Forscher: CO2-Menge in Kohle groß genug, um Klima zu kippen

14. Oktober 2017, 14:30
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"Es ist schon eine Ironie, dass die Entstehung der Kohle, die heute ein wichtiger Faktor für gefährliche Erderwärmung ist, früher einmal fast zur globalen Vereisung geführt hat"

Potsdam – Aus einer intensiven Untersuchung zur Entstehung der Kohlevorkommen auf der Erde hat das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) eine eindringliche Warnung vor der Nutzung von Kohle als Energieträger abgeleitet. Die Forscher weisen darauf hin, dass der Einschluss gewaltiger Mengen von CO2 bei der Kohlebildung einst das Weltklima drastisch verändert hat. Bei Freisetzung durch Kohleverbrennung droht das Gleiche unter umgekehrtem Vorzeichen.

"Enorme Dimension"

Die heutigen Steinkohlevorräte bildeten sich vor rund 300 Millionen Jahren aus abgestorbenen Pflanzenteilen. Durch das Absterben der großen Wälder am Übergang vom Karbon- zum Perm-Zeitalter sei das Kohlendioxid, das die Pflanzen aufgenommen hatten, unter der Erde eingeschlossen worden. Und das hatte laut der im Fachblatt "Proceedings of the US Academy of Sciences" veröffentlichten Studie drastische Folgen: Die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre sei so stark gesunken, dass die Erde an den Rand einer vollständigen Vereisung gebracht wurde.

"Es ist schon eine Ironie, dass die Entstehung der Kohle, die heute ein wichtiger Faktor für gefährliche Erderwärmung ist, früher einmal fast zur globalen Vereisung geführt hat", schreibt PIK-Forscher Georg Feulner. Dies veranschauliche zugleich "die enorme Dimension" des Einflusses der Kohle auf das Klima.

Die in der Erde eingeschlossene Menge an CO2 sei damals "groß genug gewesen, um unser Klima aus der Balance zu bringen", hob Feulner hervor. Wenn dieses Kohlendioxid heute durch das Verbrennen von Kohle freigesetzt werde, destabilisiere dies die Erde erneut.

Berechnungen

Für die Studie hatten Feulner und seine Kollegen zahlreiche Computersimulationen zu den klimatischen Veränderungen von damals ausgewertet. Einige Temperaturveränderungen können demnach eindeutig auf die Neigung der Erdachse und die Umlaufbahn der Erde um die Sonne zurückgeführt werden. Aber auch die CO2-Konzentration hatte der Studie zufolge einen grundlegenden Einfluss auf die globalen Temperaturen.

Laut Schätzungen auf Grundlage der Untersuchung von Bodenproben und Fossilien schwankte der CO2-Gehalt in der Atmosphäre stark und sank auf bis zu rund hundert ppm (parts per million) oder sogar darunter. Bei einem Gehalt von unter 40 ppm würde die Erde Modellrechnungen zufolge zu einer "Eiskugel", erklärten die PIK-Forscher. Heute liegt der CO2-Gehalt demnach bei mehr als 400 ppm.

Kohlendioxid und andere Treibhausgase behindern in der Erdatmosphäre die Abstrahlung der Sonnenwärme, so dass die Temperaturen auf der Erde steigen. Feulner rief daher zum Handeln auf: Der CO2-Gehalt in der Erdatmosphäre müsse auf unter 450 ppm begrenzt bleiben und besser noch deutlich niedriger, "um unser Klima stabil zu halten", mahnte der Wissenschafter. (APA, red, 14. 10. 2017)

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