Neue Tarifverträge bei Lufthansa

10. Oktober 2017, 18:19
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Es sollen mehr als 700 Nachwuchsflugzeugführer eingestellt und mindestens 600 Kapitänsstellen besetzt werden

Frankfurt/Wien – Die Lufthansa und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) haben am Dienstag Verträge zu allen offenen Themen unterzeichnet. Die Einigung steht unter dem Vorbehalt der erfolgreichen Urabstimmung der Gewerkschaftsmitglieder.

Unter anderem wurden neue Vergütungs- und Manteltarifverträge sowie Verträge bezüglich der Alters- und Übergangsversorgung mit einer Laufzeit bis mindestens Juni 2022 geschlossen. Damit haben die Sozialpartner einen langfristigen Tariffrieden erreicht. Mit den neuen Verträgen entstehe eine strukturelle Gesamtkostenersparnis bei den Personalkosten im Cockpit um 15 Prozent. Gleichzeitig können durch die Einigung wieder Nachwuchsflugzeugführer bei der Konzernmutter Lufthansa eingestellt werden. In den vergangenen Jahren hat die Lufthansa aufgrund der geltenden hohen Gehälter bei der Lufthansa neues Personal nur bei den Töchtern eingestellt.

Alters- und Übergangsversorgung

Die Altersversorgung wird von einem System garantierter Auszahlungen (Defined Benefit) auf ein System garantierter Beiträge (Defined Contribution) umgestellt, wie es bereits für Boden- und Kabinenmitarbeiter vereinbart wurde. Durch diese Umstellung sinken die Pensionsverbindlichkeiten um einen hohen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag, während sich das Ebit 2017 um einen signifikanten dreistelligen Millionen-Euro-Betrag verbessert, teilte die Lufthansa mit.

Die Cockpit-Mitarbeiter können auch in Zukunft das Niveau der bisherigen Altersbezüge erreichen und zudem freiwillige Eigenbeiträge einbringen. Das heutige Übergangsversorgungssystem wird grundsätzlich beibehalten. Allerdings wird das zu erreichende kollektive durchschnittliche Ausscheidealter der Piloten von Lufthansa bis 2021 stufenweise auf 60 Jahre erhöht. Für Lufthansa Cargo und Germanwings gilt dieses Ausscheidealter schon heute. Pilotinnen und Piloten werden auch künftig gegen dauerhafte Flugdienstuntauglichkeit geschützt sein.

Zukunfts- und Karriereperspektiven

Durch die Zusage, zum Jahresende 2022 mindestens 325 Flugzeuge mit Piloten der Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings zu betreiben, werden weitreichende Zukunfts- und Karriereperspektiven geschaffen, so die Airline. Es sollen mehr als 700 Nachwuchsflugzeugführer eingestellt und mindestens 600 Kapitänsstellen besetzt werden.

Pilotinnen und Piloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings erhalten zeitlich gestaffelte Gehaltserhöhungen von insgesamt 10,3 Prozent und eine Einmalzahlung von bis zu 1,8 Monatsgehältern für eine Laufzeit von Mai 2012 bis Juni 2022.

Die Einstiegs- und möglichen Endvergütungen für zukünftige Mitarbeiter orientieren sich am heutigen Niveau. Die Vergütungsstrukturen von heutigen Mitarbeitern bleiben unverändert. Eine moderatere Steigerungslogik schaffe aber zudem Kostenentlastungen. Außerdem wurden weitere Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung vereinbart.

Vor mehr als einem halben Jahr hatten die Parteien einen vorläufigen Schlussstrich unter den mit 14 Streikwellen härtesten Tarifkonflikt in der Geschichte der Lufthansa gezogen. Den im März veröffentlichten Eckpunkten zufolge sollen die rund 5.400 nach Konzerntarif bezahlten Piloten im Schnitt zwei Jahre später in den Vorruhestand wechseln und selbst das Zinsrisiko bei ihrer Betriebsrente tragen. Zudem wurden Gehaltssteigerungen bis zum Jahr 2022 und Neueinstellungen vereinbart.

Der Konzerntarifvertrag gilt für die Kerngesellschaft Lufthansa, die Lufthansa Cargo sowie einige Altpiloten der Germanwings. Sie sind bessergestellt als die Flugzeugführer bei anderen Gesellschaften des Lufthansa-Konzerns wie Eurowings oder Austrian Airlines, für die andere Tarifverträge gelten. (cr, 10.10.2017)

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