Royal Navy: Mit voller Kraft ins Budgetloch

    17. Oktober 2017, 08:00
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    Die Briten freuen sich über zwei neue Flugzeugträger. Sowohl Geld als auch Personal dafür fehlen allerdings – gespart wird beim Rest der Flotte

    foto: royal navy/crown copyright
    Stürmische See: Neue Flugzeugträger bringen die Royal Navy (im Bild ein Zerstörer vom Typ-45) in finanzielle Bedrängnis.

    Prinz Charles hat wohl innerlich eine Träne vergossen, als seine Ehefrau Anfang September eine Flasche Laphroaig-Whisky zerschmetterte. Camilla, die Herzogin von Cornwall, taufte mit dem Hochprozentigen den zweiten Flugzeugträger der britischen Marine auf den Namen ihres Ehemanns, HMS Prince of Wales. Die Whisky-Marke gilt als eines seiner Lieblingsgetränke.

    the royal family channel
    Ein schottischer Single Malt war eines der ersten Opfer der britischen Modernisierungspläne: Herzogin Camilla taufte den Flugzeugträger HMS Prince of Wales mit einer Flasche Laphroaig.

    Die Trauer dürfte sich angesichts des Giganten, der getauft wurde, allerdings in Grenzen gehalten haben. 2019 wird das größte Schiff, das die Royal Navy je gebaut hat, mit Probefahrten beginnen. Die Daten des Flugzeugträgers sind eindrucksvoll: Mit 65.000 Tonnen wird die Prince of Wales 3.000 Tonnen mehr verdrängen als ihr Schwesterschiff, die HMS Queen Elizabeth, die sich mitten in Erprobungsfahrten befindet und im Jahr 2020 in Dienst gestellt werden soll. Von dem 70 Meter breiten und 280 Meter langen Deck der Prince of Wales sollen künftig bis zu 40 Flugzeuge und Hubschrauber starten und landen.

    Mit 6,2 Milliarden Pfund sind die beiden Flugzeugträger die größte Investition in die Modernisierung der Royal Navy seit Jahrzehnten. Der britische Boulevard jubelt. Die britische Marine, deren Flotte von Jahr zu Jahr schrumpft, scheint auf dem Weg nach oben zu sein. Der Schein trügt.

    Großes schwarzes Loch

    Noch hat die britische Marine mit 77 Schiffen eine der größten Flotten der Welt. Doch ein Gutteil der Flotte liegt im Hafen vor Anker. Der Grund dafür ist auch in den neuen Flugzeugträgern zu finden: Mindestens 679 Mann werden benötigt, damit das Schiff auslaufen kann, bis zu 1.600 Soldaten können insgesamt transportiert werden. Personal, das die Royal Navy nicht hat.

    foto: lphot dan rosenbaum/mod/crown copyright 2017
    Neuer Stolz der britischen Marine: das künftige Flaggschiff HMS Queen Elizabeth.

    Dass ein Teil einer Flotte im Hafen liegt, ist an sich nichts Ungewöhnliches: Normalerweise befindet sich rund ein Drittel einer Marine für Wartungsarbeiten, Nachrüstung und Training im Hafen. Britische Medien berichten jedoch, dass 13 der 19 Fregatten und Zerstörer der britischen Marine nicht in See stechen können.

    Das größte Personalproblem stellen derzeit Techniker dar, die aufgrund der immer komplexeren Systeme an Bord moderner Schiffe dringender benötigt werden denn je. Die Einschnitte des Jahres 2010, bei denen die Größe der Royal Navy um bis zu 4.000 Personen gekürzt wurde, haben dabei nicht unbedingt geholfen.

    Milliardenloch

    Die wenigen Schiffe, die noch unterwegs sind, steuern direkt auf ein großes Budgetloch zu. Denn im November sollen Pläne für ein neues Verteidigungsbudget vorgestellt werden, in dem neue, unliebsame Überraschungen auf die britische Marine warten. Der Grund dafür ist auch in einer Volksabstimmung zu finden: Seit dem Brexit-Entschied ist das britische Pfund zeitweise um mehr als zehn Prozent gegenüber dem US-Dollar gefallen.

