Lebensmittelindustrie: "Wir verdienen sechs von zehn Euro im Export"

2. Oktober 2017, 18:01
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Die Branche setzt auf die Freihandelsabkommen mit Japan und Kanada. Großbritannien ist hingegen das Sorgenkind

Wien – Österreichische Lebensmittel sind im Ausland gefragt – im vergangenen Jahr wurden landwirtschaftliche Produkte mit einem Gesamtwert von 10,4 Milliarden Euro ausgeführt. Im Vergleich: 1995 lag der Exportwert von Agrarprodukten noch bei 1,79 Milliarden Euro.

Heuer dürfte diese Entwicklung fortgesetzt werden, sagte Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing bei einer Pressekonferenz am Montag. Im ersten Halbjahr stieg der Agrargüterexport im Vorjahresvergleich um sieben Prozent – und damit "deutlich mehr als in den letzten Jahren.

Deutschland ist der Hauptabnehmer

Hauptabnehmer ist weiter Deutschland, mehr als ein Drittel aller Agrarexporte landen dort. Besonders Käse sowie Wurst- und Schinkenprodukte aus Österreich sind in Deutschland beliebt. Platz zwei legt Italien ein, die Vereinigten Staaten sind der drittgrößte Importeur mit einem Plus von 12,6 Prozent. Wichtige Abnehmer sind auch die EU-13, also jene Mitgliedstaaten, die seit 2004 Teil der Union wurden. 17 Prozent aller Ausfuhren im Agrarbereich landen in diesen 13 Ländern.

Brexit zeigt Vorwehen

Sorgenkind der Branche ist hingegen Großbritannien. Agrarausfuhren sind im Vorjahrevergleich um 15 Prozent, Lebensmittelexporte um 14 Prozent eingebrochen. "Da bahnt sich jetzt was an", sagte Blass im Bezug auf den Brexit. Er geht davon aus, dass Großbritannien Agrargüter künftig vermehrt aus Ländern des Commonwealths importieren wird.

Exporteinbußen gab es außerdem auch durch die "schwierige politische Situation" mit Russland und der Ukraine sowie aufgrund von Ernteausfällen durch Hitze und Trockenheit.

Hoffen auf Freihandelsabkommen

Große Hoffnungen setzt die Lebensmittelindustrie hingegen auf die Freihandelsabkommen mit Japan und Kanada. "Als Exportbranche brauchen wir den freien Handel", sagte Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie: "Wir verdienen sechs von zehn Euro im Export." Vor höheren Importmengen fürchte man sich nicht: "Wir wollen eine positive Handelsbilanz beibehalten." Derzeit würden aus Japan hauptsächlich Soja, Reis und Algen importiert werden, aus Kanada Ahornsirup und Preiselbeeren. Während Lebensmittelexporte nach Kanada im ersten Halbjahr um 63 Prozent zulegten, sind jene nach Japan um rund fünf Prozent gesunken.

Nicht nur im Agrarbereich haben Exporte zugenommen, auch österreichische Erzeugnisse wurden vermehrt in anderen Ländern vertrieben. 2016 wurden Lebensmittel und Getränke mit einem Wert von 6,3 Milliarden Euro ausgeführt. Wertmäßig legten Getränke den ersten Platz ein, gefolgt von Backwaren und Tierfutter.

Zugelegt haben auch Lebensmittelimporte. Insgesamt hat der Agrarsektor nach wie vor eine negative Handelsbilanz, so Koßdorff. Importiert werden hauptsächlich Produkte, die in Österreich nicht kultiviert werden, wie zum Beispiel Gewürze. (lauf, 2.10.2017)

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