Stefan Pierer: Spendabler Starunternehmer im Kreuzfeuer

    Kopf des Tages9. Oktober 2017, 13:16
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    Im Innviertel gilt er als Wunderwuzzi und großer Arbeitgeber. Die Steuermodelle des KTM-Chefs und ÖVP-Großspenders sorgen jedoch für Aufregung

    Gern gesehen ist es ja nicht, wenn der Chef eines Milliardenunternehmens wie KTM weniger Steuern zahlt als ein Arbeitnehmer, der monatlich 1.400 Euro netto verdient. Mit genau diesem Vorwurf vonseiten der SPÖ hat Stefan Pierer, seines Zeichens Vorstandschef des Motorradbauers KTM, gerade zu kämpfen. Auf der Abschleicherliste soll er ebenfalls eine prominente Position einnehmen. Dabei liegt Pierer nach eigenen Angaben die verantwortungsvolle Nutzung von Steuergeld am Herzen.

    Ende Juli meinte Pierer im Kurier, seine 436.563-Euro-Spende an Sebastian Kurz' neue ÖVP solle der Verschwendung öffentlicher Gelder entgegenwirken. Doch man muss Wien auch einmal Wien sein lassen. Im Innviertler Mattighofen gilt Pierer als Wunderwuzzi, edler Geschäftsmann und nicht zuletzt als größter Arbeitgeber der Region. Allein im ersten Halbjahr 2017 wurden 417 Mitarbeiter neu eingestellt, 401 davon in Österreich. Und das in Zeiten wie diesen.

    Rekord an Motorrädern

    Insgesamt zählt die KTM-Gruppe gut 5.400 Beschäftigte. 110.500 Motorräder wurden heuer von Jänner bis Juni verkauft – ein neuer Rekord. Ob der aktuell größte Geländemotorradhersteller der Welt heute da wäre, wo er ist, wäre nicht Anfang der 1990er-Jahre ein gewisser Herr Pierer in die Bresche gesprungen, darf bezweifelt werden. Die drei Buchstaben KTM, die Abkürzung für Kronreif – Trunkenpolz – Mattighofen, wurden damals kurzerhand umgedeutet zu "Keine Tausend Meter". Um 2,2 Millionen Euro kaufte Pierer dann 1994 die marode Quetschen Josef Taus ab. Das tat er im Rahmen seiner 1987 gegründeten Beteiligungsfirma Cross Industries.

    Finanzielle Sorgen muss sich der gebürtige Obersteirer nicht mehr machen, er zählt zu den hundert reichsten Österreichern. Übermäßig viel Geld für Sinnloses auszugeben käme dem Unternehmer aber nicht in den Sinn. Eine Flasche Wein um mehrere hundert Euro wird man im Hause Pierer nicht finden. Bei Kunst und Architektur kann Pierer hingegen schon einmal schwach werden.

    Seine überschaubaren Fenster an Freizeit versucht Pierer in Form von "Quality Time" mit der Familie in Wels zu verbringen. Der 60-Jährige ist Vater zweier Kinder, der erste Sohn kam bereits während Pierers Betriebs- und Energiewirtschaftsstudiums in Leoben zur Welt. Deshalb entschied er sich nach seinem Uni-Abschluss auch für Oberösterreich und gegen Australien. (Andreas Danzer, 9.10.2017)

    • Die SPÖ stellt die Steuermoral von KTM-Chef Stefan Pierer infrage.
      hendrich

      Die SPÖ stellt die Steuermoral von KTM-Chef Stefan Pierer infrage.

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