Dobrindt: Air-Berlin-Entscheidung vielleicht noch diese Woche

10. Oktober 2017, 15:30
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Die insolvente Fluggesellschaft verhandelt noch bis Donnerstag exklusiv mit Lufthansa und Easyjet über Teilübernahmen

Berlin/Schwechat – Deutschlands Verkehrsminister Alexander Dobrindt rechnet mit einer baldigen Entscheidung über die Zukunft von Air Berlin. "Wir gehen davon aus, dass in dieser oder in nächster Woche die Gespräche abgeschlossen werden", sagte er am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Die insolvente Fluggesellschaft verhandelt noch bis Donnerstag exklusiv mit Lufthansa und dem britischen Billigflieger Easyjet über den Verkauf von Teilen des Konzerns. "Es ist durchaus eine gute Chance, dass der Geschäftsbetrieb unter neuen Eigentümern zukünftig auch zum Großteil weiter bedient wird", sagte Dobrindt.

Air Berlin hatte am Montag angekündigt, dass der Flugverkehr in eigener Regie mit dem Airline-Code AB spätestens zum 28. Oktober eingestellt werde. Denn nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens muss der Konzern Geld sparen. Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann und der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus schrieben in einem Mitarbeiter-Brief, nach Abschluss der Kaufverträge müsse Air Berlin "die eigene Geschäftstätigkeit Zug um Zug beenden".

Poker mit Easy Jet

Zuletzt gab es jedoch Medienberichte, dass die Verhandlungen mit Easyjet über den Kauf von 27 bis 30 Flugzeugen scheitern könnten. Zudem hätten die Briten ihr ursprüngliches Angebot von rund 50 Mio. Euro gesenkt. Ein Insider betonte: "Easyjet pokert, das ist doch ganz normal."

Dobrindt sagte zu den Gesprächen: "Ich weiß, dass über die Teile, über die verhandelt wird, zur Zeit mit mehreren Partnern gesprochen wird." Zuvor hatte Reuters von dem Insider erfahren, dass es auch Gespräche mit der Thomas Cook-Tochter Condor gebe.

Unterdessen kommt die Auffanglösung für viele der 8.000 Air-Berlin-Beschäftigten, die wohl ihren Job verlieren, kaum voran. Denn die nötige Transfergesellschaft braucht Geld, das die insolvente Firma nicht zahlen kann. "Auch die Berliner Politik findet die Idee ganz klasse, aber sie wollen nicht die einzigen sein, die finanzieren", sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi zu Reuters TV. Hier seien auch Lufthansa und Easyjet gefragt. "Es kann nicht sein, dass die sich ein großes Stück vom Kuchen abschneiden, aber nicht die Verantwortung für die Beschäftigten übernehmen."

Am Air-Berlin-Sitz in der Hauptstadt gab es eine Job-Messe, wo sich mehrere Arbeitnehmer – darunter die Deutsche Bahn, BASF und der Online-Händler Zalando – den Beschäftigten präsentierten. (APA/Reuters, 10.10.2017)

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