T-Systems-Boss: "Ich wollte immer in die IT"

    Gespräch10. Oktober 2017, 09:55
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    Bodenständig, teilweise auch risikoavers. Aber er wollte immer in die IT. So beschreibt sich der heutige T-Systems-Geschäftsführer Franz Grohs

    "Schon als Maturant habe ich gesagt: Ich mache was mit IT, mit Informationstechnologie. Obwohl es damals überhaupt nicht absehbar war, in welche Richtung sich das entwickelt. Das ist schließlich schon ein Weilchen her, und damals stand die Branche gerade am Anfang. Aber da herrschte eine enorme Aufbruchsstimmung. Es war eine moderne Branche und auch ein Hype, und das hat mich fasziniert.

    Ich bin dann zur Wirtschaftsuni gegangen und habe mich für das Institut für Statistik inskribiert. Weil das waren die Einzigen, die IT im Angebot hatten. Bei IBM wurde ich im Sommer Ferialpraktikant und hatte da mein erstes Projekt, das natürlich nicht fertig geworden ist. So habe ich bei IBM während des Studiums auf Werkvertragsbasis weitergearbeitet.

    Zukunftsbranche

    Mit 18 hatte ich wenig konkrete Vorstellungen über meine berufliche Zukunft. Technik interessierte mich, und eine Zukunftsbranche zu wählen, das war mir wichtig. Da kann eigentlich nichts schiefgehen, da eröffnet sich immer etwas. Im Wesentlichen ist das heute genauso. Die dynamische Entwicklung in der Branche ist nicht abgeschlossen, wird wohl nie abgeschlossen sein. Die Entwicklung, die die IT weiter nehmen wird, ist nicht absehbar, die Möglichkeiten, die die Zukunft damit bringt, auch nicht.

    Natürlich heißt es, dass die Digitalisierung und das Internet der Dinge Jobkiller sein werden. Ja, das ist möglich. Diese Entwicklungen werden aber im Bereich der Informationstechnologie, eigentlich der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), die Jobs nicht verschwinden lassen. Da entstehen neue Arbeitsplätze, die für den Einzelnen und für die Gesellschaft mehr bringen als die alten Industriearbeitsplätze, die vielleicht wegfallen werden.

    Sich nicht stoppen lassen

    Deshalb ist die Start-up-Szene auch so wichtig. Die jungen Leute haben die Ideen und lassen sich nicht aufhalten. Das war schon bei Thomas Edison so. Die Erfindung der Glühbirne war epochal, obwohl es zum Zeitpunkt der Erfindung gar keine Elektrizitätswerke gab.

    Ich war bei meinen beruflichen Entscheidungen immer eher bodenständig, teilweise sogar risikoavers. Aber offen für Neues. Das bedeutet, dass man auf einer soliden Basis stehen soll, aber auch mal einen Karrierebruch zulassen muss. Ich habe in meiner Karriere mehrere gehabt. Zum Beispiel als ich bei IBM Österreich Jobverantwortung für 500 Mitarbeiter hatte. Dann kam der Fall der Mauer, und es hat mich nach Osteuropa gezogen. Ich bin mit nur einem Mitarbeiter dorthin gegangen. Da haben manche gesagt, warum macht er das, der hat ja einen Vogel. Aber nach einer gewissen Zeit hatte ich die Verantwortung für 1200 Mitarbeiter.

    Ich denke, das war ein wesentlicher Drehpunkt meines Erfolges. Weil ich immer bereit war, einen Teil meiner Karriere hinter mir zu lassen, um ein neues Kapitel aufzuschlagen.

    Nach dem Osteuropa-Engagement habe ich IBM verlassen und bin zu einem deutschen Unternehmen gegangen, zu Debis Systemhaus, das damals Daimler gehörte und eine Vorgängerfirma von T-Systems ist.

    Aufgabe statt Geld

    Wenn man mir die Frage stellt: Geld oder Aufgabe, wähle ich immer die Aufgabe, weil das Geld kommt mit dem Erfolg. Ich habe für mich die Theorie, dass ich Arbeitszyklen von ca. fünf Jahren brauche, dann kommt immer ein größerer oder kleinerer Einschnitt. Fünf Jahre, weil die ersten eineinhalb sind eine Anlaufzeit, dann folgt die Zeit – zwei, drei Jahre -, in der man hochproduktiv ist und den Job im kleinen Finger hat, und dann wird man saturiert, und man muss aufpassen, dass man sich nicht zurücklehnt. Dann, denke ich, muss man überlegen, was man neu machen kann. Große Konzerne bieten da natürlich viele Möglichkeiten, man kann innerhalb immer wieder neue Aufgaben übernehmen.

    Heute ist es so, dass die Industriebetriebe in Europa vor der Herausforderungen stehen, dass sie den Rohstoffen und den Absatzmärkten folgen müssen. Für uns als Systemhaus bedeutet dies, dass wir uns überlegen, wie wir unsere internationalen Kunden am besten begleiten und unterstützen können. Denn die wollen mit ihren Partnern neue Märkte aufbauen. Deshalb orientieren wir uns auch daran, wohin es unsere Kunden treibt. Unsere Kunden können sich darauf verlassen, dass wir mit ihnen mitgehen und bei deren Expansion in neue Geografien mitziehen.

    Erst kürzlich hat ein steirisches Spitzenunternehmen ein großes Werk in Singapur gekauft, und da gehen wir jetzt mit. Die Kunden müssen sich auf uns verlassen können, und natürlich eröffnen sich für unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gleichzeitig attraktive Möglichkeiten, wie dass sie für eine Zeitlang dorthin übersiedeln können. Dies kann für viele Karrieren ein neues Kapitel darstellen." (Protokoll: Johanna Ruzicke, 9.10.2017)

    • T-Systems-Boss Franz Grohs: Klare Richtung in die IT – mit kleinen Umwegen.
      foto: richard tanzer

      T-Systems-Boss Franz Grohs: Klare Richtung in die IT – mit kleinen Umwegen.

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