Umdasch baut am Haus aus dem Drucker

7. Oktober 2017, 09:00
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3D-Baudruck mit Beton wird die Branche neu aufmischen, ist man in der Umdasch-Gruppe überzeugt und hat mit Doka Ventures einen eigenen Geschäftsteil dafür aufgestellt

Wien – Potenziell disruptiv, global einsetzbar und ein Game-Changer sollen sie sein – die Ansprüche von Werner Bittner sind klar umrissen, wenn er von Erzeugnissen möglicher Partnerunternehmen spricht. Er ist nämlich in gewissem Sinn Wagniskapitalgeber. Allerdings nicht für einen darauf spezialisierten Venture-Fonds, sondern für die niederösterreichische Umdasch-Gruppe als Manager der im Vorjahr gegründeten Tochter Doka Ventures.

Womit sich für Bittner auch die Branchenauswahl einschränkt, die Industrialisierung von Bauprozessen ist das erklärte Ziel. In der gesamten Produktionsindustrie sind laut Bittner nur zwölf Prozent der Prozesse nicht wertschöpfend, beim Bau jedoch 57 Prozent – ein "riesiges Verbesserungspotenzial". Zudem sollen Investitionen im Dunstkreis der Schwestergesellschaft Doka (Verschalungen) stattfinden. "Wir würden nie etwas machen, wenn wir meinen, das passt nicht in die Umdasch-Gruppe", sagt Bittner.

Beteiligung an US-Unternehmen

Gut gepasst hat es ihm zufolge bei der in Los Angeles ansässigen Contour Crafting Corporation (CCC), an der Doka Ventures seit Mai mit 30 Prozent beteiligt ist. Das Unternehmen beschäftigt sich gewissermaßen mit 3D-Druck im großen Stil, nämlich als Erzeuger von mobilen 3D-Baudruckrobotern. Hinter CCC steht Behrokh Khoshnevis, Professor an der University of Southern California und Erfinder dieser Technologie. Er verfügt über mehr als 70 weltweite Patente, unter anderem aus den Bereichen Automatisierung, Robotik und Fabrikationstechnologien. "Da wollten wir dabei sein", sagt Bittner, denn: "3D-Baudruck geht erheblich schneller."

Der Druckroboter, von dem vor sieben Jahren der erste Prototyp erstellt wurde, wiegt weniger als 400 Kilo und soll binnen einer Stunde in Betrieb gehen können. Für 2018 ist die erste Auslieferung geplant. "Wir sind die Einzigen, die tatsächlich mit Beton drucken können, also mit Schotter größer als vier Millimeter Durchmesser", hebt Bittner hervor. Bei der Konkurrenz gehe das nur mit Mörtel.

Darüber hinaus beschäftigt sich CCC laut Bittner mit Metalldruck und Weltraumtechnik, verfügt also auch über andere Umsatzkanäle abseits des 3D-Baudrucks.

Zukunftsthema: Abbau von Gebäuden

Das Vorjahr habe das US-Unternehmen profitabel abgeschlossen, für heuer wird eine schwarze Null angepeilt. Langfristig rechnet Bittner mit erheblicher Nachfrage, da die Kombination der Trends Demografie im Sinn von Zunahme der Weltbevölkerung und Urbanisierung "Druck auf den Bau ausüben wird". Derzeit leben 52 Prozent der Menschen weltweit in Städten, bis 2050 soll der Anteil laut Bittner auf 72 Prozent ansteigen und für zunehmenden Bedarf an Wohnraum und Infrastruktur sorgen. "Urbanisierung heißt aber auch Landflucht", ergänzt Bittner – womit auch der Abbau von Gebäuden zum Zukunftsthema wird.

Generell stehen für Beteiligungen bei Doka Ventures laut Bittner reife Start-ups oder junge Unternehmen im Fokus, also wo eine gewisse Substanz vorhanden sei, die über bloße Ideen hinausgeht. "Wir sind kein reiner Venturer", sagt er. "Wenn wir wo einsteigen, sind wir gekommen, um zu bleiben." Wenn man globalen Erfolg erzielen will, muss man aus Bittners Sicht "dauerhaft dranbleiben".

Doka Ventures befindet sich derzeit in der Investitionsphase – mit der Idee, dass sich das Unternehmen nach einiger Zeit selbst finanziert, etwa über Dividenden und Ausschüttungen oder den Verkauf von Spin-offs. Das sei ein Geschäftsmodell, das für Risikokapitalgeber weltweit gelte und daher auch für Doka Ventureres. (Alexander Hahn, 7.10.2017)

  • Mit einem Betondrucker will Doka Ventures den Bau umkrempeln.
    foto: contour crafting corporation

    Mit einem Betondrucker will Doka Ventures den Bau umkrempeln.

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