    Das macht vor allem die im Ausland getätigten Käufe deutlich teurer. Und es trifft das Militär im Besonderen: So wird der neue Kampfjet F-35 von den USA produziert und von den Briten in US-Dollar bezahlt. Seit der Brexit-Entscheidung um einen deutlich höheren Kaufpreis – Geld, das das britische Verteidigungsministerium nicht hat. Schätzungen, wie groß das britische Budgetloch ist, gehen von einem Fehlbetrag von 20 bis 50 Milliarden Pfund in den nächsten zehn Jahren für alle Streitkräfte aus.

    Schiffe statt Training

    Die Misere ist aber auch hausgemacht. Alle modernen Streitkräfte stehen auf einem Dreibein aus Ausrüstung, Personal und Training. Die britische Marine hat sich in den letzten Jahren – Budgetprobleme hin oder her – vor allem für neue Ausrüstung starkgemacht. Die Royal Navy steuert auf eine Situation zu, in der sie moderne Ausrüstung und Schiffe hat, aber nicht das Geld, um damit zu trainieren und sie am Laufen zu halten.

    Nachdem man Milliarden für neue Zerstörer vom Typ-45 ausgegeben hat, fehlt am Ende das Geld für Besatzung und Treibstoff. Die HMS Dauntless, ein Zerstörer dieser Klasse, der mehr als eine Milliarde Pfund gekostet hat, wird gar nur mehr als Trainingsschiff verwendet.

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    Bild aus besseren Tagen: Die HMS Dauntless, ein eine Milliarde Pfund teurer Zerstörer, liegt dauerhaft im Hafen und wird für Trainingszwecke verwendet.

    Modernisierungspläne

    Die Admiralität hält der schlechten Stimmung Modernisierungspläne entgegen, die die Royal Navy angeblich noch schlagkräftiger machen sollen. 2017 wurde vom Verteidigungsministerium zum "Jahr der Royal Navy" erklärt. Und tatsächlich wirken die Modernisierungpläne der Marine auf den ersten Blick eindrucksvoll: Neue, hochmoderne Fregatten zur U-Boot-Bekämpfung (Typ 26) werden in den nächsten Jahren gebaut. Darüber hinaus soll es eine Strategie für den Bau neuer, leichter Fregatten (Typ 31) geben.

    Ob davon auch nur ein Bruchteil realisiert wird, ist jedoch zweifelhaft: Die ursprüngliche Zahl von 13 Anti-U-Boot-Fregatten wurde noch vor dem Bau aus Kostengründen auf acht reduziert (drei werden derzeit tatsächlich gebaut).

    Und auch die neue Schiffbaustrategie steht auf wackeligen Beinen: Die neuen Fregatten vom Typ 31 sollen laut Regierungsvorgaben nicht mehr als 250 Millionen Pfund pro Stück kosten. Unrealistisch, kosten doch vergleichbare Schiffe europäischer Schiffswerften ein Vielfaches.

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    Aus 13 wurden acht: die neuen Fregatten zur U-Boot-Bekämpfung vom Typ 26. Drei werden derzeit tatsächlich gebaut.

    Wie die BBC berichtet, sollen darüber hinaus die amphibischen Landungsschiffe HMS Albion und HMS Bulwark aus Spargründen stillgelegt werden. Ein Bericht, den das Verteidigungsministerium in London als "reine Spekulation" abtut – dementiert hat es ihn allerdings nicht. Die Stilllegung des dritten amphibischen Schiffes, der HMS Ocean, wurde bereits offiziell bekanntgegeben. Vorher wurde die "Mighty O", wie die HMS Ocean auch genannt wird, allerdings noch zur Katastrophenhilfe in die von Unwettern heimgesuchten karibischen Überseegebiete geschickt. Eine Aufgabe, für die die britische Marine künftig nur mehr wenige geeignete Schiffe hat. (Stefan Binder, 17.10.2017)


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