

Die vorgelegten Fragen stellen durfte nur der Examiner. Puller musste mit Ja oder Nein antworten. Es begann mit harmlosen Kontrollfragen: "Glauben Sie an Gott?", "Mögen Sie die Sommerjahreszeit?" Schließlich ging es zur Sache. Der Examiner las die erste Frage ab: "Hat Gerald Fleischmann bei einem Treffen am 17. Juli 2017 auf einen Zettel geschrieben: 'Wir wissen, dass du für die Sozis arbeitest. Wir bieten dir bis zu 100.000 Euro, wenn du wechselst'?" Puller antwortete mit Ja.

"Das zeigen alle Graphen"

Weitere fünf Fragen folgten. Ob Puller das Angebot angenommen habe, ob es sich dabei um ein Angebot für die Wiener Gemeinderatswahl handelte und ob Puller "Kabinettsmitarbeiter der ÖVP über Details" zu Kurz' Privatleben befragt habe. Puller beantwortete alles mit Nein. Dreimal wurde das Prozedere wiederholt, dann folgte die Auswertung: "Sie haben ganz klar die Wahrheit gesprochen, das zeigen alle Graphen."

Der angesprochene Kurz-Pressesprecher hat Pullers Darstellung mehrfach zurückgewiesen. Die ÖVP hat angekündigt, Puller auf Unterlassung, Widerruf, Kreditschädigung und üble Nachrede zu klagen. Laut Informationen des STANDARD soll Puller bereits eine erste Zeugenladung erhalten haben. Vor Gericht wird der Test keine Beweiskraft haben. "In Österreich werden Lügendetektoren nicht verwendet, weil sie in beide Richtungen falsche Ergebnisse liefern", sagt Staatsanwalt Gerhard Jarosch zum STANDARD. Der Lügendetektortest war lediglich eine weitere sehr merkwürdige Wendung in diesem seltsamen Wahlkampf und letztlich nichts anderes als Show. (Katrin Burgstaller, 11.10.2017)

Dieser Text wurde am Donnerstag aktualisiert, die Rolle von Puls 4 wurde präzisiert.

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Fotoblog von Matthias Cremer: Beim Lügendetektor im Wahlkampffinale

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