"Unregelmäßigkeiten": Facebook erkennt Kurz 10.000 Fans ab

    10. Oktober 2017, 09:37
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    Schuld soll nicht bei ÖVP liegen, sondern Fehler von Facebook gewesen sein

    Die Facebook-Seite von Sebastian Kurz konnte an einem einzigen Tag im September um rund zehntausend Fans wachsen. Diese Fans wurden von Facebook nun wieder entfernt. Das soziale Netzwerk gab auf Anfrage des STANDARD bekannt, dass man "regelmäßig die Authentizität von Aktivitäten auf Facebook überprüft und dabei auf der Seite von Sebastian Kurz Unregelmäßigkeiten festgestellt" habe. Eine Sprecherin des Konzerns entschuldigte sich für die "entstandenen Unannehmlichkeiten". Die ÖVP soll keine Schuld an den über zehntausend nun aberkannten Likes haben.

    In den vergangenen Tagen hatten sich Meldungen von Nutzern gemehrt, die als Kurz-Fans geführt werden – und bestreiten, die Seite jemals aktiv gelikt zu haben. Das soll aber ein anderer Sachverhalt als jener der aberkannten Likes sein, sagten Facebook-Mitarbeiter, die über die Prüfung der Causa informiert sind.

    Die Meldungen hatten im Netz zu Spekulationen geführt, dass die Anhängerschaft des ÖVP-Spitzenkandidaten auf Facebook durch Tricks vergrößert worden ist. Dem STANDARD sind mehr als 50 User bekannt, die nach eigenen Angaben ohne ihr Wissen als Kurz-Fans geführt werden. Puls 4 nennt etwa den Politikwissenschafter Thomas Schmidinger, der ein aktives Like für Kurz dementiert.

    ÖVP: "Leider keine Erklärung dafür"

    Die ÖVP bestreitet, Fans ohne ihr Wissen hinzugefügt zu haben. "Leider haben wir keine Erklärung dafür, wie es dazu kommen konnte", heißt es auf Anfrage des STANDARD. Dass derartige Fälle aufgetreten seien, "tut uns sehr leid", so die ÖVP.

    Sie dementiert, dass die Kurz-Seite etwa mit einer anderen Facebook-Page verschmolzen und dadurch deren Likes übernommen wurden. Tatsächlich gelten für sogenannte "Merges" strenge Regeln. So müssen die beiden Seiten inhaltlich übereinstimmen, außerdem müssen beide denselben Admin haben. Die Nutzer werden außerdem über eine Verschmelzung benachrichtigt.

    Berechtigungen

    Es gab auch schon Berichte darüber, dass einzelne Apps Berechtigungen für das Liken von Facebook-Seiten einholen, wenn sich User etwa über das soziale Netzwerk in der App einloggen. Mimikama hat darüber berichtet. Noch gibt es allerdings keine Hinweise darauf, dass das bei der Fanseite von Sebastian Kurz passiert ist.

    Auf dem sozialen Netzwerk herrscht seit einigen Monaten ein "Like"-Wettlauf zwischen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und ÖVP-Obmann Sebastian Kurz. Letzterer hatte Strache, der seit Jahren die meisten Likes hatte, kurzfristig sogar überholt. (fsc, 10.10.2017)

    Update (14:30)

    Der Artikel wurde mit dem neuen Statement von Facebook ergänzt.

    Links

    Puls 4

    Mimikama

    • Sebastian Kurz hat auf Facebook Fans, die davon nichts wissen wollen
      foto: apa/punz

      Sebastian Kurz hat auf Facebook Fans, die davon nichts wissen wollen

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