Der Eisbär als Ikone des Klimawandels hat ausgedient

    6. Oktober 2017, 14:10
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    Forscher untersuchen bildliche Darstellungen in der Kommunikation zum Klimawandel

    Salzburg – Der Eisbär, der auf einer schmelzenden Eisscholle sitzt, ist der Fotoklassiker, um Geschichten zum Thema Klimawandel zu illustrieren. Non Profit Organisationen (NGOs) wollten wissen, wie sie das Thema besser mit Bildern in den Köpfen der Menschen verankern können. Das war der Auslöser, warum Adam Corner, der Forschungsdirektor von Climate Outreach in Oxford, sich dieses Themas angenommen hat.

    Wie reduziert die Bilderauswahl zum Thema Klimawandel ist, zeigt sich bereits bei einer Google-Bilder-Suche: Eisbären, ausgetrocknete Erde, schmelzendes Eis, rauchende Schornsteine. "Man sieht sehr selten Menschen auf den Bildern, obwohl es ein Thema ist, das Menschen betrifft", sagte Corner bei seinem Vortrag anlässlich der Konferenz "K3 – Kongress zu Klimawandel, Kommunikation und Gesellschaft", die vom Wirtschaftsministerium, aber auch vom Klimafonds und der Uni Salzburg unterstützt wurde.

    Der Kommunikationswissenschafter Mike Schäfer vom Institut für Publizistik in Zürich kategorisiert vier Typen von Bildern, die für den Klimawandel typisch sind: Am häufigsten werden Bilder verwendet, die die Folgen des Klimawandels darstellen, wie bedrohte Tiere oder Landschaften. Oft verwendet werden ebenso Talking Heads, also Porträts von Politikern oder Prominenten, die etwas zum Klimawandel sagen. Am dritthäufigsten treten Grafiken oder Modelle auf. An letzter Stelle stehen Bilder, die Handlungsoptionen aufzeigen, was gegen den Klimawandel getan werden kann.

    Um die Bilder des Klimawandels abzutesten, hat Adam Corner Interviews mit Entscheidungsträgern geführt und Fokusgruppen, bestehend aus Mitarbeitern von NGOs, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Journalisten in London und Berlin, befragt. Die so entstandene Bildauswahl hat er 3000 Menschen aus drei Staaten (den USA, England und Deutschland) vorgelegt. Er befragte die Menschen, ob sie die Bilder verstehen, welche Gefühle sie auslösen und ob sie anregen, selbst etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen.

    Am Eisbären sattgesehen

    Aus den Ergebnissen dieser Studie hat Corner Empfehlungen für Kommunikatoren abgeleitet, um ansprechendere Bilder zu zeigen, die bei den Menschen auch eine Wirkung entfalten. Der Eisbär etwa sei mit dem Klimawandel identifiziert. "Er funktioniert als Ikone des Klimawandels", sagt Corner. Doch die Menschen hätten sich schon sattgesehen an ihm.

    Corner empfiehlt, reale Menschen zu zeigen, die authentisch etwas tun; neue Geschichten zu erzählen. Denn überraschende, ungewöhnliche oder auch komische Bilder werden länger angesehen. Die Gründe und Ursachen des Klimawandels ins Bild zu rücken funktioniere, wenn dieser als Massenphänomen dargestellt wird. Wenn etwa Einzelpersonen beim Autofahren gezeigt werden, würde dies eher als Anklage empfunden. Einen Stau bringen die Menschen jedoch mit dem Klimawandel in Verbindung.

    Klimafolgen gehen nahe

    Klimafolgen zu zeigen sei emotional stark. Am meisten Nähe würden lokale Klimafolgen, etwa Überschwemmungen an Orten, in denen die Menschen leben oder zu denen sie eine enge Beziehung haben, vermitteln. Vorsichtig sein sollte man mit Bildern von Demonstrationen oder Protesten. Die Menschen sind demgegenüber eher skeptisch und würden meist zynisch reagieren, erläuterte Adam Corner bei der Konferenz.

    Aufgrund seiner Ergebnisse hat Corner eine frei zugängliche Datenbank mit Bildern angelegt, die für Themen rund um den Klimawandel geeignet sind. Die Bilder enthalten auch Beschreibungen, warum sie funktionieren. Die Datenbank soll als Ressource für Kommunikatoren dienen. (Stefanie Ruep, 6.10.2017)

    • Am ikonischen Eisbären auf den schmelzenden Eisflächen haben sich die Menschen schon sattgesehen, meint Adam Corner vom Climate Outreach in Oxford.
      foto: ap/david goldman

      Am ikonischen Eisbären auf den schmelzenden Eisflächen haben sich die Menschen schon sattgesehen, meint Adam Corner vom Climate Outreach in Oxford.

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