Was Partymachern den Spaß verdirbt

5. Oktober 2017, 15:00
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Jedes Bundesland hat für Events eigene Gesetze, Veranstalter fordern eine Harmonisierung. Ihre Warnung: Party machen lernt man nicht über Nacht

Wien – Zeltfeste, Hochzeiten, Bälle, Marathons, Clubbings, Firmenfeiern: 5000 Eventagenturen und Partymacher halten die Österreicher in Feierlaune. Geht's um Bürokratie, hört sich in der umtriebigen, jungen Branche, die sich gern als Software der Tourismuswirtschaft sieht, allerdings der Spaß auf. Spielverderber sind vor allem neun unterschiedliche Veranstaltungsgesetze, die Roadshows quer durchs Land einen teuren Strich durch die Rechnung machen.

Erik Kastner ist seit 25 Jahren im Geschäft, ein alter Hase also, wie er sagt. Der Grazer Hotelkaufmann machte sich mit der Opus Marketing GmbH selbstständig. Seit Oktober führt er die Eventbranche in der Wirtschaftskammer an und ist davon überzeugt, ihr so manchen Weg ebnen zu können – zumal gut organisierte Events ja eine Visitenkarte fürs ganze Land seien.

Zähe Anträge

Kastner drängt auf eine Harmonisierung der Gesetze. Allein zwischen Festen auf dem Wienerberg und in Vösendorf liegen seiner Erfahrung nach behördliche Welten, von Vorarlberg gar nicht zu reden. Er habe nichts gegen scharfe Gesetze, er sei auch weit davon entfernt, Erleichterungen zu fordern, betont der Eventmanager. "Was wir aber brauchen, ist Einheitlichkeit. Eine zentrale Stelle, ein Formular. Was wir mit Anträgen derzeit alles an Zeit vertun."

In Wien sind Veranstaltungen ab 200 Personen anzeigepflichtig; also bereits große Hochzeiten, zumindest in der Theorie. Niederösterreich pflegt keine Grenzen. Das Wiener Gesetz legt fest, was zulässig ist. Was nicht drin steht, ist nicht erlaubt. Niederösterreich jedoch praktiziert es umgekehrt.

Auf dem Land liege viel im Ermessen der Bürgermeister, sagt Gert Zaunbauer, Vizeobmann des Fachverbands der Sport- und Freizeitbetriebe, ohne den Begriff der Willkür strapazieren zu wollen. Ob es bei Festen um die Breite von Gängen geht oder die Entfernung der Sessel zur Bühne, ob um die Zufahrtstraßen, Notausgänge oder die ganz grundsätzliche Konzeption von Gesetzen – jedes Bundesland ticke anders. Bei der Harmonisierung wäre daher schon ein Teilerfolg großartig, findet Zaunbauer. Schließlich gebe es nur wenig punktuelle Veranstaltungen.

Freibrief für Vereine

Dorn im Auge sind Kastner die Vereinsveranstalter, die oft von all dem ausgenommen seien – auch was die steigenden Sicherheitsanforderungen betrifft. Vereine dürften sich zum Teil sogar selbst kontrollieren, ohne Ziviltechniker zurate zu ziehen. "Nach dem Motto: Es wird schon nichts passieren."

Tatsächlich aber sei in jüngster Zeit viel passiert, wie der Einsturz eines Festzelts in Sankt Johann am Walde mit zwei Toten und 120 Verletzten aufgrund einer Windböe. Vor den Kadi gezerrt werde dann gern der Letzte in der Kette, jener, der das Zelt verleihe.

Events auf die Beine stellen darf in Österreich jeder, der sich dazu bemüßigt fühlt und einen entsprechenden Gewerbeschein löst. Befähigung muss er keine nachweisen. Auch er habe sich mit zunehmender Praxis im Laufe seines Lebens alles selbst angeeignet, erinnert sich Kastner. "Aber heute ist das Umfeld ein völlig anderes."

Um Leib und Leben

Kommen Massen an Menschen zusammen, gehe es um Leib und Leben. "Dafür braucht es Profis." Professionelle Events seien nicht Eitel, Wonne und Grießschmarrn, sondern harte Arbeit. Wer glaubt, über Nacht zu lernen, wie man Party macht, sei fehl am Platz, sagt auch Zaunbauer. Er verwehrt sich scharf gegen Kurse, die versprechen, Neueinsteiger innerhalb eines Wochenendes das Rüstzeug für Veranstaltungen zu verschaffen. Um sich Wissen über Technik, Verwaltung, gesetzliche Auflagen und Sicherheitsbelange anzueignen, brauche es mindestens 300 Stunden, langfristig vielleicht sogar einen Lehrberuf, glaubt er und ließ das bestehende Ausbildungsangebot jüngst neu evaluieren: Bachelor- und Masterstudiengänge schnitten am besten ab.

500 Agenturen bespielen Österreichs Eventmarkt. Der Rest, nämlich 90 Prozent der Veranstalter, sind Einzelkämpfer. Sorgen, dass der Branche feierwillige Kunden entzogen werden, hat Kastner nicht. "Sich die Hände schütteln und in die Augen schauen" – das gehe beim besten Willen nicht digital. (Verena Kainrath, 5.10.2017)

  • Motto auf vielen Festln: Es wird schon nichts passieren.
    apa

    Motto auf vielen Festln: Es wird schon nichts passieren.

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