Uno: Myanmars Militär vertreibt systematisch Rohingya

11. Oktober 2017, 14:22
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Menschenrechtsexperte: Minen an der Grenze zu Bangladesch sollen Rückkehr verhindern

Genf – Die Sicherheitskräfte Myanmars haben nach Angaben der Vereinten Nationen rund eine halbe Million Rohingya systematisch und brutal vertrieben. Ihr Vorgehen erscheine als "zynischer Plan zur gewaltsamen Vertreibung einer großen Anzahl von Menschen ohne Möglichkeit zur Rückkehr", sagte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Zeid Raad al-Hussein, am Mittwoch.

Aus 65 Befragungen von Rohingya-Flüchtlingen in Bangladesch zogen die UN-Menschenrechtler außerdem die Schlussfolgerung, dass die Armeeaktionen schon begonnen hatten, bevor aufständische Rohingya am 25. August Polizeistationen überfielen. Der Leiter des UN-Menschenrechtsbüros in Asien, Jyoti Sanghera, forderte Regierungschefin Aung San Suu Kyi auf, die Gewalt gegen die muslimische Minderheit zu stoppen.

Dörfer niedergebrannt

"Vertrauenswürdige Informationen deuten darauf hin, dass die Sicherheitskräfte von Myanmar zielgerichtet das Eigentum der Rohingya zerstört und ihre Unterkünfte sowie ganze Dörfer im nördlichen Staat Rakhine niedergebrannt haben", heißt es in dem Bericht des UN-Hochkommissars.

Dabei sei es ihnen nicht nur darum gegangen, die Bevölkerung zu vertreiben, sondern auch darum, deren Rückkehr zu verhindern. Den Aktionen der Sicherheitskräfte habe sich auch ein Mob bewaffneter Buddhisten angeschlossen.

Grenze wird vermint

Die UN-Menschenrechtler gehen davon aus, dass die Gewaltaktionen weitergehen und dass Minen an der Grenze gelegt wurden, um eine Rückkehr der Rohingya zu verhindern.

Der Bericht basiert auf der Befragung von Rohingya-Flüchtlingen und Augenzeugen in Bangladesch zwischen 14. und 24. September. "Alle Zeugenberichte weisen darauf hin, dass den Menschen aus kurzer Entfernung in den Rücken geschossen wurde, als sie in Panik flohen", heißt es in dem Bericht.

Viele Menschen, darunter Alte und Kinder, seien in ihren Häusern verbrannt. Die Zeugen berichteten laut UN auch, dass Mädchen von nur fünf bis sieben Jahren vergewaltigt wurden, oft vor ihren Verwandten und manchmal von mehreren Männern "in Armeeuniform".

Die UN-Experten fordern Myanmars Regierung auf, Hilfsorganisationen umgehend Zugang zu gewähren. (red, Reuters, 11.10.2017)

  • Niedergebrannte Rohingya-Dörfer in der Nähe von Maungdaw, Bundesstaat Rakhine
    foto: apa/afp/marion thibaut

    Niedergebrannte Rohingya-Dörfer in der Nähe von Maungdaw, Bundesstaat Rakhine

  • Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi wird wegen ihrer Rohingya-Politik kritisiert
    foto: reuters/soe zeya tun/

    Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi wird wegen ihrer Rohingya-Politik kritisiert

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