Gratis-Pressefotos verhalfen US-Propaganda zu Erfolg

4. Oktober 2017, 09:30
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Wiener Forschergruppe macht Strategien der US-Bildpropaganda nachvollziehbar: Tagung "War of Pictures" vom 4. bis 6. Oktober in Wien

Wien – Während der Besatzungszeit konnte der US-Bilderdienst in den österreichischen Illustrierten zehnmal so viele Bilder wie die anderen Mächte platzieren, zeigte die Auswertung von rund 60.000 Pressebildern durch Experten des Instituts für Publizistik der Universität Wien. Die Strategien hinter der erfolgreichen US-Bildpropaganda werden bei einer Tagung von Mittwoch bis Freitag in Wien präsentiert.

Alle vier Besatzungsmächte wollten sich in der Nachkriegszeit in den Medien positiv darstellen, so Margarethe Szeless vom Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaften der Uni Wien. Doch nur die USA hätten die finanziellen Mittel, die Infrastruktur und das Know-how gehabt, um erfolgreich Bildpropaganda zu betreiben.

Unbekanntes Material

Um die Propagandastrategien der Alliierten in Österreich zu analysieren, hat Szeless mit ihrer Kollegin Marion Krammer Archivbestände aller Besatzungsmächte gesichtet. Darunter waren bisher unbekanntes Material aus russischen Archiven und rund 3.000 Dokumente des amerikanischen Verwaltungsarchivs "National Archives and Recording Administration" in Washington D.C., die Aufschluss darüber geben, welche Propagandastrategie die Besatzungsmacht in Österreich verfolgte.

Der Erfolg der US-Bildpolitik beruhte, so die beiden Expertinnen, auf der kostenlosen Versorgung der österreichischen Zeitungen mit Pressefotos des amerikanischen Bilderdienstes. Die damaligen Illustrierten – darunter eine SPÖ-nahe, eine ÖVP-nahe und eine politisch unabhängige Zeitschrift – hatten jeweils zehn bis fünfzehn Seiten und eine Auflage von etwa 50.000 bis 100.000 Stück. Dazu kam noch die vierseitige Bilderbeilage des von den US-Besatzern gegründeten und unter ihrem Einfluss stehenden "Wiener Kuriers", die zonenübergreifend mit einer Auflage von 300.000 Stück erhältlich war. Sie sei daher das stärkste Propagandainstrument gewesen.

Österreichische Themen aus pro-amerikanischer Sicht

Der Leiter des amerikanischen Bilderdienstes Yoichi Okamoto, der für die Bilderbeilage des "Wiener Kuriers" verantwortlich zeichnete, habe auf subtile Propaganda gesetzt. Statt direkter Konfrontation mit den Russen "setzte er auf 'Human Interest Stories' über Einzelpersonen und regionale österreichische Themen – freilich aus pro-amerikanischer Sicht", berichtete Krammer. Zudem habe Okamoto die Pressefotografie beflügelt: Er ließ Fotografen ausbilden, zahlte die besten Preise für gute Bilder und schrieb auch Fotowettbewerbe aus.

"Amerika wandte Strategien an, die wir heute aus der Werbung kennen", sagte Szeless. Die anderen Mächte seien in weit geringerem Ausmaß aktiv gewesen. Frankreich habe sich auf die Hochkultur konzentriert und Großbritannien zwar mit Fotoagenturen zusammengearbeitet, aber selbst kein Bildmaterial für Österreich produziert. Die Beamten der sowjetischen Besatzungsmacht hätten sich sogar selbst über den Misserfolg der "Weltillustrierten", des kommunistischen Propagandaorgans, beklagt, das mit seiner Russlandorientierung schlecht angekommen sei.

Großer Bilder- und Informationshunger

"Die Bevölkerung hatte in der Nachkriegszeit einen extremen Bilder- und Informationshunger, den die USA in jeder Hinsicht befriedigten", erklärte Szeless. Fernsehen habe es noch nicht gegeben, deshalb hätten sich die Menschen auf Zeitschriften gestürzt. Dazu zählte auch die in München herausgegebene amerikanische "Heute" nach Vorbild des "Life"-Magazins, die in Österreich zirkulierte.

"Die Österreicher holten sich auf allen Gebieten Rat und Tat von den USA", so Szeless. Die USA betrieben insgesamt zwölf öffentlich zugängliche "Infocenter", deren Lesesäle ständig überfüllt waren, berichtete die Expertin. Großen Zulauf hätten auch die von den Amerikanern aufgestellten Schauvitrinen oder im Zweimonatstakt wechselnden Plakate im städtischen Raum gehabt.

Konferenz "War of Pictures 1945 – 1955"

Den Kontinuitäten der Propaganda von den Bildstrategien der Nachkriegszeit bis hin zur aktuellen Bildberichterstattung als Mittel zur Kriegsführung widmet sich die Konferenz "War of Pictures 1945 – 1955. Pressefotografie und Bildkultur im befreiten/besetzten Österreich" vom 4. bis 6. Oktober, die vom Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Kooperation mit dem Institut für Zeitgeschichte der Uni Wien veranstaltet wird. Das von den Amerikanern aufgebaute rund 20.000 Negative umfassende Pressebildarchiv wird heute von der Österreichischen Nationalbibliothek verwahrt und ist online abrufbar. (APA, 4.10.2017)

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