Häupl: "Ich bin ein Kernianer"

    11. Oktober 2017, 14:05
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    Die Wiener SPÖ zieht Bilanz über den Wahlkampf. Bürgermeister Häupl will ein "bestmögliches" Ergebnis für Spitzenkandidat Kern erzielen. Hinter diesem stehe er in jeder Funktion

    Wien – Nur wenige Tage vor der Nationalratswahl zieht die Wiener SPÖ Bilanz über den Wahlkampf in der Bundeshauptstadt. "Man kann die Zeit nun schon in Stunden messen", sagte Bürgermeister Michael Häupl am Mittwoch vor Journalisten. Verfolge man die "freundschaftlichen Gespräche" zwischen Sebastian Kurz (ÖVP) und Heinz-Christian Strache (FPÖ), könne man meinen, Schwarz-Blau sei bereits ausgemachte Sache. Trotzdem habe er "die Hoffnung auf den ersten Platz noch nicht aufgegeben".

    Denn wenn Häupl sich das "Wien-Bashing seitens des Kanzlerkandidaten der ÖVP" anschaue, müsse er Schlimmes vermuten, gerade bei Pensionen und Mieten. Die Wiener Stadtregierung hatte bereits am Dienstag eine Reform des Mietrechts gefordert. "Als Millionär wird man nicht die SPÖ wählen. Das verstehe ich", sagte Häupl.

    Dass in den vergangenen Wochen Fehler in der Kampagne passiert sind, gestand Häupl ein. Dass Tal Silberstein überhaupt engagiert wurde, sei der "größte Fehler" gewesen, die SPÖ habe jedoch die Konsequenzen gezogen. "Aber die, die sich jetzt als Ankläger und Unschuldslämmer darstellen", hätten im Wahlkampf ständiges Wien-Bashing betrieben, fälschlicherweise behauptet, die SPÖ habe "einen sechsstelligen Betrag" von Hans Peter Haselsteiner erhalten. "Und das sind die Guten?", sagte Häupl.

    70.000 Wiener Kipferl

    Doch trotz aller Schwierigkeiten, "oder gerade wegen der Schwierigkeiten", habe es in der Wiener Partei "viel Engagement" gegeben, wie SPÖ-Managerin Sybille Straubinger vorrechnete: mehr als 2.000 Straßenaktionen, 15.000 Telefonanrufe, 500 mit SPÖ bebrandete Autos, 6.000 Funktionäre in den Bezirken und 70.000 verteilte Kipferln, lautet das Resümee in Wien. Neu sei gewesen, dass 1.200 Freiwillige, die keine Parteimitglieder sind, für die SPÖ gelaufen sind.

    "Unser Ziel ist es, dass Christian Kern auch nach dem Wahlkampf Bundeskanzler ist", sagte Straubinger. Dem schloss sich Häupl an, um "Spekulationen" vorwegzunehmen: "Ich bin ein Kernianer." Kern sei ein "ausgezeichneter Parteichef", den Häupl als Regierungschef sehen will, sich aber auch als Oppositionführer vorstellen kann.

    Keine Freunde

    Dass es zu einer Neuauflage der großen Koalition kommt, möchte Häupl nach dem schmutzigen Wahlkampf zwischen SPÖ und ÖVP nicht zur Gänze ausschließen. "Es war ein harter Wahlkampf mit teils kindischen Elementen." Trotzdem, Kern und Kurz müssten nur professionell miteinander arbeiten: "Freunde, das muss ja nicht sein", so Häupl.

    Einen Seitenhieb hatte Häupl auch für den Islamwissenschafter Ednan Aslan parat, dessen umstrittene Kindergartenstudie zu nicht unbeträchtlichen Teilen outgesourct und von einem türkischstämmigen Unternehmensberater erstellt und zugeliefert worden sein soll. Er werfe Kurz vor, dass diese "Studie gefälscht" und dass für "politische Zwecke die Kindergartenstudie manipuliert wurde". (Oona Kroisleitner, 11.10.2017)

    • Häupl garantiert Kern seine Unterstützung. Der Auftrag an Tal Silberstein sei allerdings ein großer Fehler gewesen, sagt Wiens SP-Chef.
      foto: apa/expa/sebastian pucher

      Häupl garantiert Kern seine Unterstützung. Der Auftrag an Tal Silberstein sei allerdings ein großer Fehler gewesen, sagt Wiens SP-Chef.

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