Spanien im Schatten der Krise, Italien gegen "Apokalypse"

5. Oktober 2017, 15:41
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Pique im Mittelpunkt bei vermeintlich zerrüttelten Spaniern– Medien berichteten vor Albanien-Spiel von tiefen Gräben im Team – Auch Verfolger Italien mit Sorgen

Alicante/Turin – Spanien hat das Ticket für die Fußball-WM 2018 in Russland praktisch in der Tasche. Doch bei "La Roja" herrscht alles andere als eine heile Welt. Defensivstar Gerard Pique hat viel Unruhe ins Team gebracht. Medien behaupten, dass es nach den Auseinandersetzungen um das umstrittene Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien im Kader gewaltig rumort.

Sorgen bereitet vor dem WM-Qualifikationsspiel am Freitag in Alicante gegen Albanien nicht der Gegner, sondern der "Feind in den eigenen Reihen", wie es ein TV-Kommentator formulierte. Pique, der sich mit den Separatisten in der Region Katalonien solidarisch erklärt hatte, war beim Training von Hunderten Fans beschimpft und ausgebuht worden.

Auf Ähnliches wird sich der Ehemann von Popstar Shakira auch im Spiel einstellen müssen. Die Affäre könnte die Mannschaft auch im Hinblick auf die WM belasten. "Seit ich im Nationalteam bin, ist es der schwierigste Augenblick. Ich glaube nicht, dass sich eine Lösung für den Pique-Fall wird finden lassen", meinte dessen FC-Barcelona-Kollege Sergio Busquets im Trainingsgelände in Las Rozas bei Madrid vor Journalisten.

Unruhe

Pique war in den Mittelpunkt gerückt, nachdem er sich einmal mehr vehement für die Unabhängigkeit Kataloniens ausgesprochen hatte. Am Wochenende hatte er ein Foto aus der Wahlkabine gepostet und geschrieben: "Gemeinsam sind wir nicht zu stoppen!" Das nahmen dem 30-Jährigen sehr viele Spanier übel. Beim öffentlichen Training am Montag wurde er von vielen Fans heftig beschimpft, Teamchef Julen Lopetegui brach die Einheit ab.

Der mit Popstar Shakira verheiratete Pique blieb nicht tatenlos und versuchte alles, um die Affäre beiseitezulegen. Bei einer spontan einberufenen Pressekonferenz am Mittwoch versicherte der Katalane: "Die Seleccion ist meine Familie." Er sei "stolz, für Spanien spielen zu dürfen." Mit dem Nationalteam war der Innenverteidiger 2010 Welt- und 2012 Europameister.

Die Unruhe war allerdings so groß, dass Lopetegui darauf hinweisen musste, dass ein wichtiges Spiel ansteht. "Vorsicht mit Albanien! Im Gegensatz zur Meinung vieler ist es kein leichter Gegner. Das Team hat sich ja für die vergangene EM-Endrunde qualifiziert", erinnerte der Coach. Dort scheiterten die Albaner aber wie Österreich in der Gruppenphase.

Italienische Angst

Mit 22 Punkten aus acht Spielen führen die Spanier die Quali-Gruppe G drei Punkte vor Italien an. Der Gruppensieg und das Ticket nach Russland scheinen sicher. Aus den Begegnungen gegen Albanien und am Montag in Israel werden nur vier Punkte benötigt. Dazu spricht das Torverhältnis gegenüber Italien, das in Turin zeitgleich Mazedonien empfängt, klar für Spanien.

Die Italiener müssen sich nach der 0:3-Niederlage Anfang September in Madrid auf eine Teilnahme am Play-off der Gruppenzweiten einstellen. Die WM zu verpassen wäre eine "Apokalypse", meinte Verbandspräsident Carlo Tavecchio. Teamchef Giampiero Ventura warnte zwar vor Übertreibungen, sprach aber selbst erst von einem "Drama", dann von einem "Desaster".

Noch ist es aber nicht so weit, die entscheidenden Spiele für Italien steigen erst Mitte November. Gegen Mazedonien und drei Tage später in Albanien soll neues Selbstvertrauen getankt werden, allerdings hat auch Ventura zahlreiche Absagen zu verkraften – unter anderem von seinem besten Scorer Andrea Belotti. Der Torino-Stürmer laboriert an einer Knieverletzung und scheint derzeit auch für November fraglich.

Enges Rennen

In der engsten Gruppe der Quali machen sich mit Tabellenführer Kroatien, Island, der Türkei und der Ukraine zwei Runden vor Schluss in Pool I noch vier Teams Hoffnungen auf das Direktticket zur Fußball-WM 2018 in Russland. Kroatien und Island halten bei je 16, die Türkei und die Ukraine bei jeweils 14 Punkten.

Eine besondere Bedeutung kommt am Freitag dem direkten Duell zwischen der Türkei und Island zu. Die Isländer hatten sich im Hinspiel zu Hause mit 2:0 durchgesetzt. Die Türken bauen in Eskisehir auf den Heimvorteil, müssen aber unter anderen auf den gesperrten AC-Milan-Star Hakan Calhanoglu verzichten. Die Kroaten empfangen zeitgleich Finnland, die Ukraine spielt auswärts gegen Kosovo.

Zum Abschluss kommt es in Kiew noch zum Schlager Ukraine gegen Kroatien. Sollten sich die Kontrahenten untereinander zu viele Punkte wegnehmen, läuft der Gruppenzweite auch Gefahr, das Play-off um die vier weiteren WM-Startplätze im November zu verpassen. In dieses gehen nur die acht besten Zweiten der insgesamt neun Gruppen. (APA, red, 5.10.2017)

  • Spanische Unruhe.
    foto: apa/afp/pierre-philippe marcou

    Spanische Unruhe.

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