"Tatort: Hardcore" mit einem Mord im Pornomilieu: Top oder Flop?

    Ansichtssache8. Oktober 2017, 19:15
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    Eine junge Frau wird ermordet, die Spur führt Batic und Leitmayr in die Pornobranche

    Die junge Marie Wagner wird halbnackt und erdrosselt in einem Geschäftsgebäude in der Münchner Innenstadt aufgefunden, in dessen Räumen im obersten Stockwerk am Abend zuvor die Dreharbeiten eines Hardcore-Pornofilms stattgefunden haben. Marie war unter dem Pseudonym Luna Pink die Hauptdarstellerin der Produktion. Rasch treffen Batic und Leitmayr auf die beiden konkurrierenden Pornoproduzenten Olli Hauer und Sam Jordan, die beide mit Luna Pink gearbeitet haben und gleichermaßen ums berufliche Überleben kämpfen.

    foto: orf/br/hagen keller

    Irgendwie ergeben sich in diesem "Tatort" die Dinge wie von selbst, schreibt Michael Pekler im STANDARD: "Das beschlagnahmte Material führt zu einem Laiendarsteller mit Lucha-Libre-Maske am Set zu viel und zu zwei konkurrierenden Pornoproduzenten unterschiedlicher Generation. Dass die dritte und älteste schon als Großvater im Siechbett am Tropf hängt, ist zwar kein schönes, aber stimmiges Bild für die bayerischen Liebesgrüße aus der Lederhose."

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    foto: orf/br/hagen keller

    Kirstin Lopau hat auf zeit.de gelernt, "dass es Frauen geben soll, die am Dreh von Gang-Bang-Pornos Freude haben. Außerdem lernen wir, dass Männer unter Perlonstrümpfen beim Koitus sehr seltsam aussehen (tolle Textzeile in der Musik dabei: Let me breath again). Wir lernen, dass der Ivo ein Problem mit Pornos hat, dass der Franz schon gute Pornos gesehen hat (und überhaupt, dass Pornos in Deutschland sehr verbreitet sind). Wir ahnen, dass der Semmler nach eigener Aussage von der Natur überdurchschnittlich gut bestückt wurde (Bürotalk?!). Was bitte alle Männer aus diesem 'Tatort' lernen, ist, dass sie unbedingt beim Geschlechtsakt die Socken ausziehen, ob nun bei der Gang-Bang-Party, beim Pornodreh oder zu Hause mit der Liebsten."

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    foto: orf/br/hagen keller

    "Überhaupt ist 'Hardcore', abgesehen von einem obligatorischen Blick auf den Marienplatz, ein entschieden unglamouröser, handlungstechnisch doch auch ein wenig matter 'Tatort'", urteilt Sylvia Staude in der "Frankfurter Rundschau". "Einen jedoch plausibel trostlosen Eindruck macht die Pornofilm-Szene. Fast möchte man sie spießig nennen, wie sie da im Wohnzimmer Verruchtheit spielt und vor Freude schier ausflippt, wenn mal ein Club-Interieur mit roter Ledercouch zur Verfügung steht. Die Nebendarsteller reden in der Pause über alles, nur nicht ihre Arbeit, die Hauptdarstellerinnen geben auch mal zu, dass dieser Job 'die beste Art ist, sich Sex abzugewöhnen'."

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    foto: orf/br/hagen keller

    "Am Anfang, wenn man der Orgie zuschaut, die dem Mord vorausgeht, singt jemand Henry Purcells Frost-Arie 'What power art thou', das wüste Ende begleitet Dietrich Fischer-Dieskau mit Beethovens Lied 'An die ferne Geliebte'", schreibt Barbara Möller auf welt.de. "Die Reinheit schafft Distanz. Das ist ein ziemlich intelligenter Kunstgriff."

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