Art-Forum am Judenplatz muss schließen

    10. Oktober 2017, 15:31
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    Die kleine Galerie stellt seit 2006 Werke des Auschwitz-Überlebenden Adolf Frankl aus. Jetzt kann sie sich die Miete nicht mehr leisten

    Wien – Den meisten Überlebenden der NS-Vernichtungslager war es nach 1945 kaum möglich, das Erlebte zu verarbeiten. Auch der Künstler Adolf Frankl litt bis zu seinem Tod an schweren Angstzuständen. Therapiert hat er dies in expressionistischen Gemälden und Zeichnungen, in denen er das Grauen festhielt und für die Nachwelt dokumentieren wollte.

    Frankl wurde 1903 in Bratislava geboren und arbeitete unter anderem als Karikaturist. 1944 wurde er nach Auschwitz deportiert. Nach der Befreiung wurde er mit seiner Familie in Wien ansässig. Bis zu seinem Tod im Jahr 1983 schuf Frankl über 250 Gemälde und hunderte Zeichnungen. Der Nachlass wurde von seinem Sohn Thomas Frankl verwahrt und gezeigt.

    2006 konnte die Familie am Wiener Judenplatz, direkt gegenüber dem Holocaustmahnmal, eine kleine Galerie anmieten und richtete das Art-Forum am Judenplatz ein. "Auch als lebendige, offenere Gedächtnisstätte gegenüber dem doch sehr stummen Mahnmal", so Thomas Frankl. Finanziert wurde die Galerie, in der wechselnd bis zu 40 Werke Platz finden, aus einer Erbschaft.

    Appell an Politik und Kulturszene

    Nun wurde bekanntgemacht, dass man Ende des Monats aus finanziellen Gründen schließen muss. In einer Pressekonferenz appellierten Frankl und Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg an die Kulturpolitik in Stadt und Bund sowie interessierte andere Museen, an einer Lösung zu arbeiten, um die Werke weiter zeigen zu können. "Es gäbe viele Möglichkeiten, wir wollen nur nicht, dass die Bilder im Keller landen", so Frankl. Zuletzt sei man mit Ex-Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) diesbezüglich im Gespräch gewesen.

    Im Art-Forum am Judenplatz habe man seit 2006 geschätzt über 70.000 Besucher gehabt, darunter viele Schulklassen. 2016 wurden die eindringlichen Bilder, die regelmäßig international verliehen werden, unter dem Titel Adolf Frankl – Kunst gegen das Vergessen im NS-Dokumentationszentrum München gezeigt. (Stefan Weiss, 10.10.2017)

    • Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg und Thomas Frankl mit einer überlieferten Aussage seines Vaters.
      foto: harald stockinger

      Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg und Thomas Frankl mit einer überlieferten Aussage seines Vaters.

    • Adolf Frankls Malerei orientierte sich stilistisch am Wiener Expressionismus: "Tätowierung" (1955).
      foto: art-forum judenplatz

      Adolf Frankls Malerei orientierte sich stilistisch am Wiener Expressionismus: "Tätowierung" (1955).

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