Warum Tauchen für Raucher gefährlich werden kann

    11. Oktober 2017, 12:06
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    Raucher erleiden nachweislich häufiger Tauchunfälle als Nichtraucher, und sie verlaufen wesentlich schwerer

    Rauchen und Tauchsport passen nicht zusammen. "Das Risiko für einen schweren Tauchunfall ist bei Rauchern deutlich erhöht", warnt der Wiener Lungenspezialist und Taucharzt Gerhard Wallner. Jeder angehende oder aktive Taucher sollte daher auf seinen Status in Sachen Herz-Kreislauf- und Lungengesundheit penibel achten und alle möglichen Risiken – soweit es geht – vermeiden.

    Am meisten Sorge hat der Tauchmediziner vor unentdecktem Anstrengungsasthma. Ärzte haben 256 Highschool-Sportler klinisch untersucht und einen umfangreichen Fragebogen ausfüllen lassen. Bei jenen Personen, die weder Asthmasymptome hatten noch durch die ärztliche Untersuchung und den Fragebogen als Asthmapatienten entdeckt werden konnten, wurde durch eine Messung der unspezifischen bronchialen Reaktivität mittels "indirekter" Provokationstestung dennoch in 45,8 Prozent ein Anstrengungsasthma nachgewiesen. Wallner führt aus diesem Grund bei jedem Tauchkandidaten eine indirekte Provokation mittels HSBC (Hypertonic Saline Bronchial Challenge) zum Ausschluss von Anstrengungsasthma durch.

    Ohne Zweifel steht fest, dass Rauchen die Gesundheit auf vielfältige Weise schwer schädigt. Dass Rauchen und Tauchen ein "tödliches Duo" sein können, ist vielen nicht klar. Tauchunfallstatistiken haben gezeigt, dass Raucher nachweislich häufiger Tauchunfälle erleiden als Nichtraucher und auch dass diese bei Rauchern wesentlich schwerer verlaufen.

    Probleme beim Auftauchen

    Wallner: "Einerseits führt Rauchen zu einer Verengung der Blutgefäße, was sich beim Tauchen negativ auf Durchblutung und Stickstoffaufnahme und -abgabe auswirkt. Dadurch können in Folge Probleme beim Auftauchen bei der Dekompression auftreten."

    Ein weiteres Problem stellt das im Tabakrauch enthaltene Kohlenmonoxid dar. Dieses bindet sich zum Teil an den Blutfarbstoff Hämoglobin und zwar viel fester und dauerhafter als Sauerstoff. Somit steht ein Teil der roten Blutkörperchen nicht mehr für den Transport von Sauerstoff zur Verfügung, was einen höheren Luftverbrauch und eine geringere Leistungsfähigkeit bedingt.

    Ein weiteres Problem: Da Rauch die Atemwege reizt, kann der Körper mit einer Verengung der Atemwege reagieren. Diese Verengung kann dazu führen, dass das sich ausdehnende Atemgas beim Aufstieg nicht rasch genug abgeatmet werden kann. Die mögliche Folge: eine Lungenüberblähung. Erschwerend kommt hinzu, dass Raucher oftmals an einer chronischen Bronchitis leiden und diese führt zu einer Verdickung der Lungenschleimhaut und somit ebenfalls zu einer Verengung.

    Zusätzlich kommt es zu einer vermehrten Schleimproduktion und gleichzeitig zu einer Art ‚Lähmung‘ der Flimmerhärchen, die den Schleim eigentlich abtransportieren sollten. Obendrein ist dieser Schleim auch noch besonders zäh und verklebt die Lungenbläschen und Bronchialverästelungen der Lunge. Die Folge: Atemluft kann zwar in die Lungenbläschen ein-, aber unter Umständen nicht wieder vollständig abströmen. Wallner: "Dies kann vor allem beim Aufstieg gefährlich werden: Das Risiko für einen Lungenriss bzw. ein Barotrauma ist bei Rauchern deutlich erhöht."

    Gas-Embolie durch Barotrauma

    Ertrinken, eine arterielle Gas-Embolie, akutes Herzversagen, Dekompressionskrankheit und Traumata sind die häufigsten Todesursachen beim Tauchen. 70 Prozent macht allein das Ertrinken aus. Die arterielle Gas-Embolie ist die zweithäufigste Ursache dieser tödlich verlaufenden Unfälle mit 14 Prozent. Die häufigste Ursache für eine Gasembolie ist das sogenannte Barotrauma der Lunge (= überdruckbedingte Lungenverletzung). Dies ist eine vor allem für die Phase des Auftauchens typische Verletzung. Da während des Auftauchens der Umgebungsdruck des Tauchers mit abnehmender Wassersäule ober ihm abnimmt, dehnt sich der Hohlraum beider Lungenflügel entsprechend aus.

    Erfolgt bei fortgesetzter Druckminderung kein Ausatmen (Notaufstieg), kann sich die Lunge soweit ausdehnen, dass – vereinfacht gesagt – Lungenbläschen platzen oder die elastische Lungenhülle (Pleura) reißt (Lungenriss). Bei solchen Lungenverletzungen können Luftblasen in den Blutkreislauf gelangen und dann zu Gefäßverschlüssen führen (Gas-Embolie). Tritt so ein Gefäßverschluss im Gehirn auf, spricht man von cerebraler Gas-Embolie, die Folgen sind die gleichen wie bei einem embolischen (durch Gefäßverschluss verursachten) Schlaganfall.

    Verdoppelung kompensieren

    "Bei einem Tauchgang bis auf zehn Meter Tiefe hat die Lunge bereits eine Verdoppelung des Luftdrucks zu kompensieren", so Wallner. Jede bestehende Schädigung des Organs steigere die Gefährdung durch ein Barotrauma stark. "So haben starke Raucher ein um fast 90 Prozent erhöhtes Risiko für das Auftreten einer schweren Dekompressionskrankheit im Vergleich zu Nichtrauchern", führte Wallner weiter aus. Das Rauchen lasse solche akuten und lebensgefährlichen Zwischenfälle deutlich schwerer verlaufen.

    Für alle, die das Rauchen nicht ganz lassen können oder wollen, gilt die Empfehlung möglichst zwölf Stunden, zumindest aber ein bis zwei Stunden vor dem Tauchgang nicht zu rauchen oder noch besser, wenn überhaupt, erst am Abend nach den Tauchgängen zur Zigarette zu greifen. (red, 11.10.2017)

    • Eine Verengung der Blutgefäße kann zu Problemen beim Auftauchen führen.
      foto: wikipedia/summitandbeach/(CC-Lizenz)

      Eine Verengung der Blutgefäße kann zu Problemen beim Auftauchen führen.

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