Pro & Kontra: Traumfänger

    Kolumne16. Oktober 2017, 14:50
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    Der Traum behält gegenüber dem Träumenden immer recht

    foto: gettyimages/istockphoto/kontrast-fotodesign

    Pro
    von Ronald Pohl

    Träume muss man nicht fangen, Träume kommen zu einem. Sie unterscheiden sich durch ihre anzügliche Machart von allen anderen Unterhaltungsprogrammen. Häufig geben einem Träume die eigenen Wünsche zu erkennen. Man kann Träume nicht ableugnen.

    Hat man im Traum mit der Nachbarin ein Pantscherl, obwohl man sie am helllichten Tag wegen irgendwelcher Makel kaum anschauen will, so hilft kein Jammern, Betteln, Zagen: Der Traum behält gegenüber dem Träumenden immer recht. Es hilft daher auch nicht, Träume ob ihres etwaigen diskriminierenden Inhalts zu verwerfen. Träume speisen sich häufig aus unschönen Quellen. Zudem scheint unklar, ob sie überhaupt in anständiger Farbqualität ausgestrahlt werden. Dolby Surround ist diesen ungebetenen Belangsendungen des Unbewussten ohnehin fremd. Die Befriedigung des verdrängten Triebwunsches macht laut Freud das Wesen der Traumarbeit aus. Der Autor dieser Zeilen bekennt, traumarbeitsunwillig zu sein. Er bittet daher eine nette Squaw um einen formschönen Traumfänger!

    Kontra
    Doris Priesching

    Beim Stichwort Traumfänger fallen mir spontan Waterloo und Robinson ein. Dieses heimische Popduo hatte in den 1970er-Jahren einigen Erfolg beim Publikum mit Nummern wie "Das war Hollywood von gestern" und "Das ist meine kleine Welt". Markenzeichen war ihr Aussehen, Robinson war ein kleiner Mann mit Jeanslook und Schnauzer, der andere, größere, schmückte sich gern mit Artefakten der nordamerikanischen Ureinwohner. Dass Bleichgesichter sich zwanghaft alles aneignen und daraus ein Geschäft machen müssen, geht mir seither schwer gegen den Strich.

    Davon abgesehen: Meine Träume gehören mir! Unlängst träumte mir, wie eine liebe Freundin mit ihrem Hund spazieren ging, ich hinterher. Als die beiden unter einem Verschlag rasteten, löste sich von oben ein Brett und donnerte auf die Köpfe von Freundin und Hund. Mich dürfte der Unfall nicht sehr aufgeregt haben, denn wie mir am nächsten Morgen zugetragen wurde, kommentierte ich den Unfall mit einem wenig einfühlsamen "na prack", gefolgt von kindischem Gekicher. Und das will man mir nehmen? Niemals! (RONDO, 17.10.2017)

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